3 Abschlüsse in 4,5 Jahren? Das Triale Studium macht`s möglich

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Gesellen- und Meisterbrief sowie Bachelor of Arts: Was normalerweise mindestens acht bis neun Jahre dauern würde, ermöglicht das Triale Studium in der Hälfte der Zeit. Denn mit dem Trialen Studium absolvieren die Teilnehmer gleichzeitig eine Ausbildung zum Gesellen, eine Weiterbildung zum Handwerksmeister sowie das Bachelor-Studium „Handwerksmanagement“.

 

 

Ziele des Trialen Studiums:

Das Triale Studium soll dabei helfen, leistungsstarke Abiturienten für das Handwerk zu gewinnen und damit den dringend benötigten Fach- und Führungskräftenachwuchs zu sichern. Denn nicht nur der demografische Wandel führt dazu, dass es dem Handwerk an Nachwuchs fehlt, sondern auch die Tendenz, dass immer mehr junge Menschen ein Studium der Ausbildung vorziehen, ebenso wie die zunehmende Attraktivität von Ausbildungen in Industrie und Handel.

Durch das Triale Studium sollen junge, qualifizierte Fachkräfte ausgebildet werden, die anschließend in der Lage sind, einen eigenen Betrieb zu führen, zu übernehmen oder als Fachkraft tätig zu sein. Deshalb ist das Triale Studium vor allem bei Abiturienten aus Handwerksfamilien beliebt, die später Führungsaufgaben im Familienunternehmen übernehmen wollen. Diese müssen sich so nicht mehr zwischen Ausbildung und Studium entscheiden.

Zudem steigen durch die Globalisierung, den technologischen Wandel und den daraus resultierenden Innovationsdruck die Anforderungen an angehende Führungskräfte im Handwerk. Das Triale Studium legt deshalb neben der vielfältigen Qualifizierung im handwerklichen Beruf den Schwerpunkt vor allem auf betriebswirtschaftliche Aspekte sowie Kompetenzen in Personalführung und Marketing.

 

Angebote zum Trialen Studium:

Derzeit wird das Studium vor allem von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Kooperation mit den Handwerkskammern Köln, Hannover und Schwerin angeboten. Dort ist die Kombination mit fast allen Handwerksgewerben möglich, u.a.:

  • Augenoptiker
  • Bäcker
  • Dachdecker
  • Elektrotechniker
  • Feinmechaniker
  • Fliesenleger
  • Friseur
  • Gebäudereiniger
  • Installateur
  • Kraftfahrzeugtechniker
  • Konditor
  • Maler und Lackierer
  • Maurer und Betonbauer
  • Metallbauer
  • Raumausstatter
  • Schornsteinfeger
  • Tischler
  • Zahntechniker
  • Zimmerer

 

Auch an der Hochschule Niederrhein ist seit diesem Jahr ein Triales Studium möglich, es ist aber momentan noch beschränkt auf die Berufsausbildung zum Tischler und zum Elektroniker.

 

Zulassungsvoraussetzungen:

Voraussetzung für die Aufnahme des Trialen Studiums ist das (Fach-)Abitur oder eine andere gleichwertige Hochschulzugangsberechtigung.

Außerdem muss bereits ein Ausbildungsvertrag von einem anerkannten Ausbildungsbetrieb der Handwerkskammer vorliegen. Dieser muss mit dem gleichzeitigen Studium einverstanden sein.

Nach schriftlicher Bewerbung folgt ein Eignungstest mit Persönlichkeitsprofil, Englischtest und Auswahlgespräch.

 

Aufbau und Ablauf:

Das Studium dauert mindestens vier Jahre, die genaue Dauer und der Ablauf hängen vom jeweiligen Handwerk und der Hochschule ab.

Im Gegensatz zum Dualen Studium, wo sich Uni- und Praxisphasen meist abwechseln, starten Ausbildung und Studium synchron: In den ersten zweieinhalb Jahren findet die Berufsausbildung ganz normal im Betrieb und am Berufskolleg statt. Zusätzlich müssen die Teilnehmer abends oder am Wochenende in die Uni. Nach der Gesellenprüfung studieren sie dann eine Zeit lang in Vollzeit. Als letztes folgen die Meisterschule mit abschließender Prüfung und die Bachelorarbeit. Zusätzlich wird ein intensives Selbststudium vorausgesetzt.

Das Triale Studium erfordert deshalb ein perfektes Zeitmanagement der Studenten, viel Motivation und vor allem Disziplin!

 

Vorteile:

Die große Stärke des Studiums liegt in der Zeitersparnis: Drei Abschlüsse mit nur einem Studiengang – und das in der Hälfte der gewöhnlichen Zeit. Um dies zu ermöglichen, werden Synergieeffekte genutzt: Auf Dopplungen wird verzichtet, fachliches Know-how wird systematisch aufgebaut und ergänzt.

Außerdem werden durch die Verknüpfung aus Theorie und Praxis handwerkliche und betriebswirtschaftliche Kenntnisse gleichermaßen geschult. Nach erfolgreichem Abschluss ergeben sich so hervorragende Karrierechancen.

Auch für den ausbildenden Betrieb kann sich dies lohnen, indem er talentierte Führungskräfte frühzeitig an sich binden kann.

 

Nachteile:

Kritiker bemängeln den Bildungsschnelldurchlauf durch das straffe Programm des Trialen Studiums. Dabei würden personelle und soziale Kompetenzen auf der Strecke bleiben, außerdem könne die fachliche Qualität durch die verkürzte Ausbildungsdauer nicht der entsprechen, die bei doppelter Zeit erreicht werden würde. Gerade für die Meisterqualifikation sei vor allem berufliche Erfahrung nötig, die so fehle.

Zusätzlich verlangt das Programm den Betrieben einiges ab, da diese vor allem im letzten Jahr oder nach einer Übernahme von den Lehrlingen profitieren würden – aber nicht, wenn die Studenten anschließend einen eigenen Betrieb eröffnen.

Außerdem wird stark bezweifelt, dass das Triale Studium wirklich dem Nachwuchsmangel im Handwerk entgegengewirkt, denn es fehle vor allem an Fachkräften und nicht an Führungskräften.

 

Noch nehmen jedoch zu wenige Jugendliche an den Programmen teil, um überprüfbare Einschätzungen zu den Chancen und Risiken des Trialen Studiums abgeben zu können.

 

Mehr Infos zu den derzeitigen Angeboten zum Trialen Studium finden Sie hier:

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