Abzug von Studiengebühren einer privaten Fachhochschule als Sonderausgaben?

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Das Schulgeld, das Eltern für den Besuch einer Privatschule ihres Kindes bezahlen, kann unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Aber gilt das auch für die Studiengebühren an einer privaten Fachhochschule?

30 % des Schuldgelds für eine Schule in freier Trägerschaft oder eine überwiegend privat finanzierte Schule, höchstens 5.000 EUR können bei den Eltern als Sonderausgaben abgezogen werden (§ 10 Abs. 1 Nr. 9 Satz 1 EStG). Nicht abzugsfähig ist der Teil, der auf Beherbergung, Betreuung und Verpflegung entfällt. Der Sonderausgabenabzug setzt voraus, dass für das Kind Anspruch auf den Kinderfreibetrag oder auf Kindergeld besteht. Der Höchstbetrag von 5.000 EUR wird (für beide Eltern zusammen) pro Kind gewährt.

Gilt das auch für Studiengebühren an einer privaten Fachhochschule?

Beispiel: Die verheirateten Eltern haben für ihre 20-jährige Tochter Anspruch auf Kindergeld. Die Tochter studiert nach ihrem Abitur seit Oktober 2014 an einer (staatlich anerkannten) privaten Fachhochschule (Bachelor-Studiengang). Die Eltern machen in ihrer Einkommensteuererklärung 2014 die vom Vater für das Wintersemester 2014/2015 getragenen Studiengebühren (2.400 EUR) als Sonderausgaben geltend. Das Finanzamt lehnt den Sonderausgabenabzug ab; Begründung: die Fachhochschule sei keine allgemein- bzw. berufsbildende Schule.

FG Münster lehnt Sonderausgabenabzug ab

Die ablehnende Haltung des Finanzamts wird vom FG Münster (Urteil v. 14.8.2015, 4 K 1563/15 E) gestützt: Danach berechtigen Studiengebühren, die für ein keinen allgemeinbildenden Abschluss vermittelndes Studium an einer privaten, staatlich anerkannten Fachhochschule entrichtet werden, nicht zum Sonderausgabenabzug nach § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG. Hochschulen (einschließlich Fachhochschulen) sind danach keine „Schulen“ im Sinne der Vorschrift.

Es gibt noch Hoffnung: Das letzte Wort hat der BFH

Die Anzahl privat finanzierter Hoch- bzw. Fachhochschulen wächst stetig. Daher und wegen der grundsätzlichen Bedeutung hat das FG Münster die Revision gegen sein Urteil zugelassen. Das letzte Wort liegt also beim BFH. Steuerberater Hans Walter Schoor rät daher, einschlägige Fälle durch Einspruch offen zu halten und das Ruhen des Verfahrens aus Zweckmäßigkeitsgründen anzuregen (§ 363 Abs. 2 Satz 1 AO). Sobald die Revision beim BFH anhängig ist, ruhen die Einsprüche kraft Gesetzes (§ 363 Abs. 2 Satz 2 AO).

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