Angestellte Finance-Experten: Langsame Belebung auf dem Stellenmarkt zu erwarten

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Der Personaldienstleister Robert Half hat in seiner jährlichen Gehaltsstudie für Finance-Experten steigende Gehälter aufgrund einer gestiegenen Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt feststellt. Der Personaldienstleister Hays zählt dagegen für das 3. Quartal 2013 eine weiterhin sinkende Anzahl an Stellenanzeigen in diesem Bereich. Buchalter finden jedoch einen konstanten Arbeitsmarkt vor – mit positiven Aussichten.

 von Udo Reuß, Chefredakteur „bilanz + buchhaltung“, Gerolzhofen 

Seit Anfang 2011 wertet Hays die Stellenanzeigen in überregionalen und regionalen Tageszeitungen sowie in den wichtigsten Online-Jobbörsen aus. Ende 2011/Anfang 2012 gab es einen Anstieg an Ausschreibungen, doch insgesamt war in den Jahren 2011 bis heute die Tendenz sinkend. Gegenüber dem im 1. Quartal 2011 erstellten Referenzwert werden aktuell rund ein Fünftel weniger Stellenanzeigen geschaltet. Im Vergleich zwischen dem 3. Quartal 2012 und 2013 sank die Nachfrage nach angestellten

  • Risikomanagern um 18 %,
  • Leiter Rechnungswesen um 11 %,
  • Auditoren,
  • Controller und
  • Tax Manager um 5 bis 6 %.

 

Konstanter Arbeitsmarkt für Bilanz- und Finanzbuchhalter

Die Anzahl an Stellenanzeigen für Finanz- und Bilanzbuchhalter blieb konstant, sank aber auch etwas. Im 2-Jahresrückblick zeigt sich der Arbeitsmarkt für die Buchhalter, Steuerexperten und Auditoren am stabilsten. Per Inserat am häufigsten gesucht werden Controller mit weitem Abstand vor Bilanz- und Finanzbuchhalter.

Analysiert man die Stellenangebote nach Branchen, fällt auf, dass in der Automobilbranche in den letzten beiden Jahren der größte Rückgang zu verzeichnen war. Nur bei Banken waren zuletzt die Angebote nicht rückläufig. Die meisten Stellen vergibt der Handel.

Das eher flaue wirtschaftliche Umfeld sei die Ursache für die Zurückhaltung bei Neueinstellungen, erklärt Hays. Der Personaldienstleister erwartet mit einer prognostizierten Konjunkturbelebung um 1,7 % im kommenden Jahr auch mehr Jobangebote im Rechnungswesen.

Robert Half: Höhere Gehälter für Finance-Experten

Vor diesem Hintergrund ist etwas überraschend, dass die „Gehaltsübersicht 2014 Finanz- und Rechnungswesen“ von Robert Half zuweilen deutliche Lohnsteigerungen gegenüber dem Vorjahr darstellt. Der Personaldienstleister, der seit 2006 jährliche Gehaltsübersichten in diesem Bereich erstellt, begründet dies mit einer steigenden Nachfrage nach Finance-Experten.

In der Studie dargestellt sind durchschnittliche Bruttojahresgehälter von Mitarbeitern in 23 Positionen im Finanz- und Rechnungswesen. Benefits und andere Zusatzleistungen werden hierbei nicht berücksichtigt. Die Angaben basieren auf den Erfahrungen der Personalberater aus Gesprächen mit Kunden und Bewerbern sowie der Auswertung der unternehmenseigenen Datenbank. In die Gehaltsübersicht sind Ergebnisse aus dem internationalen „Workplace Survey“ eingeflossen, den Robert Half zweimal im Jahr von einem unabhängigen Marktforschungsinstitut durchführen lässt. Im Rahmen dieser Studie wurden 2.500 Finanzvorstände in 17 Ländern befragt, davon stammen 200 aus Deutschland.

Im Gegensatz zum Vorjahr war an der Gehaltsstudie 2014 der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller nicht mehr beteiligt. Im letzten Jahr wurden Kandidaten noch gemeinsam mit dem BVBC befragt. Im Ergebnis erwartet Robert Half einen deutlichen Schub bei Neueinstellungen. Denn fast 90 % der befragten CFOs blicken zuversichtlich in die Zukunft. Insbesondere weil neue Märkte erschlossen werden sollen, neue Projekte initiiert werden, das Produktportfolio erweitert wird und/ oder das Geschäft wächst, wollen 37% der Unternehmen im 2. Halbjahr 2013 neue Stellen schaffen.

Angst vor Abwerbung von Top-Kräften

Mit der wachsenden Wirtschaft zieht auch die Nachfrage nach Experten im Finanz- und Rechnungswesen an. „Doch gute Leute sind schwer zu finden“, heißt es in der Studie. Dementsprechend geben 75 % der befragten Finanzvorstände an, Probleme zu haben, geeignete Mitarbeiter zu rekrutieren. Fast genauso viele befürchten, dass Top-Angestellte zu einem Konkurrenten wechseln könnten. Dieser Wert ist im Vorjahresvergleich um 20 Prozentpunkte gestiegen.

Auf die Frage, in welchen Funktionsbereichen es am schwierigsten sei, qualifizierte Bewerber zu finden, nannten die CFOs am häufigsten Finanzanalysten und Finanzmanager:

1. Finanzanalyse (37 %)

2. Finanzmanagement (33 %)

3. Compliance (24 %)

4. Steuern und Treasury (22 %)

5. Finanzplanung (21 %)

6. Finanzbuchhaltung (20 %)

7. Kreditoren-/Debitorenbuchhaltung (18 %)

8. Lohn- und Gehaltsbuchhaltung (11 %)

9. Risk-Management (10 %)

10. Audit (10 %)

Soft Skills sind gefragt

Neben dem fachlichen Buchhaltungswissen erwarten Unternehmen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter eine Reihe an Schlüsselkompetenzen. Am häufigsten genannt wird die Teamfähigkeit, gefolgt von unternehmerischem Denken, aktuellen IT-Kenntnissen, Kommunikationsfähigkeit, Führungskompetenz sowie Kunden- und Serviceorientierung. Um sich mit anderen Abteilungen austauschen zu können und bei Abschlüssen kooperativ mit Kollegen zusammenarbeiten zu können, sei Teamgeist unabdinglich. Zudem sollen Finance-Experten, Projekte effektiv organisieren und stets überprüfen, ob das Projekt und die Mitarbeiter noch auf dem richtigen Weg seien.

Gehaltsanstieg erwartet

Wer diesen hohen Ansprüchen genügt, könne mit steigendem Gehalt rechnen. Robert Half berichtet von zunehmenden Anfragen nach Finance-Experten. Rund 43 % der Finanzvorstände erwarten eine leichte Lohnsteigerung für ihre Mitarbeiter im Jahr 2014. Das Gehalt hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Berufserfahrung
  • Qualifikation
  • Tätigkeit und
  • nicht zuletzt von der Branche, der Größe und dem Standort des Arbeitgebers.

 

Deutliche regionale Unterschiede

Höhere Gehälter zahlen etwa Großunternehmen in Metropolen wie Frankfurt, Stuttgart und München. Auch in Düsseldorf, Wiesbaden, Mannheim und Hamburg liegen die Gehälter etwas über dem bundesweiten Durchschnitt. Geringer ist der Verdienst etwa in Freiburg oder Essen, wo nur rund 84 % eines durchschnittlichen Lohns bezahlt wird.

Generell zahlen kleinere Unternehmen niedrigere Gehälter. Kompensiert werden kann dies gegebenenfalls durch flexiblere Arbeitsbedingungen, bessere Aufstiegsmöglichkeiten oder einem umgänglichen Kollegenkreis. Nicht zuletzt sind das Betriebsklima und die Führungsqualität des Chefs für die Mitarbeiterzufriedenheit entscheidend.

Gehaltsübersicht für 23 Positionen

Nach Erkenntnissen von Robert Half kann ein Leiter Buchhaltung mit über 15 Jahren Berufserfahrung mehr als 90.000 Euro im Jahr erwarten (siehe unten stehende Übersicht). Mit einer Berufserfahrung bis 5 Jahren liegt das Gehalt zwischen 60.000 und 70.000 Euro. Ein Berufseinsteiger als Financial Analyst kann mit zirka 50.000 Euro rechnen. Bilanzbuchhalter können abhängig von ihrer Berufserfahrung zwischen 43.000 Euro und mehr als 65.000 Euro Jahresgehalt auf ihr persönliches Habenkonto buchen. Finanzbuchhalter steigen mit etwa 33.000 Euro ein und können in der Spitze um die 51.000 Euro verdienen. Ähnlich ist das Gehaltsgefüge in der Lohn- und Gehaltsbuchhaltung.

Ein Junior-Controller kann zum Berufseinstieg mindestens 37.000 bis rund 45.000 Euro erwarten. Als Controller, Senior Controller bis hin zum Leiter Controlling kann das Jahresgehalt auf über 105.000 Euro wachsen. Steuerfachangestellte haben ein Einstiegsgehalt ab 31.000 Euro und können dieses auf gut 45.000 Euro mit zunehmender Berufserfahrung steigern. Etwas höher liegen die Steuerassistenten und Wirtschaftsprüfungsassistenten. Bei 39.000 Euro liegt das unterste Einkommensniveau von Steuerfachwirten, die maximal gut 56.000 Euro erreichen können. Steuerberater können mit einem Mindestgehalt von 61.000 Euro rechnen, während Wirtschaftsprüfer nicht unter 89.000 Euro zu haben sind.

Junior Treasurer steigen mit mindestens 43.000 Euro Jahresgehalt ein und können sich über die Karriereleiter zum Senior Treasurer oder Leiter Treasury bis auf über 130.000 Euro hocharbeiten. Ein Leiter Finanzen hat meist mindestens 6 Jahre Berufserfahrung und verdient mindestens 93.000 Euro bis weit über 130.000 Euro. Ein CFO kann mit mindestens 125.000 Euro rechnen und verdient nicht selten über 200.000 Euro im Jahr.

Besonderer Arbeitsdruck beim Jahresabschluss

Der „Workplace Survey“ von Robert Half fragt auch gezielt nach den Herausforderungen, die der Jahresabschluss für die Rechnungswesensabteilung mit sich bringt. Am häufigsten genannt wird

  • der Termindruck,
  • gefolgt von der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsprüfern,
  • der mangelnden Motivation der Festangestellten,
  • den unzureichenden Fachkenntnissen Festangestellter und
  • dem Zugriff auf Daten.

 

Im Ergebnis arbeiten Festangestellte rund um den Jahresabschluss oft über 10 % länger. Daher würden nach Angaben von Robert Half 60 % der Unternehmen für die Jahresabschlussarbeiten planen, kurzfristig Zeitarbeitskräfte zur Unterstützung der festangestellten Mitarbeiter einzustellen. Hierbei ginge es vor allem um die Bewältigung von Arbeitsspitzen.

Wenn die Wirtschaft wie erwartet zulegt, dann ist auch im Finanz- und Rechnungswesen mit Mehrarbeit und vielleicht auch Neueinstellungen zu rechnen. Und falls die benötigten Arbeitskräfte mangels qualifizierten Angebots nicht zu rekrutieren sind, dann gibt es immer noch die Möglichkeit, externe Unterstützung bei selbstständigen Finance-Experten einzukaufen. Insgesamt also ganz gute Aussichten.

Gehaltsübersicht: Buchhaltung

Gehaltsvergleich

 (Quelle: „Gehaltsübersicht Finanz- und Rechnungswesen 2014“ von Robert Half, S. 13)

 

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