Arbeitszeugnisse verstehen

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Bei der Bewerbung für eine neue Stelle spielen Arbeitszeugnisse eine wichtige Rolle. Denn dort wird genau festgehalten, wie Sie am Arbeitsplatz wahrgenommen wurden und welche Qualifikationen und Verhaltensweisen Sie gezeigt haben. Dabei ist es für den Laien gar nicht so einfach ein Arbeitszeugnis richtig zu entschlüsseln und einzuordnen. Formulierungen können sich positiv anhören, sind es aber oft nicht.

Bei der Beurteilung eines Zeugnisses sind daher vor allem zwei Aspekte zu beachten. Zum einen wie das Zeugnis aufgebaut ist und ob alle wesentlichen Punkte aufgegriffen werden. Zum anderen die genaue Formulierung der Zeugnisse, die mehr als tückisch sein kann.

 

Grundaufbau:

  • Überschrift
    • Bezeichnung des Zeugnisses (z. B. Ausbildungszeugnis, Praktikumszeugnis)
  • Einleitung
    • Name, Geburtsdaten
    • Beruf und Titel
    • Dauer der Beschäftigung
    • Bezeichnung der Tätigkeit
  • Aufgabenbeschreibung
    • Tätigkeit, Einsatzbereiche
    • Hierarchische Position, Werdegang
    • Aufgaben, Verantwortung
  • Leistungsbeurteilung
    • Arbeitsweise, Arbeitserfolg
    • Arbeitsbereitschaft, Arbeitsfähigkeit
    • Führungsverhalten
  • Verhaltensbeurteilung
    • Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern, Kunden
  • Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses
    • Austrittstermin
    • Beendigungsgründe
  • Schlussformel
    • Dankes- und Zukunftsformel
    • Ausstellungsdatum und Unterschrift

 

Formulierungsbespiele:

Fachkönnen

  • Sehr gut: „Er verfügt über hervorragende Fachkenntnisse und eine langjährige Berufserfahrung. Durch seine schnelle Auffassungsgabe und sein persönliches Engagement wurde er zu einem hochqualifizierten Spezialisten in unserer Abteilung Qualitätssicherung.“
  • Gut: „Er bewältigte seinen Arbeitsbereich selbstständig und sicher, fand gute Lösungen und hatte neue Ideen.“
  • Befriedigend: „Er war ein belastbarer Mitarbeiter, der auch unter schwierigen Arbeitsbedingungen Aufgaben gut bewältigte.“
  • Ausreichend: „Er bewältigte seinen Aufgabenbereich.“ oder „Er passte sich neuen Arbeitssituationen an.“
  • Mangelhaft: „Er bewältigte im Wesentlichen die in seinem Aufgabenbereich anfallenden Aufgaben.“
  • Ungenügend: „Er war bestrebt, seinen Aufgabenbereich zu bewältigen.“ oder „Er war bemüht, sich den Arbeitssituationen anzupassen.“

 

Zufriedenheitsskala

  • Sehr gut „Wir waren mit seinen Leistungen stets außerordentlich zufrieden.“
  • Sehr gut bis gut: „Er hat seine Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.“
  • Gut: „Er hat seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.“
  • Befriedigend: „Er hat seine Aufgaben stets zu unserer Zufriedenheit erledigt.“
  • Befriedigend bis ausreichend: „Er hat die Aufgaben stets zu unserer Zufriedenheit erledigt.“
  • Ausreichend: „Er hat seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt.“
  • Mangelhaft: „Er hat seine Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt.“
  • Ungenügend: „Er hat seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen versucht.“

 

Geheimcodes (Verschlüsselung – Bedeutung)

  • „Im Kollegenkreis galt er als toleranter Mitarbeiter.“ – Vorgesetzte hatten es mit ihm schwer.
  • „Er hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt.“ – Er hat getan, was er konnte, das war jedoch nicht viel.
  • „Er zeigte für die Arbeit Verständnis.“ – Er war faul und hat nichts geleistet.
  • „Er war tüchtig und wusste sich zu verkaufen.“ – Er war ein unangenehmer Wichtigtuer.

 

 

Wer sich näher mit diesem Thema auseinandersetzen und hinter die Formulierungscodes in Arbeitszeugnissen blicken möchte, der kann sich an folgender Literatur orientieren:

  • Anne Backer: Arbeitszeugnisse. Entschlüsseln und mitgestalten. Haufe, 6. Auflage (TaschenGuide), Freiburg München 2013.

Kommentare

  • Zeugnisse sagt:

    Gibt es denn irgendwo eine komplette „offizielle“ Auflistung aller Formulierungen mit verstecktem Geheimcode?

  • Haufe eCampus Redaktion sagt:

    Eine offizielle Liste ist uns nicht bekannt und wird auch kaum möglich sein, da jeder Arbeitgeber und Personaler einen individuellen Umgang damit pflegt. Die Codes und deren Übersetzungen basieren lediglich auf Formulierungen, die sich in der Praxis etabliert haben. Eine ausführliche Liste finden Sie in diesem Buch: http://shop.haufe.de/arbeitszeugnisse-korrekt-entschluesseln

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