Ausbildungskosten steuerlich geltend machen

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Nach aktueller Rechtslage können die Kosten für eine Erstausbildung oder ein Erststudium nur als sog. Sonderausgaben (begrenzt auf 6.000 EUR) abgezogen werden. Gerade bei Studenten geht der Sonderausgabenabzug dabei oft ins Leere, weil es ihnen an Einkünften fehlt, mit denen er verrechnet werden könnte.

Steuerlich attraktiver ist dagegen ein Abzug als Werbungskosten. Dies konnte bislang dadurch erreicht werden, dass man zunächst eine kurze Erstausbildung absolviert (z. B. als Rettungssanitäter, Taxifahrer, Flugbegleiter oder Programmierer). Die Kosten für eine darauf folgende Zweitausbildung/-studium galten dann als Werbungskosten.

Diese Gestaltungsmöglichkeit hat der Gesetzgeber ab 2015 verbaut: Eine Erstausbildung in diesem Sinne erfordert seitdem einen geordneten Ausbildungsgang, der mindestens 12 Monate dauert (bei vollzeitiger Ausbildung) und mit einer Abschlussprüfung (soweit im Ausbildungsplan vorgesehen) endet.

Durch diese Neuregelung ist es ab 2015 wesentlich schwieriger, eine für den Werbungskostenabzug (der Zweitausbildung) erforderliche Erstausbildung vorzuweisen. Wer ein langes und teures Studium plant, sollte dennoch darüber nachdenken, ob er nicht zuvor eine 12-monatige Vollzeitausbildung mit Abschlussprüfung absolviert. Auf diese Weise kann der Werbungskostenabzug für die Studienzeit erreicht werden. Die Studienkosten können bei der Steuererklärung mittels eines Antrags auf Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags für jedes Jahr geltend gemacht werden. Nach Abschluss des Studiums kann dann der aufgelaufene Verlustvortrag mit positiven Einkünften verrechnet werden, wodurch man sehr viel Steuern spart.

Praxis-Tipp: Für die Jahre bis einschließlich 2014 besteht weiter die Möglichkeit, sich durch eine „Kurzausbildung“ den Werbungskostenabzug zu sichern. Aber vielleicht geht es sogar ohne: Der BFH vertritt nämlich die Auffassung, dass Aufwendungen für die (Erst-)Ausbildung zu einem Beruf als notwendige Voraussetzung für eine nachfolgende Berufstätigkeit beruflich veranlasst und demgemäß auch als Werbungskosten einkommensteuerrechtlich berücksichtigt werden müssten (BFH, Beschlüsse v. 17.7.2014, VI R 2/12 und VI R 8/12). Er hat daher dem BVerfG die Frage vorgelegt, ob die bis zum 31.12.2014 geltende Regelung mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Steuerberater Georg Schmitt rät Betroffenen daher, die Kosten ihrer Erstausbildung bzw. ihres Erststudiums unter Hinweis auf die beim BVerfG anhängigen Verfahren 2 BvL 23/14 und 2 BvL 24/14 auch dann geltend zu machen, wenn sie vor Beginn der Ausbildung oder des Studiums keine sog. „Kurzausbildung“ absolviert haben.

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