Ausbildungskosten: Steuerliche Geltendmachung

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Eine Ausbildung kostet i. d. R. viel Geld. Es besteht allerdings die Möglichkeit, die entstandenen Kosten steuerlich geltend zu machen, ggf. in späteren Veranlagungszeiträumen. Im Einzelnen gelten dabei viele Besonderheiten, die häufig bereits bei der Planung einer Ausbildung beachtet werden sollten.

Von Andrea Kutschera, Assessorin und Fachjournalistin (DFJS)

Fortbildung oder Berufsausbildung?

Die meisten Steuerpflichtigen wollen ihre Bildungsmaßnahme steuerlich als Fortbildung anerkannt bekommen. Denn Fortbildungskosten sind Werbungskosten und damit in unbegrenzter Höhe absetzbar.

Die Kosten einer Berufsausbildung sind dagegen nur begrenzt als Sonderausgaben abziehbar, und zwar bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 EUR jährlich.

Doch nicht immer ist der Werbungskostenabzug tatsächlich von Vorteil. In manchen Fällen kann es doch günstiger sein, wenn die Bildungskosten Sonderausgaben sind. Das hängt allerdings sehr vom Einzelfall ab, also z. B. ob der Steuerpflichtige Einnahmen hat oder keine, ob die Bildungskosten eher gering ausfallen oder hoch sind, ob er sonstige Werbungskosten hat usw.

Fall 1: Der Steuerpflichtige hat keine oder nur geringe Einnahmen

In diesem Fall ist es günstiger, wenn die Bildungskosten Werbungskosten sind. Denn dann entsteht bei keinen oder geringen Einnahmen ein Verlust, der im Vorjahr oder in den darauffolgenden Jahren steuermindernd geltend gemacht werden kann. Gehören die Ausbildungskosten zu den Sonderausgaben, wirken sie sich hier nicht aus – denn bei Sonderausgaben kann kein Verlust entstehen, der vor- oder zurückgetragen werden könnte.

Fall 2: Der Steuerpflichtige hat keine oder nur geringe sonstige Werbungskosten

Hier kann es passieren, dass die Aufwendungen der Bildungsmaßnahme sich steuerlich nicht auswirken, weil der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 EUR nicht überschritten wird (z. B. Fahrtkosten 600 EUR, Büromaterial 30 EUR, Bildungskosten 300 EUR). Dann wäre es günstiger, wenn die Bildungskosten Sonderausgaben wären; hier liegt der Pauschbetrag nur bei 36 EUR bzw. 72 EUR.

Fall 3: Die Bildungsmaßnahme ist sehr teuer

Bei sehr teuren Ausbildungen von mehr als 6.000 EUR jährlich ist es immer besser, wenn die Aufwendungen für die Bildungsmaßnahme als Werbungskosten abgezogen werden können. Übersteigen die Kosten die Einnahmen, entsteht ein Verlust und dieser kann vor- oder zurückgetragen werden und wirkt sich in anderen Jahren steuermindernd aus. Der Abzug als Sonderausgaben ist auf 6.000 EUR begrenzt, der übersteigende Betrag „verfällt“ und kann nicht mehr geltend gemacht werden.

Die Kriterien für die Einordnung einer Bildungsmaßnahme als Berufsausbildung bzw. als Fortbildung wurden mittlerweile ziemlich klar definiert; in den vergangenen Jahren gab es rund um Fortbildung und Berufsausbildung viele BFH-Urteile, einige Gesetzesänderungen und natürlich BMF-Schreiben. Bei vielen Bildungsmaßnahmen ist jetzt geklärt, wohin sie gehören; bei anderen wird über die steuerliche Einordnung immer wieder bzw. immer noch gestritten. In den folgenden Kapiteln finden Sie einen Überblick, wann steuerlich eine Berufsausbildung und wann eine Fortbildung vorliegt, welche Fälle noch nicht geklärt sind und wie man die Ausbildungs- bzw. Fortbildungskosten in der Steuererklärung unterbringt.

Einzelfälle bei der Berufsausbildung

Zur Berufsausbildung gehören aus steuerlicher Sicht die erstmalige Berufsausbildung und das Erststudium. Klingt einfach, in der Praxis gibt es jedoch immer wieder Streit um die Frage, ob tatsächlich eine erstmalige oder eine zweite Ausbildung vorliegt.

Der Grund: Die Kosten für die erstmalige Berufsausbildung gehören zu den Sonderausgaben, die Kosten für eine zweite Ausbildung sind als Werbungskosten abziehbar.

Berufsausbildung bedeutet: Durch eine berufliche Ausbildungsmaßnahme werden die notwendigen fachlichen Fertigkeiten und Kenntnisse erworben, die zur Aufnahme eines Berufs befähigen (BFH, Urteil v. 18.06.2009, VI R 79/06).

Voraussetzung: Der Beruf wird durch eine Ausbildung im Rahmen eines öffentlich-rechtlich geordneten Ausbildungsgangs erlernt und durch eine Prüfung abgeschlossen (BMF, Schreiben v. 22.09.2010, BStBl. 2010 I S. 721, Rz. 4).

Berufsausbildungen sind (BMF, Schreiben v. 22.09.2010, BStBl. 2010 I S. 721, Rz. 5-6):

  • anerkannte Ausbildungs- und Lehrberufe;
  • Berufsausbildungsverhältnisse nach dem Berufsbildungsgesetz;
  • Berufsabschlüsse an Berufsfachschulen;
  • anerkannte Berufsausbildungsberufe für behinderte Menschen und      besondere Behinderten-Ausbildungsberufe;
  • Ausbildungen in öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnissen;
  • Bildungsmaßnahmen, die Voraussetzung für die Aufnahme einer      beruflichen Betätigung sind, wenn sie im Rahmen eines geordneten      Ausbildungsgangs erfolgen und durch eine staatlich anerkannte Prüfung      abgeschlossen werden. Der erfolgreiche Abschluss der Prüfung muss      Voraussetzung für die Aufnahme der beruflichen Tätigkeit sein.

 

Der steuerliche Begriff der Berufsausbildung ist also relativ weit gefasst. So kann auch die Ausbildung zum Rettungssanitäter während eines freiwilligen sozialen Jahrs eine erstmalige Berufsausbildung sein. § 12 Nr. 5 EStG setzt weder ein Berufsausbildungsverhältnis nach dem Berufsbildungsgesetz noch eine bestimmte Ausbildungsdauer voraus (BFH, Urteil v. 27.10.2011, VI R 52/10, BStBl. 2012 II S. 825).

Eine „erstmalige“ Berufsausbildung liegt vor, wenn dieser Berufsausbildung keine andere abgeschlossene Berufsausbildung bzw. kein abgeschlossenes berufsqualifizierendes Hochschulstudium vorausgegangen ist. Besonderheit: Findet die erstmalige Berufsausbildung im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses statt, gehören die Kosten zu den Werbungskosten (z. B. Lehre in einem Betrieb mit Besuch der Berufsschule).

Auch ein Studium an einer Hochschule gehört grundsätzlich zur Berufsausbildung und die Studienkosten damit zu den Sonderausgaben, wenn es sich bei dem Studium um die erste Berufsausbildung handelt (BMF, Schreiben v. 22.09.2010, BStBl. 2010 I S. 721, Rz. 13). Ausnahme: Wird das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses absolviert, liegt steuerlich eine Fortbildung vor und die Studienkosten sind Werbungskosten (z. B. duales Studium im Betrieb und Besuch der Hochschule).

Wurde dagegen vor Aufnahme des Studiums eine Berufsausbildung abgeschlossen, zählt das (Erst-)Studium steuerlich zur Fortbildung (z. B. erst Lehre als Schreiner, danach Studium der Architektur)

Und dann gibt es noch diese Sonderfälle:

Sonderfall Beschreibung Beurteilung
Nachgeholte Berufsausbildung Es wird eine berufliche Tätigkeit ausgeübt, eine Berufsausbildung wurde bisher nicht absolviert. Erst später wird diese nachgeholt. Hier handelt es sich um eine erstmalige Berufsausbildung.
Anerkennungsjahre / praktische Ausbildungsabschnitte Bestandteil der ersten Berufsausbildung sind praktische   Ausbildungsabschnitte. Solange keine abgeschlossene Berufsausbildung vorliegt, sind die   praktischen Ausbildungsabschnitte Teil der ersten Berufsausbildung.   Anerkennungsjahre und Praktika nach Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums können dagegen Fortbildung sein.
Wechsel der Berufsausbildung Nach einigen Semestern Studium wird die Fachrichtung gewechselt, ohne das   erste Studium abgeschlossen zu haben. Mit dem ersten Studium liegt keine abgeschlossene Berufsausbildung vor, da es nicht mit einer Prüfung beendet wurde. Deshalb ist das zweite Studium   immer noch die erstmalige Berufsausbildung. Noch nicht geklärt ist der Fall, ob eine erste Berufsausbildung auch als abgeschlossen gilt, wenn zwar die   Prüfung absolviert aber nicht bestanden wurde (Az der Revision VI R 61/11).
Unterbrechung der Berufsausbildung Nach einigen Semestern wird das Studium für einige Zeit unterbrochen und danach wieder aufgenommen. Der Studienteil nach der Unterbrechung ist kein zweites Studium, sondern es handelt sich immer noch um das erste Studium und damit um die erste   Berufsausbildung.
Ausbildung im Ausland Einer abgeschlossenen Berufsausbildung in Frankreich folgt ein Studium in   Deutschland. Wird der französische Berufsabschluss in Deutschland anerkannt, handelt   es sich hierbei um die erstmalige Berufsausbildung. Das Studium ist dann eine zweite Ausbildung und damit steuerlich eine Fortbildung.
Mehrere Studiengänge / Ausbildungen Es werden zwei Studiengänge parallel studiert und zu unterschiedlichen   Zeiten abgeschlossen. Mit dem Abschluss des ersten Studiengangs ist die erstmalige   Berufsausbildung abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt ist der andere   Studiengang ein weiteres Studium, dessen Kosten Werbungskosten sind. So lautet zumindest die Ansicht der Finanzverwaltung. Eine höchstrichterliche   Entscheidung wird es dazu hoffentlich auch bald geben; denn die Frage, ab welchem Zeitpunkt die zweite Ausbildung tatsächlich beginnt, liegt beim BFH (Az der Revision VI R 38/12).
Ergänzungs-/Aufbaustudium Nach dem Abschluss des Studiums wird ein Aufbaustudium absolviert. Zusatz-, Ergänzungs- und Aufbaustudien setzen den Abschluss eines ersten   Studiums voraus, deshalb gehören sie als weiteres Studium steuerlich zur   Fortbildung.
Vorbereitungsdienst An das Jura-Studium schließt sich der juristische Vorbereitungsdient   (Referendariat) an. Das erste juristische Staatsexamen ist ein berufsqualifizierender  Abschluss. Das Referendariat gilt deshalb als Fortbildung.
Bachelor-/Masterstudiengänge Nach einem Bachelorstudium wird ein Masterstudium aufgenommen. Grundsätzlich ist mit Abschluss eines Bachelorstudiums auch die erste   Berufsausbildung abgeschlossen. Der nachfolgende Masterstudiengang ist ein weiteres Studium, dessen Aufwendungen als Werbungskosten abziehbar sind.
Promotion Anschließend an ein Hochschulstudium wird eine Promotion   durchgeführt. Auch hier gilt, dass mit dem Abschluss des Studiums die erste   Berufsausbildung abgeschlossen ist. Die Promotionskosten gehören deshalb   grundsätzlich zu den Werbungskosten.

Einzelfälle bei der Fortbildung

Fortbildung ist jede beruflich veranlasste Bildungsmaßnahme, soweit es sich dabei nicht um eine erstmalige Berufsausbildung handelt. Was aber bedeutet „beruflich veranlasst“?

Beruflich veranlasst ist eine Bildungsmaßnahme, wenn „diese in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Zusammenhang mit späteren steuerpflichtigen Einnahmen aus der angestrebten beruflichen Tätigkeit steht“ (R 9.2 Abs. 1 Satz 5 LStR 2013).

Fortbildung ist deshalb

  • die Weiterbildung im bereits erlernten Beruf;
  • eine Umschulung, die einen Berufswechsel vorbereitet;
  • ein Studium, wenn bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen wurde (z. B. Studium nach einer Lehre oder ein zweites Studium);
  • eine Berufsausbildung, wenn bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen      wurde (z. B. Ausbildung zum Heilpraktiker, danach Ausbildung zum      Osteopathen);
  • ein Ausbildungsdienstverhältnis. Dieses liegt vor, wenn die      Berufsausbildung oder das Studium Gegenstand eines Dienstverhältnisses ist (z. B. Lehre in einem Betrieb mit Besuch der Berufsschule).
    Die Besonderheit: Die Kosten eines Ausbildungsdienstverhältnisses sind      auch dann Werbungskosten, wenn es sich um die erstmalige Ausbildung      handelt.

 

Ein erstes Studium direkt nach dem Abitur ist steuerlich eine Berufsausbildung und die Kosten deshalb nur bis zu 6.000 EUR als Sonderausgaben abziehbar. Deshalb findet man häufig diese Empfehlung: Vor dem Studium (evtl. zur Überbrückung einer Wartezeit) soll eine Ausbildung absolviert werden. Das muss kein klassischer Lehrberuf sein, sondern hier zählt jeder geordnete Ausbildungsgang mit abgeschlossener Prüfung. Das Erststudium wäre dann nicht mehr die erste Berufsausbildung, sondern die zweite. Die steuerliche Folge: Die Studienkosten gehören jetzt zu den Werbungskosten. Empfehlenswert dürfte dies bei besonders kostenintensiven Ausbildungen sein.

Beispiel: So konnte eine Flugbegleiterin ihre Kosten von mehreren tausend Euro für die Pilotenausbildung als Werbungskosten geltend machen, weil die Ausbildung zur Flugbegleiterin als erste Ausbildung anerkannt wurde (BFH, Urteil v. 28.2.2013, VI R 6/12).

Achtung Kindergeld: Auch wenn es im Hinblick auf den Werbungskostenabzug günstig sein kann, dem Erststudium eine erste Ausbildung voranzustellen (z. B. Rettungssanitäter), birgt diese Vorgehensweise ein hohes Risiko für das Kindergeld. Während der ersten Ausbildung erhalten die Eltern ohne Probleme Kindergeld. Bei einer zweiten Ausbildung darf das Kind aber nur eine bestimmte Anzahl von Stunden neben dem Studium arbeiten. Im schlechtesten Fall geht das Kindergeld verloren. Davon betroffen sind vor allem Studenten, die neben dem Studium in erheblichem Umfang arbeiten müssen.

Ausbildungskosten in der Steuererklärung

Berufsausbildung und Fortbildung sind wichtiger denn je. Dies spiegelt sich in den amtlichen Steuerformularen leider nicht wider. Gerade mal eine Zeile ist jeweils Platz, um die Berufsausbildungskosten oder Fortbildungskosten in der Steuererklärung unterzubringen.

Diese Kosten sind abziehbar

Als Werbungskosten bzw. Sonderausgaben können alle mit der Bildungsmaßnahme zusammenhängenden Aufwendungen steuerlich geltend gemacht werden.

Das sind z. B. Büromaterial, Teilnahme- und Prüfungsgebühren, Computer, Arbeitszimmer (bei Vorliegen der Abzugsvoraussetzungen) usw.

Auch Fahrtkosten für den Weg zur Ausbildungsstätte gehören zu den abzugsfähigen Kosten. Ab 2014 können jedoch wegen der Reisekostenreform in vielen Fällen die gefahrenen Kilometer nicht mehr mit der Reisekostenpauschale abgerechnet werden, sondern nur noch mit der Entfernungspauschale. Darüber hinaus gehen die Pauschalen für Verpflegungskosten verloren und die Voraussetzungen für die doppelte Haushaltsführung wurden verschärft. Insgesamt eine deutliche Verschlechterung, die vor allem Ausbildungen betrifft, die in Vollzeit und unabhängig von einem Arbeitsverhältnis absolviert werden.

Beispiel: A studiert nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung in Vollzeit. Die Entfernung zur Uni beträgt einfach 13 km, die A mit dem Auto zurücklegt. Bis 2013 kann A seine Fahrten mit der Reisekostenpauschale abrechnen. Das sind pro Uni-Tag: 13 km x 2 x 0,30 EUR = 7,80 Euro. Ab 2014 ist die Uni die erste Tätigkeitsstätte und A kann nur noch die Entfernungspauschale ansetzen: 13 km x 0,30 EUR = 3,90 EUR.

Wenn der Steuerpflichtige seine Ausbildung selbst bezahlt

Trägt der Steuerpflichtige seine Ausbildungskosten selbst, kann er sie in der eigenen Steuererklärung unterbringen. Je nachdem, ob es sich um eine Berufsausbildung oder eine Fortbildung handelt, sind die Kosten Sonderausgaben oder Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben.

Gehören die Ausbildungskosten zu den Sonderausgaben, ist der Höchstbetrag von 6.000 EUR zu beachten. Hat der Steuerpflichtige in dem Jahr, indem er die Aufwendungen für die Berufsausbildung hat, keine oder nur geringe Einnahmen, wirken sich die Ausbildungskosten steuerlich gar nicht bzw. kaum aus. Ein Vortrag oder Rücktrag in andere Jahre kommt bei Sonderausgaben leider nicht in Betracht.

Absolviert der Steuerpflichtige eine Fortbildung, kann er seine Kosten dafür als Werbungskosten absetzen. Ein Höchstbetrag ist hier nicht zu beachten. Hat der Steuerpflichtige in dem Jahr, indem er die Aufwendungen für die Fortbildung hat, keine oder nur geringe Einnahmen, wirken sich die Ausbildungskosten steuerlich trotzdem aus. Denn hier entsteht dann ein Verlust, der in das Vorjahr zurückgetragen oder in kommende Jahre vorgetragen werden kann.

Wenn die Eltern die Ausbildung bezahlen

Die Eltern können die von ihnen gezahlten Ausbildungskosten nicht als Werbungskosten oder Sonderausgaben geltend machen. Denn mit dem Kindergeld und den Freibeträgen für Kinder sind alle Aufwendungen für die Ausbildung abgegolten. Das gilt auch, wenn die Ausbildungskosten sehr hoch sind und Kindergeld und Freibeträge die Kosten nur zu einem Bruchteil abdecken.

Zahlen die Eltern die Ausbildung, kann das Kind die Ausbildungskosten in seiner eigenen Steuererklärung ebenfalls nicht geltend machen.

Wenn der Arbeitgeber die Ausbildung bezahlt

Grundsätzlich gilt: Die Übernahme der Kosten einer Bildungsmaßnahme durch den Arbeitgeber führt nicht zu lohnsteuerpflichtigem Arbeitslohn, wenn die Bildungsmaßnahme im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse des Arbeitgebers durchgeführt wird.

Ein solches ganz überwiegendes betriebliches Interesse liegt vor, wenn die Bildungsmaßnahme die Einsatzfähigkeit des Arbeitnehmers im Betrieb erhöhen soll. Auch die Anrechnung der Fortbildung auf die Arbeitszeit spricht grundsätzlich für ein solches Interesse (R 19.7 Abs. 2 LStR 2013).

Zahlt der Arbeitnehmer die Bildungskosten zunächst selber und erstattet der Arbeitgeber diese anschließend, liegt ebenfalls ein ganz überwiegend betriebliches Interesse des Arbeitgebers vor, wenn er die Übernahme der Kosten vorher schriftlich zusagt (R 19.7 Abs. 1 LStR 2013).

Besonderheiten gibt es bei einem berufsbegleitenden Studium (BMF, Schreiben v. 13.4.2012, BStBl. 2012 I S. 531):

  • Berufsbegleitendes Studium im Rahmen eines Ausbildungsverhältnisses:
    Hier wird ein ganz überwiegend eigenbetriebliches Interesse des      Arbeitgebers unterstellt, die Übernahme der vom Arbeitnehmer bezahlten      Studiengebühren ist deshalb kein Arbeitslohn. Voraussetzung ist      allerdings, dass sich zum einen der Arbeitgeber vertraglich verpflichtet, die Studiengebühren zu übernehmen, und zum anderen der Arbeitgeber die      übernommenen Studiengebühren vom Arbeitnehmer zurückfordern kann, wenn der Arbeitnehmer das Unternehmen auf eigenen Wunsch innerhalb von 2 Jahren nach Studienabschluss verlässt.
    Schließt der Arbeitgeber dagegen selber einen Vertrag mit der      Bildungseinrichtung und ist damit Schuldner der Studiengebühren, wird ohne weitere Voraussetzungen ein ganz überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers unterstellt, sodass auch in diesem Fall die übernommenen Studiengebühren keine lohnsteuerlichen Folgen für den Arbeitnehmer haben.
  • Berufsbegleitendes Studium als berufliche Fort- und Weiterbildung:
    Soll ein berufsbegleitendes Studium die Einsatzfähigkeit des Arbeitnehmers im Betrieb erhöhen, führt die Übernahme der Studiengebühren durch den Arbeitgeber nicht zu Arbeitslohn. Denn das Studium wird in diesem Fall im ganz überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers durchgeführt.

 

In Höhe der Erstattungen des Arbeitgebers kann der Arbeitnehmer keine Kosten geltend machen.

Ist die gesetzliche Regelung verfassungsgemäß?

Mit der Verfassungmäßigkeit der Regelung beschäftigt sich gerade der BFH in einigen anhängigen Verfahren. Die Vorinstanzen halten die §§ 4 Abs. 9, 9 Abs. 6 und 12 Nr. 5 EStG für verfassungsrechtlich unbedenklich.

Darum geht es

Während der BFH seit 2002 sehr steuerzahlerfreundlich entschieden und die Aufwendungen etlicher Ausbildungen zum Werbungskostenabzug zugelassen hatte, war die Finanzverwaltung immer bestrebt, dem einen Riegel vorzuschieben – wegen befürchteter Einnahmeausfälle in Milliardenhöhe. In seinem (vorerst) letzten Akt hat deshalb der Gesetzgeber Ende 2011 mit dem Beitreibungsrichtlinie-Umsetzungsgesetz die erstmalige Berufsausbildung und das Erststudium als erste Ausbildung dem privaten Bereich zugeordnet und die entsprechenden Kosten vom Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzug ausgeschlossen, und das rückwirkend zum Jahr 2004.

Gegen diese rückwirkende Verschlechterung haben sich einige Steuerpflichtige gewehrt. Vor den Finanzgerichten hatten sie allerdings keinen Erfolg. In seltener Einigkeit entschieden die Gerichte von Baden-Württemberg, Münster, Köln und Rheinland-Pfalz, dass gegen die Änderung der §§ 4 Abs. 9, 9 Abs. 6 und 12 Nr. 5 EStG durch das Beitreibungsrichtlinie-Umsetzungsgesetz keine verfassungsrechtlichen Bedenken bestehen. Die beim BFH anhängigen Revisionen tragen die Aktenzeichen VI R 2/13, VI R 8/12, VI R 61/11, VI R 38/12 und VI R 30/13.

Was ist zu tun?

Wer eine erstmalige Berufsausbildung oder ein das Erststudium als erste Ausbildung absolviert und die Kosten als Werbungskosten abziehen möchte, sollte die Ausbildungskosten entsprechend in seiner Steuererklärung geltend machen. Lehnt das Finanzamt den Werbungskostenabzug ab (was es aller Wahrscheinlichkeit machen wird), muss Einspruch eingelegt und mit Hinweis auf die beim BFH anhängigen Verfahren Ruhen des Verfahrens beantragt werden. Nur so kann von eventuell positiven Entscheidungen des BFH profitiert werden.

 

Kommentare

  • Anonym sagt:

    Wenn ich bei einem Polizeibeamtem die Kosten des Ausbildungsdienstverhältnisses aber als Sonderausgaben abziehen möchte, da er dann zusätzlich 1000,- WK-Pauschale bekommt, muss das FA das anerkennen oder sind das dann zwangsläufig Werbungskosten? Wenn ja wo steht das geschrieben?

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