Berufswunsch: Personaler – Einstiegswege

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Einstieg ins Personalwesen – per Ausbildung

EinbahnstraßenschildDer nicht-akademische Weg ins Personalressort führt in der Regel zunächst über eine allgemeine kaufmännische Ausbildung. Eine speziell auf den Personalbereich zugeschnittene Berufsausbildung, die direkt nach der Schule in die Personalabteilung führt, gab es bis vor nicht allzu Langem noch nicht.

„Wer sich auf den Personalbereich spezialisieren will, kann nach seiner Berufsausbildung die Fortbildung zum Personalfachkaufmann absolvieren und eine entsprechende IHK-Prüfung ablegen“, sagt Antje Walther vom Bereich berufliche Bildung, Bildungspolitik der DIHK. Seit August 2008 existiert jedoch zusätzlich die duale Berufsausbildung „Personaldienstleistungskaufmann“ (IHK), die direkt nach dem Schulabschluss absolviert werden kann. „Sie wurde eingeführt, um die steigende Nachfrage der Personaldienstleisterbranche nach qualifiziertem Nachwuchs zu decken“, sagt Simon Grupe, Leiter des Referats kaufmännische und Dienstleistungsberufe bei der DIHK. Mit Erfolg: „Für die neue Ausbildung wurden sofort 1.100 Ausbildungsverträge abgeschlossen.“

Die meisten Auszubildenden seien momentan zwar bei Zeitarbeitsfirmen angestellt, das Betätigungsfeld nach der Ausbildung sei jedoch groß, sagt Grupe: „Sie sind dazu qualifiziert, auch in Personalabteilungen von Firmen zum Beispiel als Personalsachbearbeiter beschäftigt zu werden oder als Personalberater zu arbeiten.“

Ob sie nun in direkte Konkurrenz zu Personalfachkaufleuten (IHK) treten? „Die Fortbildung Personalfachkaufmann führt tiefer in die HR-Materie als die Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann“, sagt Simon Gruppe: „Personalfachkaufleute übernehmen qualifizierte Fach- und Führungsaufgaben in der Personalplanung, -beschaffung und -verwaltung von Unternehmen. Sie sind reifer an Lebenserfahrung, schließlich haben sie bereits eine andere kaufmännische Berufsausbildung absolviert oder bringen einige Jahre Berufserfahrung mit.“ Da bisher noch keine Prüfungen im neuen Ausbildungsberuf abgelegt wurden, bleibt abzuwarten, wie die Akzeptanz der Personaldienstleistungskaufleute in den Unternehmen sein wird.

Zahl der Absolventen konstant

Die Zahl der Prüfungsteilnehmer für den Abschluss „Geprüfter Personalkaufmann/geprüfte Personalkauffrau IHK“ ist übrigens seit zehn Jahren stabil: Im Jahr 2008 haben bundesweit 1.842 angehende Personaler sich bei der Industrie- und Handelskammer für die Prüfung angemeldet – davon 1.427 Frauen – und 1.424 Teilnehmer haben die Prüfung bestanden. „Die Statistiken für die Jahre zuvor zeigen keine deutlichen Abweichungen“, sagt Gudrun Schütz aus dem Bereich berufliche Bildung, Bildungspolitik, Berufsbildungsstatistik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag e.V (DIHK).

Die Fortbildung (in der Regel 580 Unterrichtsstunden) hat den Ruf, eine solide Grundlagenqualifizierung zu liefern und ist der Klassiker für Personaler, die sich zum Beispiel vom Personalsachbearbeiter zum Personalreferenten entwickeln oder sich als Quereinsteiger HR-Fachwissen aneignen wollen. „Ich halte die Absolventen dieser Qualifizierung für fähig, nicht nur operative, sondern auch strategische Aufgaben zu übernehmen. Bei der Zusammenstellung der Prüfungsinhalte wurden die gestiegenen Anforderungen an HR-Mitarbeiter schließlich voll berücksichtigt“, sagt Dr. Dietmar Franke, der viele Jahre als Personalleiter eines mittelständischen Unternehmens tätig war und für angehende Personalfachkaufleute ein Lehrbuch zur effizienten Prüfungsvorbereitung geschrieben hat. „Die Personalkaufleute sind konkurrenzfähig mit den Fachhochschulabsolventen“, findet er.

Auch zeigen die von der Bundesagentur für Arbeit erhobenen Arbeitslosenzahlen, dass Personalkaufleute – trotz des allgemeinen Trends zur Akademisierung – gut dastehen: „Im August 2008 waren bei uns 3.119 Personalkaufleute arbeitslos gemeldet. Demgegenüber gab es 1.656 gemeldete Stellen“, sagt Heidelies Künzel von der Bundesagentur für Arbeit. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum kamen auf 200 gemeldete Stellen 1.171 arbeitslose Personalleiter. Bei der Berufsgruppe der Personalmanager, zu der die Arbeitsagentur studierte Betriebswirte zählt, kamen auf 1.123 gemeldete Stellen 4.840 Akademiker.

Weitere Möglichkeit: IHK-Abschluss Personalfachkaufmann

Eine Alternative zum IHK-Abschluss „Personalfachkaufmann“ bietet beispielsweise die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) mit dem Abschluss „Personalmanagement-Ökonom“, den man in vier Semestern auch ohne Abitur erlangen kann. In dieser Ausbildung erwirbt man vergleichbares Fachwissen wie in der IHK-Weiterbildung; der besondere Vorteil des VWA-Studiums liegt dabei in der Chance, sich durch weitere Fachsemester zum international anerkannten „Bachelor of Arts“ weiterzuqualifizieren.

Autorin: Irene Winter, freie Journalistin in Berlin

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Kommentare

  • Marc sagt:

    Bei alledem wird leicht übersehen, dass keine einzelne Qualifikation die spannende „Mixtur“ aus Zertifikaten, Fähigkeiten und persönlichem Wirken ersetzen kann.
    Und dass Geistes- und Sozialwissenschaftler per se keine Wunschkandidaten der Unternehmen sind, ist auch mehr ein Gerücht von gestern als heute noch gültig. In den großen Konzernen sind sie längst gern gesehen.
    Es kommt nur – wie immer – auf den richtigen Mix an. Wer Persönlichkeit hat, und Selbstbewusstsein und Biss, der/die geht auch seinen/ihren Weg…
    Und es gibt so viele Wege, das unter Beweis zu stellen. Weniger „Standardlebensläufe“, mehr Vielfalt und „krumme Wege“, auch das macht Personalarbeit authentisch!

    • Sabine sagt:

      Ich sammle gerade gegenteilige Erfahrungen. Seit knapp einem Jahrzehnt als Sozialpädagogin und Bildungsbegleitung (JobCoach) im Bereich der Arbeitsmarktdienstleistungen tätig und mit umfassenden Kenntnissen in Rekrutierung und Bewerberauswahl (nur von der „Gegenseite“, -ich vermittle Menschen in Arbeit und Ausbildung durch kreative Förderprozesse und in direktem Kontakt mit Arbeitgebern, etc.) erlebe ich, dass der HR-Bereich sehr wohl noch immer sehr verstockt ist, was die Personalerauswahlt betrifft. Mir wurde im Bewerbungsverfahren immer wieder mitgeteilt, dass ich wenigstens einen Abschluss in einem kaufmännischen Beruf haben sollte, damit man mir Verwaltungstätigkeiten „zutrauen“ könne. Eine „niedrigwertigere“ Ausbildung (die ich ohne Studium, etc. hätte beginnen können), wird hier höher angesehen, als meine gesamte berufliche Qualifikation, die sehr viele Verwaltungs-, Korrdinations- und Auswahltätigkeiten beinhaltet. Somit kann ich aufgrund meiner Erfahrungen behaupten, dass in Deutschland eben keine „Persönlichkeiten“, sondern reine Zertifikatsinhaber gesucht werden.

  • Janina sagt:

    Ich habe BWL mit Schwerpunkt studiert und frage mich ständig, warum. Ich jeder Anzeige aus dem Personalbereich wird ständig nach Fähigkeiten wie Lohnabrechnung, Reisekostenabrechnung usw gefragt, die einem nur in einer Ausbildung, nicht aber im Studium vermittelt werden. Leider habe ich keine relevanten Praktika neben dem Studium absolviert, weil ich auf Grund eines Werkstudentenjobs keine Zeit dafür hatte. Tja und jetzt sitz ich da mit meinem Abschluss und kein Mensch will mich einstellen, weil es doch viel günstigere Leute gibt, die in der Ausbildung alles mögliche praxisrelevante gelernt haben und ich eben nicht. Ich frag mich ernsthaft, wozu Personal an Universitäten überhaupt unterrichtet wird, für den Einstieg in den Beruf bringt es auf jeden Fall nichts. Hätte ich bloß eine Ausbildung im Personalbereich gemacht…

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