Das fördert und fordert die Immobilienbranche

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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War for talents: die guten Köpfe finden und binden

Serie: War for talents in der Immobilienwirtschaft (Teil 1). Die derzeitige Konjunkturschwäche hat, im Gegensatz zu früheren Zyklen, auf dem Arbeitsmarkt kaum Spuren hinterlassen. Mit 41,2 Millionen liegt die Zahl der Erwerbstätigen auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Die Absorption der Arbeitskräfte am Markt findet vor allem im Bereich der Fachkräfte und der Hochqualifizierten statt. In diesen Segmenten wird sich der heute schon spürbare Mangel in den kommenden Jahren deutlich verstärken. Im Kampf um die besten Köpfe, dem „War for talents“ wie es Ed Michael, amerikanischer Direktor der Unternehmensberatung McKinsey, 1998 formulierte, weist die Immobilienwirtschaft jedoch Nachholbedarf auf. Die Branche genießt bei High Potentials noch wenig Ansehen, und bei zahlreichen Unternehmen bedarf es einer grundlegenden Änderung der Denk- und Handlungsweise, um im internationalen Wettbewerb um die Besten zu bestehen.

Politische Strategien

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen und damit die Export- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern, beschreitet die Politik unterschiedliche Wege. Hier stehen freiwillige Verpflichtungen, wie beispielsweise der Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs, neben speziellen Initiativen wie dem Bundesprogramm „Perspektive 50plus“ oder dem Ausbau der Kinderbetreuung. Gesetzesänderungen sollen darüber hinaus ausländischen Arbeitskräften den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. So trat am 1. April das Anerkennungsgesetz des Bundes in Kraft, das erstmals einen Rechtsanspruch auf ein Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen festschreibt. Zudem verabschiedete der Bundestag am 27. April die Umsetzung der Hochqualifizierten-Richtlinie der Europäischen Union in nationales Recht. Neu soll als Aufenthaltstitel eine „Blaue Karte EU“ eingeführt werden, die Ausländer erhalten, sofern sie über einen Hochschulabschluss oder eine „durch mindestens fünfjährige Berufserfahrung nachgewiesene vergleichbare Qualifikation“ verfügen. Die bisherige Gehaltsschwelle bei einem Arbeitsverhältnis wurde von 66.000 auf 44.000 Euro und bei besonderem Bedarf auf 33.000 Euro Bruttojahresgehalt gesenkt. Der Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) hält die Schwellenwerte für die Immobilienwirtschaft zu hoch und hält stattdessen das diskutierte Punktesystem zur Einordnung der vorhandenen Qualifikation im Bereich Sachbearbeitung und Handwerkerdienste in der Wohnungswirtschaft für eher geeignet.

Employer Branding in der Immobilienbranche

Immobilienunternehmen tauchen trotz der enormen Bedeutung der Branche in den Ranglisten der beliebtesten Arbeitgeber nur selten auf. Die Vielfalt der Tätigkeitsfelder ist in den Köpfen der Talente offenbar noch nicht angekommen. In Sachen Employer Branding, der Ausbildung und Positionierung einer Arbeitgebermarke, hat die stark mittelständisch geprägte Immobilienwirtschaft ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht. Dies bestätigt eine Studie von Egon Zehnder International unter EU-Immobilienunternehmen. Gefordert seien eine Verbesserung des Images der Branche, eine kontinuierliche Überprüfung und Optimierung der Qualität der Talente in der Branche, die Förderung von Innovationsfähigkeit im Unternehmen und die Stärkung der Führungsqualitäten der Teams. „Die Immobilienwirtschaft ist unglaublich vielseitig und ermöglicht spannende Karrierewege, die Ausbildungseinrichtungen sind gut aufgestellt, die Vergütungen ansehnlich, die Arbeitsplätze können nicht nach China exportiert werden. Das alles hilft wenig, wenn niemand etwas davon erfährt“, so Klaus Leuchtmann, Vorstandsvorsitzender des Europäischen Bildungszentrums der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ).  Aufgrund der eher mittelständischen Prägung der Branche bedürfe es eines unternehmens­übergreifenden Empolyer Brandings. Der GdW habe mit seiner Ausbildungskampagne einen ersten wichtigen Stein ins Wasser geworfen. „Noch hat die Immobilienwirtschaft gute Chancen, sich im War for Talents zu behaupten. Dafür muss das Thema allerdings einen höheren Stellenwert in den Unternehmen bekommen. Die Uhr tickt“, so Leuchtmann.

(Autorin: Gabriele Bobka, Freiburg)

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