Manipulationen im Beruf erkennen und abwehren

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Mann manipuliert

Wie oft akzeptieren wir Meinungen oder lassen uns auf Positionen festlegen, die wir eigentlich nicht vertreten möchten? Wir lassen uns überrumpeln und geben den eigenen Standpunkt wider besseres Wissen auf. Gerade im beruflichen Alltag kann dies später zu einem ernsthaften Problem führen, wenn uns Kollegen oder Vorgesetzte zu etwas bringen, das wir eigentlich gar nicht wollen. Doch wie kann man sich wehren? 

Zunächst muss man Manipulationen erkennen lernen, erst dann kann man sich effektiv wehren. Eine der vielen verschiedenen Manipulationstechniken und die dazugehörige Abwehrstrategie sollen nun vorgestellt werden: Die Autoritätstaktik.

Bei der Autoritätstaktik bezieht sich der Manipulator in seiner Argumentation auf Autoritäten wie Experten, Fachleute, bekannte Persönlichkeiten oder Institutionen, um so seiner Position ein stärkeres Gewicht zu verleihen und seinen Standpunkt zu stützen. Je höher das Ansehen der zitierten Autorität ist, desto stärker ist der Unterstützungsfaktor für die Position des Manipulators. Für sich betrachtet ist der Bezug auf Autoritäten nicht falsch, manchmal ist er durchaus vernünftig und akzeptabel: Jeder von uns ist bis zu einem gewissen Grad auf Ratschläge angewiesen, die wir von Fachleuten bekommen. Mein Anwalt rät mir zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Mein Arzt rät mir zu einer speziellen Untersuchung. Expertenmeinungen dienen dazu, Standpunkte und Behauptungen zu begründen. Das ist durchaus sinnvoll und legitim. Wir können schließlich nicht auf jedem Gebiet Experte sein. Der Manipulator nutzt diese allgemeine Anerkennung von Expertenmeinungen jedoch aus, um eine Autoritätsfalle zu konstruieren.

1. Manipulationsstrategie

Der Manipulator beruft sich dabei auf einen vermeintlichen Experten, der in Wirklichkeit gar kein Experte auf dem Feld ist, um das es im Gespräch oder in der Diskussion geht. Dieser Fehler ist ein typisches Phänomen der Medienwelt. Da werden Popstars, Schauspieler, Sportler – die sicherlich in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern als Experten bezeichnet werden dürfen – zu Themen befragt, für die sie eigentlich keine Experten sind. Die Autorität dieser prominenten Persönlichkeiten gründet nicht auf speziellem Wissen, sondern auf ihrer Popularität. Diese Popularität verschafft ihnen allerdings großes Gehör in der Öffentlichkeit. Nicht umsonst werden prominente Personen als Meinungsführer betrachtet.

Beispiel: Für die Mendox AG geht es um die Frage, ob ein Werk in China errichtet werden soll. Max unterhält sich mit Klaus, dem Produktionschef. Max: „Ich finde, wir sollten nach China gehen. Für uns ist das eine große Chance. Auch unser Finanzchef unterstützt diesen Plan.“

Max bezieht sich auf den Finanzchef als jemanden, der den Plan, nach China zu gehen, unterstützt. Es ist alles andere als klar, inwiefern dadurch die Position von Max, dass es sinnvoll sei, in China zu investieren, gestärkt wird. Sicher kann es wichtig sein, den Finanzchef auf seiner Seite zu wissen, immerhin ist er für die Fragen der Finanzierung zuständig. Fragwürdig bleibt trotzdem, ob dadurch auch die Sinnhaftigkeit des Projekts gezeigt wird. Das Argument wäre stärker, wenn der Finanzleiter ein ausgewiesener China-Experte wäre; aber das wissen wir nicht. Im Moment sieht es eher nach einem Manipulationsmanöver von Max aus. Denn, wenn Klaus gegen den Standpunkt von Max opponieren möchte, so hat er – scheinbar – automatisch auch den Finanzchef gegen sich, obwohl der im Gespräch gar nicht anwesend ist.

2. Abwehrtechnik

Testen Sie das Autoritätsargument durch folgende Fragen: Ist der zitierte Experte wirklich ein Experte auf dem Gebiet, um das es geht? Fordern Sie außerdem  eine zusätzliche Begründung ein, geben Sie sich nicht mit einem Bezug auf Experten als einzige Begründungsbasis zufrieden.

Beispiel: Klaus ist nicht in die Autoritätsfalle getappt. Er erwidert auf die Äußerung von Max: „Ich finde es gut, dass auch unser Finanzchef hier eine klare Position zu beziehen scheint und den Plan, nach China zu gehen, unterstützt. Aber welche davon unabhängigen Gründe sind für Dich ausschlaggebend, eine Investition in China zu empfehlen?“

Weitere Manipulationsstrategien und ihre Abwehrmechanismen finden Sie in unserem Jubiläumstaschenguide „Manipulationen abwehren“ von Dr. Andreas Edmüller, Dr. Thomas Wilhelm und Monika Radecki.

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