Die eigene Karriere bewusst gestalten

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Die Arbeitsplätze sind da in der Immobilienbranche. Aber um aufzusteigen, brauchen die
Mitarbeiter spezielle Qualifikationen. Der Weiterbildungsmarkt bietet viele sinnvolle Möglichkeiten. Welches Angebot ist das richtige? Was eignet sich für wen? Und welche Themen sind derzeit an den Instituten am meisten gefragt?

Wer im Immobilienbereich die Karriereleiter erklimmen will, braucht heute weitaus mehr als eine starke Persönlichkeit. Die Professionalisierung der Branche schreitet weiter voran und der Bedarf an Schulungen für Immobilienprofis steigt kontinuierlich. Gerade für Praktiker, die bereit sind, sich neben dem Beruf weiterzubilden, gibt es auf dem Weiterbildungsmarkt immer mehr spezifische Angebote, die ihre Karrie­reperspektiven enorm verbessern können.

„Mitarbeiter, die sich heute durch gut ausgewählte Zusatzqualifikationen empfehlen, werden in vielen Immobilienunternehmen in den kommenden Jahren exzellente Aufstiegschancen haben, da die Altersstruktur der Belegschaften viele Neubesetzungen von Stellen notwendig machen werden“, prophezeit Klaus Leuchtmann, Vorstandsvorsitzender des EBZ – Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, eine der größten Bildungseinrichtungen der Immobilienbranche in Deutschland.
Die Jahresstatistik des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen über die Qualifikationsstruktur und Personalentwicklung seiner Mitglieder gibt ihm recht: Fast 15.000 Beschäftigte werden in den nächsten fünf Jahren 56 Jahre alt oder älter sein. Für rund 10.000 der zu ersetzenden Stellen werden dann Mitarbeiter mit einer qualifizierten Ausbildung benötigt und etwa 3.000 Stellen werden nur von Arbeitnehmern mit Spezialistenqualifikationen oder Führungskompetenz besetzt werden können. „Wenn man diese Zahlen auf die Gesamtbranche hochrechnet, sind das für leistungsorientierte junge Fachkräfte gute Aussichten – sofern sie die entsprechenden Bildungsangebote auch in Anspruch nehmen“, sagt Leuchtmann.

Welches Angebot ist das richtige?
Solche Angebote gibt es auf dem Weiterbildungsmarkt in allen Facetten – von Abend- und Wochenendseminaren über Fern- und Präsenzlehrgänge und spezifische nebenberufliche Bachelor- und Masterstudiengänge bis hin zu E-Learning-Programmen. Allein der Studienführer der Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung listet über 100 Studiengänge von verschiedenen Hochschulen und Bildungseinrichtungen auf, die man zum großen Teil neben der Arbeit absolvieren kann. Viele Studiengänge tragen ähnliche Namen und überschneiden sich thematisch stark, sodass es für Verbraucher schwierig ist, den Überblick zu behalten und für sich das Richtige auszuwählen. Die Abweichungen in der Art der Vermittlung, in der Gewichtung der einzelnen Module und im Preis sind jedoch enorm, sodass sich eine gründliche Recherche lohnt.
Dr. Hans-Michael Brey, Geschäftsführender Vorstand der BBA Akademie der Immobilienwirtschaft in Berlin, empfiehlt karrierewilligen Quereinsteigern, zunächst den klassischen Weg zu gehen und einen Abschluss als Immobilienfachwirt (IHK) zu erwerben. Diese Ausbildung kann man an vielen Orten in den Abendstunden oder als Fernkurs absolvieren. Doch auch die berufsbegleitenden Lehrgänge „Immobilienkaufmann/Immobilienkauffrau“, „Geprüfte/r Immobilienverwalter/in“ und „Geprüfte/r Immobilienmakler/in“ können eine solide Basis für das untere und mittlere Management bilden. Zeitlich relativ gut neben dem Beruf zu schaffen ist nach Meinung des Bildungsexperten auch ein Bachelorstudium wie zum Beispiel „Immobilienmanagement“, das man anschließend in Angriff nehmen könnte. „Wer jedoch hoch hinaus will, sollte unbedingt den Masterabschluss anstreben“, rät Dr. Brey. Ein MBA-Studiengang wie „Business Administration in Real Estate Management“ sei zwar sehr anspruchsvoll und anstrengend, da man etwa jedes zweite Wochenende an der Akademie verbringt, sodass Familie, Freizeit und Urlaub zu einer fremden Größe werden. Aber man wisse hinterher genau, was man in der Hand hat, berichtet Brey: „Mit dem MBA hat man einen weltweit anerkannten Abschluss, der für eine Karriere im internationalen Umfeld qualifiziert. Unsere Studierenden absolvieren Teile des Studiums auf Englisch und bekommen durch einen Auslandsaufenthalt wichtige Eindrücke von außen.“

Wo stehe ich, wo will ich hin?
Für jeden Bedarf gibt es auf dem Markt das passende Angebot, ist Professor Tobias Just, Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie an der Universität Regensburg überzeugt. Neben dem Studium der Immobilienökonomie bietet IREBS weiterführende Intensivstudiengänge, Immobilienfachseminare und firmeninterne Weiterbildungen an verschiedenen Studienorten in Deutschland an. Außerdem gibt es einen Executive MBA, der in Regensburg, Eltville, Reading, Harvard und China unterrichtet wird.
Zunächst müsse man sich sehr genau klarmachen, wo man steht und wo man hin will, rät der Wissenschaftler: „Unser Studiengang Immobilienökonomie richtet sich an junge Leute, die schon den ersten Einstieg ins Berufsleben hinter sich haben, über eine akademische Grundausbildung verfügen und sich verbreitern wollen, um die Branche in ihrer ganzen Fülle kennenzulernen.“ Ein MBA-Programm zu absolvieren, empfiehlt er Angestellten, die den ersten Führungsschritt hinter sich haben und sich mehr Führungswissen aneignen und ein zusätzliches, internationales Netzwerk erschließen wollen. Stark im Kommen seien momentan auch sogenannte Intensivstudiengänge. Das sind kurze, prägnante Programme, die Spezialthemen, wie etwa Risikomanagement oder Fachwissen zu Handelsimmobilien, vermitteln. Doch auch Wochenendseminare zum Wissens-Update sollten jährlich besucht werden, denn das Wissen altert auch in der Immobilienbranche immer schneller: „Es ist auch die Aufgabe des Einzelnen, sich selbst darum zu kümmern. Denn Weiterbildung hat eine hohe, verlässliche Rendite bei überschaubarem Risiko“, sagt der Professor. Wer sich neben dem Beruf fortbildet, sichert schließlich seinen Lebensunterhalt, verliert nicht den Anschluss an die Praxis und kann das Erlernte sofort im Job anwenden und somit den Lerneffekt und den beruflichen Erfolg deutlich steigern.

Kapitalmarktthemen sind gefragt
Besonders nachgefragt in der Fortbildung werden momentan Kapitalmarktthemen, da Immobilienmärkte und Kapitalmärkte immer enger aneinanderrücken: „Gemeinsam mit der DVFA bietet wir einen sehr gut nachgefragten Intensivstudiengang zum Certified Real Estate Investment Analyst in Frankfurt an. Doch auch die Intensivstudiengänge Real Estate Asset Management und Corporate Real Estate Management kommen bei den Immobilienprofis sehr gut an. Und weil Regulierungsthemen und Risikoanalyse nach der Finanzkrise bedeutsamer wurden, haben wir hierzu einen eigenen Studiengang entwickelt“, erzählt Just. Seit Längerem beobachtet er außerdem in der Immobilienfortbildung einen Trend zu mehr Methodenkompetenz. Klaus Leuchtmann, zu dessen Haus mit der EBZ Business School auch eine immobilienwirtschaftliche Hochschule gehört, pflichtet ihm bei: „Als wir im Vorfeld der Erstellung unseres neuen Masterstudiengangs Projektentwicklung eine Arbeitgeberbefragung durchführten, war der Zuspruch massiv: Die Arbeitgeber wollen interdisziplinär denkende Fachleute und finden auf dem Arbeitsmarkt derzeit keine mehr. Führungskräfte profitieren stark von technischen Fortbildungen – beispielsweise, wenn es darum geht, sich mit Green Building und Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, mit Bauunternehmen zu verhandeln, Projekte ganzheitlich zu steuern und sich unter den vielen heute zur Verfügung stehenden technischen Lösungen für den langfristig richtigen Weg entscheiden zu können.“
Das gelte neben der Führungsebene auch schon für die Sachbearbeiter, so Leuchtmann. „Das technische Wissen, das die Grundausbildung vermittelt, finden nur 26 Prozent der von uns befragten Arbeitgeber zufriedenstellend“, erzählt er. „Dass die Relevanz von Instandhaltung und Modernisierung weiter zunehmen wird, glauben zugleich 92 Prozent.“

Regelmäßige Wissens-Updates
Die wichtigsten Themen für eine Fortbildung im Immobilienbereich sind für Leuchtmann die Entwicklung des Miet- und Immobilienrechts, die Dynamik der Finanzmärkte sowie die demografische Entwicklung und die Veränderung der Zielgruppen. „Hier sollten die Spezialisten in den Unternehmen zumindest regelmäßige Wissens-Updates erhalten“, findet der Bildungsprofi. Ähnlich sieht es Professor Just von der IREBS Immobilienakademie: „Das energetische Sanieren von Gebäuden wird wichtig und eine demografiefeste Bewirtschaftung sollte gewährleistet werden. Außerdem wird uns die Internationalisierung der Märkte in den nächsten Jahren weiterhin stark beschäftigen. Wer morgen Erfolg haben möchte, muss heute über die Grenzen schauen.“
Peter Graf, Geschäftsführer der Deutschen Immobilien Akademie (DIA) an der Universität Freiburg, die ebenfalls zu einer der beliebtesten Schmieden von Immobilienexperten zählt, beobachtet außerdem, dass in der Spezifizierung der Sachverständigenbereich stark nachgefragt werde: „Die Bewertungen spielen eine zunehmend größerer Rolle und im Zuge der Internationalisierung gewinnt die Frage der Finanzierung immer mehr an Bedeutung.“ An der DIA kann man sich unter anderem in „Real Estate Asset Management“, in der „Bewertung von Bauschäden“ und in der „Internationalen Immobilienbewertung“ weiterbilden. Eine Besonderheit ist außerdem die Fortbildung zum Immobilienmediator: „In der Immobilienbranche besteht allein wegen der hohen finanziellen Werte ein erhöhtes Konfliktpotenzial“, erzählt Graf: „Ein Immobillienmediator erarbeitet mit den streitenden Parteien frühzeitig praxisnahe Konfliktlösungen, bevor es zu einem kostenintensiven, langwierigen Gerichtsverfahren kommt.“ Und da sei vor allem Sozialkompetenz gefragt.

Methoden- und Führungskompetenz
Dass es in der Immobilien-Fortbildung heute nicht nur ums reine Fachwissen gehen darf, betont auch Professor Hanspeter Gondring FRICS, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft am Institut für Finanzwirtschaft der DHBW Stuttgart und wissenschaftlicher Leiter der ADI Akademie der Immobilienwirtschaft: „Neben einer allgemeinen fundierten immobilienwirtschaftlichen Ausbildung sehe ich den größten Handlungsbedarf in der Methoden- und Führungskompetenz“, sagt er. „Ich höre immer wieder von Geschäftsführern und Vorständen, dass es zwar inzwischen gut ausgebildete Immobilienleute am Markt gibt, aber dass es ihnen an Persönlichkeit und Führungsqualitäten fehlt. Hier gilt der alte Spruch: Wer sich selbst und seine Interessen nicht vertreten kann, wird auch sein Unternehmen und dessen Interessen nicht vertreten können. Wir haben deshalb in unserem neuen Curriculum „Führungs- und Unternehmenskompetenz“ als eigenständiges Lehrfach aufgenommen.“
Doch wie wählt man bei der Vielzahl der nebenberuflichen Immobilien-Weiterbildungen für sich die richtige aus?
Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung empfiehlt, neben den Informationen zu den Methoden und Arbeitsweisen des Anbieters auch die Möglichkeit zur persönlichen Beratung und die begrenzte Teilnehmerzahl zu beachten. Ferner sei es wichtig, dass Teilnehmer die Möglichkeit bekommen, ihre Vorkenntnisse und Erfahrungen einzubringen, dass ihr Lerntempo berücksichtigt wird und dass sie in didaktische Entscheidungen einbezogen werden. Neben dem Preis und der thematischen Ausrichtung des Immobilien-Kurses, Lehrgangs oder Studienfachs sollten vor allem aber auch die Aspekte Internationalität und Praxisbezug Berücksichtigung finden. Nicht zu verachten ist inzwischen auch die Reputation des Anbieters und des entsprechenden Abschlusses. „Der Anbieter muss Stallgeruch haben – er muss in der Branche verhaftet sein, in die man strebt“, erklärt Dr. Hans-Michael Brey: „Wir sind beispielsweise im Gesamtverband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft und im Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) verankert. Wenn Sie in kommunalen, in genossenschaftlichen und in freien Unternehmen arbeiten möchten, verfügen wir über die richtigen Kontakte. Wenn Sie aber im Umfeld einer internationalen Aktiengesellschaft Karriere machen wollen, dann wäre zum Beispiel die European Business School (EBS) die richtige Adresse, da dort andere Träger als potenzielle Arbeitgeber infrage kommen.“
Professor Hanspeter Gondring hat einen anderen Rat für Weiterbildungswillige: „Wer eine gute Weiterbildungsakademie besuchen möchte, sollte sich weniger auf Hochglanzbroschüren verlassen, sondern darauf achten, wie lange der Anbieter am Markt erfolgreich tätig ist, welche Story er hat, ob er an eine Hochschule angebunden ist und ob der wissenschaftliche Verantwortliche der Akademie selbst wissenschaftlich tätig ist“, sagt er.

Weitere Fragen, die man vor der Entscheidung klären sollte, könnten sein: Welchen Stellenwert hat der Immobilien-Studiengang innerhalb der Hochschule? Wie viele und welche Professoren unterrichten dort? Welchen Bezug haben sie zur Praxis? Welche Planspiele und Praxismodule werden einbezogen? Wie hat der Anbieter im Hochschulranking abgeschnitten? Hilfreich kann es auch sein, in laufende Seminare und Vorlesungen hineinzuhören, ehemalige Teilnehmer zu befragen und intensiv vor Ort zu recherchieren, bevor man Zeit und Geld in eine Fortbildung investiert. Peter Graf empfiehlt Interessenten, die geplante Fortbildung vor der endgültigen Entscheidung mit dem Chef oder der Personalabteilung des Unternehmens abzustimmen: „Es ist wichtig zu wissen, was sie von dem Anbieter halten. Gibt es vielleicht Möglichkeiten, unterstützt zu werden? Welche Chancen habe ich im Unternehmen nach dieser Fortbildung und wie können die erworbenen Kenntnisse im Unternehmen eingebracht werden?“

Rahmenbedingungen müssen stimmen
Doch in erster Linie sollten die Rahmenbedingungen unbedingt stimmen, damit die kostspielige Fortbildung bis zum Schluss durchgehalten werden kann. Und sei das Renommee des Anbieters noch so hoch – „die Fortbildung muss vor allem machbar sein, denn sonst kann das Scheitern vorprogrammiert sein“, gibt Brey zu bedenken.

(Autorin: Irene Winter, Berlin)

 10 wichtige Kriterien bei der Wahl eines Anbieters:

> Thematische Ausrichtung und Gewichtung der einzelnen Module
> Guter Mix aus Praktikern und Akademikern bei den Dozenten
> Praxisrelevanz
> Internationale Ausrichtung
> Hohe Reputation in der Branche
> Anerkennung des Abschlusses beim (potenziellen) Arbeitgeber
> Kleine Gruppen
> Ansprechende Veranstaltungsorte
> Gutes Netzwerk
> Vereinbarkeit mit persönlichen Rahmenbedingungen
(Beruf, Familie, Wohnort, Preis)

 

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