Die Probezeit – Das müssen Sie beachten!

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Endlich ist es soweit: Sie haben die Zusage zu Ihrem ersten Job erhalten! Doch nun steht erst einmal die Probezeit an. Was ist damit gemeint und was ist in dieser Zeit besonders zu beachten?

 

Zweck

Die Probezeit dient Ihnen und Ihrem Arbeitgeber als eine Art Testphase, in der festgestellt werden kann, ob Sie und das Unternehmen zueinander passen. Der Arbeitgeber hat die Chance herauszufinden, ob Sie die angegeben Kompetenzen und Fähigkeiten tatsächlich besitzen und ob Sie gut ins Team passen. Gleichzeitig können Sie die realen Arbeitsbedingungen erproben und sich darüber klar werden, ob Sie in der Position langfristig glücklich werden.

 

Dauer

Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, nach der ein Arbeitsverhältnis mit einer Probezeit beginnen muss (Ausnahme: Berufsausbildungsverhältnis). Die Länge der Probezeit kann variabel gestaltet werden. In Deutschland ist eine Probezeit von drei bis sechs Monaten üblich, oft ist die Dauer in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen verbindlich geregelt. Die Dauer der Probezeit wird meistens im Arbeitsvertrag festgehalten, welcher nach Ablauf der Probezeit automatisch weiterläuft. Es kommt aber auch vor, dass ein eigener befristeter Probearbeitsvertrag geschlossen und nach Ablauf der Probezeit ein neuer Arbeitsvertrag aufgesetzt wird. In diesem Fall sollten Sie genau auf die Formulierungen im Vertrag sowie auf die Absprachen mit Ihrem Arbeitgeber achten.

 

Kündigungsfrist

Der entscheidende Unterschied zwischen Probezeit und regulärem Beschäftigungsverhältnis betrifft die Kündigungsfrist. Gemäß § 622 Abs. 3 BGB kann bei einer vereinbarten Probezeit von höchstens sechs Monaten mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Aus einem Tarifvertrag können sich noch kürzere Fristen ergeben.

 

Kündigungsschutz

Grundsätzlich haben Probezeit und Kündigungsschutz nichts miteinander zu tun. Als alleinige Voraussetzung für den allgemeinen Kündigungsschutz nach KSchG gilt, dass das Arbeitsverhältnis bereits seit mindestens sechs Monaten besteht – unabhängig von der Probezeit. Dies bedeutet, dass der Kündigungsschutz selbst nach beendeter dreimonatiger Probezeit noch nicht greift, ebenso wie er bei einer länger als sechs Monate andauernden Probezeit trotzdem ab dem siebten Monat wirkt. Während der ersten sechs Monate kann eine Kündigung beidseitig ohne Nennung von Gründen erfolgen. Auch Krankheit schützt Sie in dieser Zeit nicht vor einer Kündigung. Für einige Personengruppen (z.B. Schwangere) gilt ein Sonderkündigungsschutz.

 

Urlaubsanspruch

Auch in der Probezeit steht Ihnen der gesetzlich geregelte anteilige Urlaub zu, nach sechs Monaten erhalten Sie den vollen Urlaubsanspruch. Dennoch sollten Sie es vermeiden, gleich zu Beginn Ihrer neuen Arbeitsstelle eine ganze Woche oder mehr frei zu nehmen. Im Falle einer Kündigung während der Probezeit muss der Arbeitgeber nicht genomme Urlaubstage auszahlen.

Tipp: Besprechen Sie bereits geplante Urlaubstage direkt beim Unterzeichnen des Vertrags.

 

Verhalten

In den ersten Arbeitswochen in der neuen Firma ist es wichtig, die Strukturen und die Betriebskultur des Unternehmens zu erforschen und zu verstehen. Dabei ist zunächst Beobachten, Zuhören und Lernen angesagt. Prägen Sie sich die Namen der Teamkollegen und Ansprechpartner genau ein und fragen Sie bei Unklarheiten nach – aber nicht wegen jeder Kleinigkeit. Treten Sie bescheiden auf und vermitteln Sie keinesfalls den Eindruck, alles besser wissen zu wollen. Für eigene konstruktive Vorschläge ist später immer noch Zeit.

 

Bleiben oder gehen?

Sie sind sich nicht sicher, ob das nun Ihr neuer Traumjob ist? Machen Sie sich zunächst bewusst, dass die berufliche Realität stark von Ihren Vorstellungen abweichen kann und dass eine Probezeit oft mit einem Wechselbad der Gefühle verbunden ist. Treffen Sie keine vorschnellen Entscheidungen, sondern wägen Sie die Alternativen in Ruhe ab (→ Entscheidungen treffen). Wenn alles nichts hilft und Sie mit Ihrer Stelle nicht glücklich werden, ist es Ihr gutes Recht, das Arbeitsverhältnis direkt zu beenden. Schließlich dient die Probezeit genau diesem Zweck und ermöglicht Ihnen einen schnellen Ausstieg.

 

Hilfreiche Tipps zum richtigen Verhalten in verschiedenen beruflichen Situationen finden Sie hier:

Anke Quittschau, Christina Tabernig: Business-Knigge. Haufe: Freiburg, München 2015.

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