Dominanz durch Sprache

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

Tags: , , , ,

Sprache ist nicht nur ein Kommuni-kations- sondern auch ein beachtliches Machtmittel. Sie bestimmt unsere Denk- und Handelsmuster und kann sowohl überzeugen als auch entlarven. Wer mit Menschen arbeitet, zum Beispiel in einer Führungsposition, sollte wissen, wie Sprache funktioniert und sie anwenden können, um seine Ziele durchzusetzen.

Die richtige Verwendung von Sprache bietet drei Aspekte:

  • Dominanz: Der Sprecher behauptet sich gegen jemand anderen und erhebt sich auf eine subtile Weise über ihn.
  • Einfluss: Mit der richtigen Sprache kann man Menschen für sich gewinnen und für seine Ziele einnehmen.
  • Souveränität: Macht durch Sprache verleiht Selbstsicherheit und Unabhängigkeit und bietet Orientierung für andere Menschen.

Wer sich also überzeugend und souverän durchsetzen kann, wird auch von anderen als machtvoll betrachtet. Allerdings ist der Grad zur Antipathie sehr schmal. Jemand, der sich in allen Belangen immer dominant hervorhebt, erscheint schnell unsympathisch und verliert an Macht und Ansehen.

Der Begriff „Macht“ wird immer schnell mit „Machtmissbrauch“ in Zusammenhang gebracht. Doch im Gegensatz zur Machtübernahme durch offensichtliche Unterdrückung erscheint uns Macht durch sprachliche Mittel wesentlich legitimier und wird häufig gar nicht als Akt der Dominanz wahrgenommen. Dies lässt sich tagtäglich beobachten, wenn wir Werbung sehen. Die richtige Anwendung von Werbesprache lässt den Rezipienten gar nicht wahrnehmen, dass er manipuliert wird.

Aber es geht nicht nur um Dominanz, sondern auch auf einer weit niedrigeren Ebene darum, seinen Willen durchzusetzen beziehungsweise seine Interessen zu wahren. Die Verteidigung kann schon bei banalen Fragen, wie zum Beispiel der, eine zusätzliche Aufgabe von einem Kollegen zu übernehmen, gefragt sein. Es geht also bei dominantem Sprachverhalten nicht nur darum, Sprache für die eigene Karriere zu verwenden, sondern auch darum, seine aktuelle Situation zu wahren und zu verteidigen.

Da sich sprachliche Muster und Verhaltensmuster sehr schnell und unbewusst verfestigen, ist eine genaue Beobachtung der Umgebung wichtig, um die Strukturen zu reflektieren und aufzubrechen. Wie verhalten sich die Kollegen, Freunde und Familie? Mit Sicherheit gibt es eine Person, die sich immer durchsetzt. Versuchen Sie zu entschlüsseln, wie ihr das gelingt.

Besonders von Führungskräften wird immer verlangt, „Klartext“ zu reden, da Sprache aber sehr emotional, vielschichtig und auch lückenhaft ist, ist das nicht immer leicht. Sie folgt keinen logisch-rationalen Regeln und wenn sie es doch macht, dann sind sehr harte und komplizierte Formulierungen die Folge, wie sie zum Beispiel im Juristendeutsch verwendet werden.

Dies kann man aber vermeiden, indem man gezielt Konnotationen einsetzt. Durch sie lassen sich Sachverhalte unterschwellig ausdrücken, die, wenn man sie klar aussprechen würde, bei dem Gegenüber eher zu Widerstand als Zustimmung führen würden.

Der gängige Tipp und die wohl bekannteste rhetorische Hilfestellung ist die Vermeidung von sprachlichen „Weichmachern“. Das sind bestimmte Formulierungen wie „ich würde sagen“ oder Füllwörter wie „nun ja“. Auch Abschwächungen wie „ziemlich“ oder „ein bisschen“ sowie Entschuldigungen und Verallgemeinerungen können Sie defensiv erscheinen lassen. Ohne diese Worte und Sätze wird die Sprache härter und schlagkräftiger.

Lassen Sie beim Sprechen Begründungen und Erklärungen weg, denn sie offenbaren meist eine Schwäche. Wenn man sie auslässt, strahlt man automatisch mehr Autorität aus.

Doch Vorsicht: Achten Sie hierbei auf die entsprechende Kommunikationssituation. Zu viel Dominanz erzeugt Widerstand, der sich negativ für Sie auswirken kann. Eine einfache Abhilfe ist es, Wörter wie „denn“ oder „weil“ einfach auszulassen und stattdessen zwei klare Sätze zu formulieren („Bitte lassen Sie mich durch. Ich muss zum Zug.“).

Faszinierenderweise werden Anweisungen oft befolgt, ohne dass sie aktiv hinterfragt werden. Das heißt, wenn Sie Anweisungen ohne Begründung geben, werden Sie im ersten Moment damit Erfolg haben. Nur was seltsam oder unverschämt erscheint, generiert Unzufriedenheit und Widerstand.

 

Weitere Tipps, wie Sie Sprache als Machtmittel verwenden können, finden Sie hier:

Matthias Nöllke: Die Sprache der Macht. Freiburg, München: Haufe 2016.

Peter Flume/Wolfgang Mentzel: Rhetorik. Freiburg, München: Haufe 2015.

Karin Seven: Power Act – Ihr starker Auftritt. Freiburg, München: Haufe 2015.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte bestätigen Sie, dass Sie keine Maschine sind, indem Sie die Rechenaufgabe lösen. Nähere Informationen.