Durchstarten in der Immobilienwirtschaft

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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In der Immobilienbranche sind derzeit die Karrierechancen exzellent. Fachkräfte fehlen schon jetzt. Zudem steht ein Generationswechsel bevor. Bei der Auswahl aus dem Bildungsangebot gilt das Motto: Viele Wege führen nach Rom.

Facility Manager, Bauingenieure und Immobilienexperten mit unterschiedlichen Schwerpunkten sind dringend gesucht: Der Arbeitsmarkt der Branche boomt. Schon jetzt übersteigt die Nachfrage der Firmen das Angebot an ausgebildeten Fachkräften und Studienabsolventen. Der Kampf um den besten Immobiliennachwuchs wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich noch weiter verschärfen. Ein Generationenwechsel steht bevor, denn ein großer Teil der in der Branche beschäftigten Belegschaft wird in Kürze in Rente gehen. So werden gemäß der aktuellen Umfrage des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in den nächsten acht Jahren in den Unternehmen 15.422 Positionen (etwa 2.000 Stellen pro Jahr) zu besetzen sein. Doch welche Ausbildungen und Studiengänge bereiten die jungen Menschen am besten auf ihre zukünftigen Aufgaben in der Immobilienindustrie vor?

Viele verschiedene Möglichkeiten

„Viele Wege führen nach Rom – das gilt auch für die Immobilienwirtschaft“, fasst Professor Tobias Just, Vizepräsident der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung (gif) und wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie, das Problem der richtigen Ausbildungswahl zusammen: „Die Branche beschäftigt Millionen von Menschen mit sehr unterschiedlichen Qualifikationen, die folglich auch unterschiedliche Ausbildungswege erfordern.“ Während der Maklerberuf juristisch gesehen keine besondere Vorbildung benötigt, ist für viele andere Felder wie etwa die Verwaltung wenigstens eine kaufmännische Lehre sinnvoll. „Wer jedoch in die analytischen Bereiche wie Portfoliomanagement, Controlling oder die Risikosteuerung vordringen möchte, sollte heute unbedingt ein Hochschulstudium absolvieren“, ist sich Just sicher. Ähnlich sieht es Professor Kristin Wellner, die an der TU Berlin fürs Fachgebiet „Planungs- und Bauökonomie/Immobilienwirtschaft“ zuständig ist: „Für die Führungsebene ist in unserer Branche inzwischen ein Studienabschluss unabdingbar.“ Die Immobilienführungskraft von morgen muss schließlich so etwas wie ein siebenarmiger Buddha sein, stellt Professor Volker Eichener von der EBZ Business School in Bochum fest: „Sie braucht solide betriebswirtschaftliche Kompetenzen bis hin zu Verfahren der dynamischen Investitionsrechnung. Sie muss sich im Marketing auskennen, um der Leerstandsentwicklung entgegenzuwirken; sie benötigt technische Kompetenzen gerade im Bereich Energietechnik, doch auch Kompetenzen im allgemeinen Management und in der Personalführung dürfen nicht fehlen. Soziale Kompetenzen sind zwingend erforderlich, wenn es zum Beispiel um soziale Probleme in der Mieterschaft geht, und politische Kompetenzen werden nötig, wenn immobilienwirtschaftliche Investitionen von der Zustimmung politischer Gremien abhängen.“

Ein guter Weg für Karrierewillige könnte das stufenweise Vorgehen sein. Eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann oder –kauffrau ist ideal, um erste Einblicke in die Branche zu bekommen. Direkt im Anschluss bietet sich ein Hochschulstudium an. Auch duale Modelle, in denen parallel zum Studium in einem Unternehmen gearbeitet wird, können für Bewerber attraktiv sein. Solch ein Studium dauert in der Regel drei Jahre. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW bietet beispielsweise jungen Menschen die Möglichkeit, parallel zur Ausbildung zum Immobilienkaufmann den Studiengang Bachelor of Arts in Wirtschaft an der Akademie für Unternehmensmanagement zu durchlaufen – eine nachgefragte Doppelqualifikation, die Bewerber anzieht.

„Nach der kaufmännischen Ausbildung kann man sich in einen Bereich vertiefen, der einen persönlich am meisten interessiert“, rät Professor Just: „Hier sollte man durchaus ein breitgefächertes Wissen aufbauen, damit man sich nicht zu sehr in jungen Jahren auf ein bestimmtes Themengebiet festgelegt hat.“ Eine breite Qualifikation sei immer die beste Gewähr dafür, dass man später zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten wählen könne.

Betriebswirtschaftslehre oder ein Spezialstudium?

Das Studium der Betriebswirtschaftslehre garantiert eine breite analytische Basis, doch auch immobilienökonomische Bachelor oder Masterstudiengänge wie etwa „Immobilienmanagement“ oder „Immobilienwirtschaft“, die inzwischen vielerorts an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien in Vollzeit oder nebenberuflich angeboten werden, sind eine gute Wahl für den Immobiliennachwuchs. Die Studiengänge umfassen in der Regel Inhalte der BWL, Immobilienmarketing und -recht, VWL, Stadtplanung, Architektur und technische Kenntnisse. „Wer klassisch BWL studiert, kann später durch Weiterbildungsstudiengänge und Praktika in einschlägigen Unternehmen die Immobilienfertigkeiten nachholen“, sagt Just: „Doch auch wenn man ein immobilienökonomisches Fach an der Universität für sich wählt und dann in die Praxis hinausgeht, sollte man nicht hoffen, dass man „ausgelernt“ hat. Viele Berufe sind so spezialisiert, dass dieses Spezialwissen später erst erworben werden kann und sollte. Auch über ein Fernstudium lässt sich eine Immobilienlaufbahn beginnen.“

Viele Studierende teilen ihre Immobilienausbildung in Blöcke auf: Sie machen erst einmal den Bachelor, gehen dann einige Jahre arbeiten und kommen dann zum Immobilienökonom oder Master  wieder an die Hochschule zurück, erzählt die auf die Immobilienwirtschaft spezialisierte Personalberaterin Sabine Herbold: „Das ist eine sehr gute Möglichkeit, um für sich herauszufinden, welche Spezialisierung einem am meisten liegt.“

Doch welcher Menschenschlag eignet sich für eine Ausbildung oder ein Studium im Immobilienbereich? Die Anforderungen an Brancheneinsteiger sind sehr unterschiedlich, weil die Branche so vielfältig ist. „Was alle Immobilienleute auszeichnet, ist die Liebe zu Immobilien. Man muss den umbauten Raum mehr wahrnehmen, als das, was da steht. Man muss ihn architektonisch sehen und am besten auch als in Beton gegossenen Cashflow, man muss Veränderungsmöglichkeiten für den Raum erkennen können“, sagt Just. Immobilieneinsteiger brauchen außerdem eine große Portion Optimismus, weil Objekte für Jahrzehnte gebaut werden: „Sie sollten die Vision haben, was in den nächsten zehn bis fünfzig Jahren passieren könnte.“ Wer in der Projektentwicklung anfangen möchte, sollte bereit sein, ständig auf Unvorhergesehenes zu reagieren, sagt Just. Von Nachwuchsanalysten fordert er hingegen die sogenannte quantitative Exzellenz: „Wir brauchen Menschen, die dafür sorgen, dass Zahlen transparent und vor allem nachprüfbar und stimmig sind.“ Auch Eloquenz und schriftliche Genauigkeit zeichne einen idealen Brancheneinsteiger aus: „Sie müssen nicht überreden können, sondern überzeugen.“

Weichenstellung – mehr nicht

Ein Patentrezept zum Erfolg in der Immobilienwirtschaft gibt es dennoch nicht. Mit einer soliden Ausbildung legt man nur die Weichen. Aber auch mit dem Bachelor- und Masterabschluss sei man noch lange nicht fertig ausgebildet, sagt Just: „Gerade in der Immobilienwirtschaft ist ein ständiges Nachjustieren des Wissens nötig, weil sich der Kenntnisstand und die Erwartungen der Unternehmen ständig weiterentwickeln. Man braucht Ingenieurfertigkeiten, Stadtplanungsfertigkeiten, betriebswirtschaftliche Fertigkeiten – und das Wissen überaltert immer schneller. Einsteiger sollten deshalb das Thema „lebenslanges Lernen“ sehr ernst nehmen und frühzeitig mit Arbeitgebern darüber sprechen, wie sie das in ihr persönliches Entwicklungsprogramm integrieren können.“ Da kann Immobilien-Headhunterin Sabine Herbold nur zustimmen: „Wer vor drei oder vier Jahren sehr gut war und sich nicht weitergebildet hat, ist heute nur noch mittelmäßig, sagen meine Kunden.“

(Autorin: Irene Winter, Berlin)

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