Fortbildung – „Derzeit sicherster Weg zum Wirtschaftsprüfer“

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Fortbildung

Zusammen bieten die Fachhochschulen Münster und Osnabrück seit dem Wintersemester 2006/2007 den Master-Studiengang „Auditing, Finance and Taxation“ an. Zielgruppe des Angebots sind unter anderem Steuerberater mit Berufserfahrung, die das Wirtschaftsprüfungsexamen im Fokus haben.

 

 

 

SteuerConsultant: Seit wann bieten Sie Ihren Master-Studiengang an und was waren die Hintergründe?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Unser Master-Studiengang wurde erstmals zum WS 2006/2007 angeboten. Der Studienbeginn erfolgte unmittelbar nach der Akkreditierung als Studiengang nach § 8a WPO und noch vor Veröffentlichung der unverbindlichen Lehrpläne, also wirklich zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Wir waren immerhin für zirka zwei Jahre der einzige Anbieter eines solchen Studiengangs.

Grund für unser frühzeitiges Engagement war das Ziel der beiden Hochschulen, sich durch ein attraktives Master-Angebot mit hohem Praxisbezug und konsequenter Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Berufsstands zu profilieren. Wir haben einfach sehr schnell und flexibel auf die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen reagiert und sind froh, seit dem Start 2006 wertvolle Erfahrungen gesammelt zu haben.

SteuerConsultant: Wie viele Teilnehmer haben Ihr Fortbildungsstudium absolviert?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Wir haben den Studienbetrieb zum Wintersemester 2006/2007 mit nur sieben Studierenden begonnen, seitdem haben sich die Teilnehmerzahlen positiv entwickelt. Mit Beginn des Sommersemesters 2010 werden insgesamt rund 60 Studierende eingeschrieben sein. Die Absolventenzahlen sind aufgrund der Studierendenentwicklung mit zirka 15 noch gering.

SteuerConsultant: Absolventen des Master-Studiengangs können eine vorzeitige Zulassung zum Wirtschaftsprüfungsexamen erreichen. Wie viele haben das WP-Examen abgelegt?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Nach Abschluss des Studiums werden die im Studiengang erbrachten Leistungen in den Bereichen Angewandte Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht auf die betreffenden drei Klausuren des Wirtschaftsprüfungsexamens angerechnet. Steuerberater können darüber hinaus die bisher bekannte verkürzte Prüfung nach § 13 WPO ohne schriftliche und mündliche Prüfung im Steuerrecht ablegen. Die Absolventen eines § 8a WPO-Studiums sind berechtigt, in den nächsten Prüfungstermin zu gehen, ohne die insgesamt erforderliche Praxiszeit von drei Jahren nachweisen zu müssen.

SteuerConsultant: Wann sollten die Absolventen ihre WP-Klausuren anvisieren?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Derzeit machen wir erste Erfahrungen mit dem Verhalten unserer Absolventen nach dem Studium. Nach unserer Kenntnis nimmt ein Großteil von ihnen nicht die rechtliche Möglichkeit wahr, unmittelbar in den nächsten Prüfungstermin zu gehen. Hierfür gibt es vielfältige private, berufliche oder klausurtaktische Gründe. Bisher hat bei vier Anmeldungen zur Prüfung ein Absolvent das Wirtschaftsprüfungsexamen bestanden.

Wir empfehlen auch häufig, nicht unmittelbar nach dem Studium in den nächsten Klausurtermin zu gehen. Dies ist zwar formal möglich, zu beachten ist aber, dass es sich bei dem Master-Studiengang um eine modularisierte Form der Vorbereitung auf das WP-Examen handelt. Das heißt, dass die einzelnen Module – zum Beispiel das Modul „Verkehrsteuern“ – zwei Semester nach dem jeweiligen Semester endgültig geprüft werden. Dies führt einerseits zur Möglichkeit für die Studierenden, den Gesamtstoff nacheinander abzuarbeiten, andererseits ist die Modulprüfung zum Ende des Studiums eine Zeit lang her. Es ist also eine Wiederholung des Stoffs für das WP-Examen erforderlich.

Weiterhin besteht die Notwendigkeit, die besonderen „Stressfaktoren“ des WP-Examens – die Ablegung von mehreren sechsstündigen Klausuren in einem kurzen Zeitraum – zu üben. Wir haben daher in das Studium ein „Klausurenmodul“ und einen freiwilligen Klausurenkurs integriert. Im Ergebnis müssen nach dem Studium der Prüfungsstoff und weitere Klausuren wiederholt werden. Das dauert seine Zeit, zumal die Absolventen nach dem Studium durchaus ruhebedürftig sind.

SteuerConsultant: Eine der Zugangs-voraussetzungen für den Studiengang ist eine mindestens einjährige Praxiszeit gemäß den Vorgaben der Wirtschaftsprüferordnung. Wie lange haben Ihre Studenten durchschnittlich in der Praxis gewirkt?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Das ist unterschiedlich. Neben den relativen Berufsanfängern, die gerade ein Jahr Berufspraxis hinter sich haben, studieren auch fortgeschrittene Steuerberater mit mehrjähriger Berufserfahrung.

SteuerConsultant: Warum sollen sich Steuerberater für Ihr Master-Studium entscheiden?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Steuerberater müssen nach Abschluss des Studiums nur noch zwei Klausuren zum Prüfungswesen im WP-Examen schreiben. Der Weg über den § 8a WPO ist für Steuerberater nach meiner Ansicht im Ergebnis zwar nicht der schnellste und damit günstigste, derzeit aber der sicherste Weg zum Wirtschaftsprüfer.

SteuerConsultant: Voraussetzung für die Aufnahme des Studiums ist eine Zugangsprüfung. Wie reagieren die Studenten?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Die Zugangsprüfung ist gesetzlich vorgeschrieben und führt zu einem einheitlichen Ausgangsniveau, von dem aus wir sofort starten können. Wir bereiten Interessenten mit ausführlichen Unterlagen und einem Info-Tag auf die Zugangsprüfung vor, das kommt gut an. Für Bewerber mit einem Erststudium im Bereich Betriebswirtschaft ist die Prüfung mit diesen Hilfen und einer geschätzten Vorbereitungszeit von ein bis zwei Wochen gut zu schaffen.

SteuerConsultant: Die Höhe der Studiengebühren liegt bei 2.750 Euro pro Semester. Wer kommt in der Regel für diese Gebühr auf – die Studierenden selbst oder der Arbeitgeber?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Die Finanzierung der Studiengebühren läuft noch sehr unterschiedlich. Zum Teil können die Studiengebühren bereits in das übliche „Förderpaket“ der Arbeitgeber eingebaut werden, zum Teil müssen die Studierenden aber auch selbst für das Studium aufkommen. Die Situation ist insgesamt noch nicht befriedigend, weil Standards aufseiten der Arbeitgeber fehlen oder aber sich erst entwickeln. Wir gehen davon aus, dass sich der Weg zum Wirtschaftsprüfer mittels eines Studiums nach § 8a WPO bei den Arbeitgebern nach und nach als eine mögliche und förderungswürdige Alternative durchsetzen wird.

Wir haben hier mit einigen Praxispartnern auch schon sehr positive Erfahrungen gesammelt. Es wird für Bachelor-Absolventen bei der Wahl des ersten Arbeitgebers auch zunehmend darauf ankommen, ob diese in strukturierter Form ein späteres Master-Studium ermöglichen.

Dieser Punkt der Personalakquisition ist nach meiner Einschätzung in der Praxis noch gar nicht angekommen, hier wird sich bei vermutlich sinkenden Studierendenzahlen in der Zukunft einiges verändern.

Gerade kleine und mittelgroße Arbeitgeber, die bisher im Wettbewerb um Hochschulabsolventen häufig kein konkurrenzfähiges Weiterbildungskonzept vorweisen konnten, haben durch die Integration eines Master-Studiums in die Karriereplanung des Berufsnachwuchses nun die Möglichkeit, Wettbewerbsnachteile aufzuholen. Das Warten auf „umfassend“ ausgebildete Master-Absolventen kann sich dabei zunehmend als vergeblich herausstellen. Man darf gespannt sein, wie sich hier der Wettbewerb um die „klügsten Köpfe“ entwickelt.

SteuerConsultant: Sind Ihre Studenten in der Regel selbstständig oder angestellt?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Die Studierenden sind in der Regel angestellt und nur ausnahmsweise als selbstständige Steuerberater tätig.

SteuerConsultant: Auf Ihrer Website weisen Sie auf ein „Drei-Tage-“ und auf ein „Blockmodell“ hin. Wo liegen die Unterschiede?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Das Blockmodell startet jeweils zum Sommersemester. Die Veranstaltungen des Blockmodells finden von Anfang Mai bis Ende Juli beziehungsweise von Anfang September bis Ende November statt. Die in 2009 gestartete Studiengruppe hat Veranstaltungen ausschließlich in Münster und die in 2010 beginnende Studiengruppe ausschließlich in Osnabrück. Das Blockmodell richtet sich eher an „jüngere“ Mitarbeiter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Klientel ist überregional und verlegt ihren Wohnsitz von Mai bis November an den Studienort.

Das „Drei-Tage-Modell“ beginnt jeweils zum Wintersemester. Der Veranstaltungszeitraum umfasst im Wintersemester auch den Dezember und im Sommersemester auch den April. Dafür finden die Veranstaltungen ausschließlich von Donnerstag bis Samstag statt. Dieses Modell richtet sich eher an eine regionale Klientel, häufig mit größerer Berufserfahrung, die auch während des Studiums permanent den Kontakt zum Arbeitgeber beziehungsweise zum Mandanten halten möchte.

SteuerConsultant: Die Fachhochschulen Münster und Osnabrück arbeiten bei diesem Studiengang zusammen. Pendeln die Studenten zwischen beiden Standorten?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Das angebotene Blockmodell sieht einen festen Hochschulort vor, entweder Münster oder Osnabrück. Das Drei-Tage-Modell erfordert, dass die Studierenden wochenweise pendeln. Dieses ist mit dem Semesterticket kostenlos und mit dem Auto in rund 40 Minuten möglich.

SteuerConsultant: Wo liegen die Vorteile der Kooperation der beiden Fachhochschulen aus Sicht der Studenten?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Die Lehrkapazität des Studiengangs ist mit insgesamt zirka 950 Präsenzstunden für eine Fachhochschule allein erheblich. Wir können aufgrund der Kooperation auf einen großen Pool hauptamtlich Lehrender der beiden Hochschulen zurückgreifen. Darüber hinaus werden zirka 25 Prozent der Veranstaltungen durch externe Lehrbeauftragte abgewickelt. Insgesamt ist ein hoher organisatorischer Aufwand und eine erhebliche „Manpower“ erforderlich, um den Studiengang anbieten zu können. Da ist es gut, zwei leistungsfähige und vor allem leistungswillige Hochschulen im Rücken zu haben.

SteuerConsultant: Kommen Ihre Studenten eher aus allen deutschen Bundesländern?

Prof. Dr. Dirk Kiso: Das Blockmodell hat eindeutig eine überregionale Klientel, das Drei-Tage-Modell betrifft tendenziell Pendler, die allerdings zum Teil erhebliche Fahrtwege auf sich nehmen.

Informationen

Einzelheiten zum Master-Studiengang „Auditing, Finance and Taxation“ der Fachhochschulen Münster und Osnabrück finden Sie unter www.maft.de.

Das Gespräch führte Rüdiger Frisch, Redakteur SteuerConsultant

aus: Steuerconsultant 2010, S. 52

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