„Generation Praktikum“ – Verbesserte Rahmenbedingungen

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Praktika haben in der heutigen Zeit häufig einen schlechten Ruf –  vor allem bei der „Generation Praktikum“. Verbunden ist dieser schlechte Ruf mit der Angst junger Menschen vor einer unsicheren beruflichen Zukunft, die sich von  Praktikum zu Praktikum und Job zu Job hangeln und dabei schlecht bezahlt werden. Neue Umfragen und Studien belegen, dass Praktikanten wieder schlechter bezahlt werden, dass sie dauerhaft befristete Arbeitsverträge fürchten, dass sie Angst haben, keinen passenden Job zu finden und durch Bewerber aus dem Ausland verdrängt werden. Im Praktikantenreport 2012 wurden 3800 Unternehmen aus 1300 Städten bewertet. Demnach ist die Praktikantenvergütung gegenüber den Vorjahren deutlich zurückgegangen. Das Ergebnis von 5.500 Praktikumsbewertungen: Durchschnittlich lag der Verdienst bei 290 Euro im Monat, 40 Prozent der bewerteten Praktika waren unentgeltlich.

Doch es gibt auch neue Erkenntnisse, die Hoffnung geben.

In der Finanzkrise müssen sich Hochschulabsolventen keine großen Sorgen machen. Ein Studium ist immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, die Arbeitslosenquote ist seit Jahren konstant niedrig. 2010 lag sie mit 2,8 Prozent sogar deutlich niedriger als in den Jahren zuvor. Und auch die Rahmenbedingungen von Praktika sind auf dem Weg verbessert zu werden.

Nach einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung profitieren Praktikanten in der Regel von den betrieblichen Einsätzen. Wie dem Arbeitspapier zu entnehmen ist, komme es jedoch immer noch vor, dass einige Unternehmen das Instrument Praktikum missbrauchten: Es wurde festgestellt, dass 81 Prozent der Befragten in ihrem Praktikum vollwertige Arbeit geleistet haben, etwa 75 Prozent gaben an, dass ihre Arbeit fest im Betriebsverlauf eingeplant gewesen sei. 40 Prozent der Befragten wurden dafür nicht einmal bezahlt und nur neun Prozent wurden mit mehr als 800 Euro monatlich vergütet. Insgesamt zeigten sich aber 65 Prozent der Teilnehmer mit ihrem Praktikum zufrieden, was nicht zuletzt an der Qualität der ihnen übertragenen Aufgaben lag.

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) setzt sich nun stärker für die Praktikanten ein. „Nutzen für Praktikanten und Unternehmen“ verspricht die 60-seitige Broschüre, die unter anderem vom BMBF veröffentlicht wurde. Sie enthält rechtliche Hinweise und Musterverträge, dazu Erläuterungen zu Versicherungen, Bezahlung und Urlaubsansprüchen. Mit dem neuen Heft soll allen Beteiligten klar gemacht werden, was ihnen zusteht. So können Praktikanten zum Beispiel Anspruch auf Urlaubstage haben. Das gilt, sofern sie kein Pflichtpraktikum machen, das etwa in der Schule oder in ihrem Studium vorgeschrieben ist. Wie viele Urlaubstage Hospitanten in einem freiwilligen Praktikum zustehen, richtet sich nach dessen Dauer und dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindesturlaub. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Arbeitnehmern bei einer 5-Tage-Woche mindestens 20 Urlaubstage im Jahr zustehen. Übertragen auf Praktikanten heißt das, dass ihnen etwa bei einer Hospitanz von drei Monaten mindestens fünf Tage Urlaub zustehen. Allerdings muss der Arbeitgeber in zwei Ausnahmefällen auch bei freiwillig absolvierten Praktika keinen Urlaub genehmigen: Wenn die Hospitanz weniger als einen Monat dauert oder wenn die Praktikanten nicht aktiv in den Arbeitsprozess eingebunden werden und keinen „wirtschaftlich verwertbaren Beitrag“ leisten. Der Leitfaden, betont das Ministerium, „soll sicherstellen, dass in Wirtschaft und Verwaltung die klaren Regeln auch eingehalten werden“.

„Praktikanten sind keine billigen Arbeitskräfte“, wirbt das BMBF für einen ordentlichen Umgang mit den Mitarbeitern auf Zeit. Diesen Leitspruch haben sich einige Firmen zu Herzen genommen und bieten faire Praktikumsstellen an. Unter dem Gütesiegel „Fair Company“ versprechen sie dabei, bestimmte Richtlinien einzuhalten und niemanden auszubeuten. Eine Liste dieser Firmen finden Sie hier:

http://faircompany.karriere.de/search.aspx

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