Gibt es den Traumjob? – Pro und Contra

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Tagtäglich hört man in den Medien Geschichten von Menschen, die ihren alten, unbefriedigenden Job gekündigt haben und ihrem „Traum“ gefolgt sind, der sie tagtäglich erneut von Glück erfüllt. Sie erwecken beim Betrachter die Sehnsucht nach einem besseren, erfüllenderen Beruf, kurz: dem Traumjob. Aber gibt es diesen sogenannten Traumjob überhaupt oder ist er nur eine Illusion?

Früher diente der Beruf zur Sicherung der Grundbedürfnisse: Soziale Anerkennung, Sicherheit und Geborgenheit, Vertrauen, Selbstachtung, Unabhängigkeit und Verantwortung. Die Arbeit diente also als (monetäre) Basis für Wichtigeres. Heute hingegen ist der Beruf zunehmend ein Mittel zur Selbstdarstellung geworden und fungiert gewissermaßen als Statussymbol.

Doch genau diese neue Definition bringt eine große Last mit sich. Unter dem Label „Traumjob“ besteht ständig der Anspruch, immer glücklich und perfekt zu sein oder eben ständig danach zu streben. Es wird der Eindruck erzeugt, ohne Traumjob sei man unglücklich. Es wird empfohlen, das zu machen, was Spaß macht, was einen erfüllt. Das Problem dabei: Nicht alles was Spaß macht, sollte man zum Beruf machen. Es gibt zudem einen großen Unterschied zwischen Beruf und Berufung. Der Beruf dient dem Geldverdienen, der Sicherung der Grundbedürfnisse. Die Berufung ist in der Regel das Streben nach etwas Höherem, einer Vision oder ähnlichem. Die Berufung kann zum Beruf gemacht werden, muss aber nicht. Vieles lässt sich besser in der Freizeit verwirklichen. So muss ein Dichter nicht von seinen Gedichten leben können, sondern kann sich in seiner freien Zeit auf seine Berufung konzentrieren, weil er seinen Lebensunterhalt in einem anderen Job verdient.

Diese Überlegung eröffnet die Frage nach den Prioritäten im Leben und der Frage, was einem wichtig ist. Der Beruf muss möglicherweise nicht die Erfüllung bringen, sondern nur die Basis bilden, auf der in der Freizeit die Passion aufgebaut werden kann. Dabei ist die Frage nach der Work-Life-Balance wichtiger als die reine Betrachtung der Arbeit.

Wie schon in der Einleitung angedeutet, ist der Traumjob eine Illusion, die von anderen erzeugt wird. Ihr scheinbarer Erfolg und ihr Glück erweckt Neid und den Eindruck, dass das eigene Leben unzufriedenstellend ist. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass die perfekte Arbeit sich mit den Lebensumständen wandelt. Eine junge Universitäts-Absolventin hat eine andere Vorstellung davon als eine alleinerziehende Mutter.

Was viele zudem nicht bedenken: Oft besteht der Traumjob meist nur aus einer Essenz, nach der gesucht wird. Diese muss sich nicht in einem bestimmten Beruf wiederfinden, sondern kann in vielen verschiedenen Berufen gefunden werden. Wer gerne Wissen vermitteln möchte, kann Lehrer werden, aber auch Journalist, Autor oder Touristenführer. Die Einschränkung auf den einen perfekten Job kann also auch hinderlich sein.

Doch grundsätzlich ist nichts gegen die Tatsache einzuwenden, dass der Job Spaß machen sollte. Schließlich verbringen wir die meiste Zeit unseres Lebens in der Arbeit. Aber man sollte sich bei der Suche danach nicht zu sehr einschränken, gezielt vorgehen und nicht unter Druck setzen.

Hier ein paar Tipps, die Ihnen bei der Suche nach einem erfüllenden Job weiterhelfen können:

  • Sammeln Sie Erfahrungen durch Praktika oder Mini-Jobs noch während Ihres Studiums. So können Sie häufig schon bestimmte Arbeitsbereiche für sich ausschließen.
  • Analysieren Sie: Was ist Ihnen wichtig im Beruf, auf was legen Sie weniger Wert? Was sind Ihre Stärken? Wie kann ein Unternehmen von Ihnen profitieren?
  • Bauen Sie gezielt ein Netzwerk aus, denn viele gute Jobs gehen unter der Hand auf dem sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt weg. Das bedeutet, dass Sie sich nicht nur auf Jobportale und planlose Initiativbewerbungen verlassen sollten.
  • Überlegen Sie gezielt, welche Unternehmen für Ihre Wünsche in Frage kommen könnten und sammeln Sie über Ihr Netzwerk Informationen darüber. Fragen Sie ruhig auch Mitarbeiter, die dort arbeiten, wie sie zum Beispiel das Klima unter den Kollegen empfinden. Scheuen Sie sich dabei nicht, auch über Portale wie XING oder LinkedIn unbekannte Mitarbeiter zu kontaktieren.
  • Probieren Sie verschiedene Arbeitsbereiche aus und scheuen Sie sich nicht davor, die Stelle zu wechseln.
  • In manchen Fällen müssen Sie vielleicht gar nicht kündigen, sondern können in Ihrem Berufsalltag nach und nach kleine Dinge verändern, bis Sie damit zufrieden sind.
  • Machen Sie sich selbstständig: Das ist zwar mit sehr viel Arbeit verbunden, kann aber für den einen oder anderen erfüllender sein als in einem Unternehmen unter einem Vorgesetzten zu arbeiten.

 

Egal wie Sie vorgehen: Lassen Sie sich nicht von dem Label „Traumjob“ unter Druck setzen, sondern versuchen Sie in Ruhe den Job zu finden, der am besten zu Ihnen passt. Haben Sie keine Angst davor, Verschiedenes zu probieren oder auch einmal etwas ganz anderes für sich zu erkunden.

 

Weitere Tipps für Ihre Suche nach dem richtigen Job finden Sie hier:

Uta Rohrschneider/Michael Lorenz: Bewerbung für Berufseinsteiger – inkl. Arbeitshilfen online. Freiburg, München: Haufe 2015.

Michael Gehrer/Bernhard Plum/Jürgen Schmidt: Existenzgründung für Hochschulabsolventen – inkl. Arbeitshilfen online. Geschäftsidee, Business-Plan, Fördermittel, Kundenakquise, Crowdfunding. Freiburg, München: Haufe 2016.

Joachim S. Tanski/Andreas Schreier/Steffen Thoma/Axel Singler: Selbstständigkeit wagen. Freiburg, München: Haufe 2012.

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