Ist gut geranked bereits halb gewonnen?

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

Tags: , ,

Rottke hat einen Lehrstuhl an der EBS Universität Wiesbaden

Deutsche Hochschulen und private Akademien bieten immobilienwirtschaftliche Programme aller Couleur an. Nur wie kann ein potenzieller Studierender die Qualität der nahezu 140 Angebote im deutschsprachigen Raum unterscheiden?

Im Gegensatz zu anderen Fachgebieten konstituiert sich die Immobilienwissenschaft nicht in einer einzelnen Disziplin. Sie weist inter- oder multidisziplinäre Schwerpunkte auf in BWL/VWL, Recht, Architektur, Ingenieurwissenschaften, Stadt- und Raumplanung oder Wirtschaftsgeografie. Diese Breite bringt Programme hervor in verschiedener Art und Dauer, mit Abschlüssen wie Bachelor und Master (Arts oder Science), (Executive) MSc/MA oder MBA mit Spezialisierung oder einem Zertifikatsabschluss wie dem Immobilienökonom. Was lässt auf Programmqualität schließen? Sind Rankings und Akkreditierungen gute Entscheidungskriterien?

Rankings sind in die Kritik geraten

Akademische Rankings sind in Kritik geraten, beispielsweise das CHE-Ranking, das von Soziologen und Historikern boykottiert wird, oder das Personen-Ranking des „Handelsblattes“, aus dem dieses Jahr über 300 BWL-Professoren ausgestiegen sind, da sie einen zu eindimensionalenFokus auf Forschung und Publikation und damit einhergehend falsche Anreizsetzung bei der Verwirklichung von Forschungsinteressen und Bearbeitung gesellschaftlicher Fragestellungen kritisierten.

Die Rankings stützen sich jedoch auf ausgefeilte Methoden, von denen die Immobilienwirtschaftslehrenoch entfernt scheint: Es existieren das internationale EdUniversal-Ranking mit einfacher Methode und das Ranking einer deutschen Fachzeitschrift, das ausschließlich auf Studentenbefragung beruht und Programme in eine Rangliste aufnimmt, wenn mindestens neun Studierende partizipieren. Dies führte im 2012-Ranking zu der Situation, dass ein einzelner Studierender durch seine Bewertung mit „gut“ anstatt „sehr gut“ über die Vergabe des ersten Platzes entschied. Ist es methodisch problematisch, dass einzelne Hochschullehrer Studierende zur Beteiligung am Ranking auffordern? Sagt ein Ranglistenplatz etwas über Programmqualität aus, wenn er durch die Mindestanzahl an Studierenden zustande kommt? Werden internationale Hochschulen bestraft, wenn die Umfrage nur auf Deutsch angeboten wird? Ist es glaubwürdig und im eigenen Interesse, wenn mit-initiierende Hochschulen selbst im Ranking vertreten sind? Sollte die Immobilienwissenschaft sich überlegen, gemeinsam aus dem Ranking auszusteigen oder dem Initiator einen besseren Modus vorzuschlagen?

Studierendenmeinung ist wichtig. Es existieren jedoch ähnlich wichtige zu berücksichtigende Faktoren, wie beispielsweise Absolventen-Einstiegsgehälter, Einschätzungen von Personalverantwortlichen, Forschungs- und Lehrleistung der Fakultät sowie das Vorhandensein von hohem Qualitätsmanagement beispielsweise durch Nachweis von Akkreditierungen. Diese sind für seriöse Anbieter unerlässlich: Es gilt zu differenzieren zwischen nationalen Pflichtakkreditierern, die vom deutschen Akkreditierungsrat mandatiert werden (wie FIBAA, AQAS, ACQUIN), internationalen Akkreditierern, die ihr Siegel Hochschulen exzellenter Qualität verleihen (wie AACSB, AMBA, EQUIS) und Akkreditierungen von Standesverbänden (wie RICS, Appraisal Institute), bei denen nicht die Akkreditierung im Vordergrund steht, sondern das Sicherstellen einer mit den Verbandszielen konformen Ausbildung, da Graduierte später Verbandsmitglieder werden.

Versteckte Signale in Hochglanzbroschüren

Ziel von Rankings und Akkreditierungen ist für den Studierenden die richtige Programmwahl. Welcher Programmauftrag gilt? Welche versteckten Signale stecken in den Hochglanzbroschüren?

Ist das Programm regional, national oder international ausgerichtet, wenn ja, mit disziplinärem Schwerpunkt – oder als multidisziplinäre „Wundertüte“? Wie ist es um die Internationalität von Inhalten, Fakultät und Studierenden bestellt; ist Programmsprache Deutsch oder Englisch? Gewinnt das Programm Attraktivität durch seine physische Lage zu einer „Immobilienstadt“? Gibt es eine lange Programmhistorie? Haben die Professoren Lehrmaterialien neben ihrer Forschung erstellt? Existieren attraktive Klassengrößen? Haben sich aktive Alumnigruppen mit eigener Dynamik gebildet? Ist der Akademikerbesatz stabil, so dass es zu einer „Programmhandschrift“ gekommen ist?

(Autor : Prof. Dr. Nico B. Rottke)

Zum Autor: Rottke hat einen Lehrstuhl an der EBS Universität Wiesbaden, eine Professur an der University of Central Florida, Orlando, und leitet das EBS Real Estate Management Institute.

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte bestätigen Sie, dass Sie keine Maschine sind, indem Sie die Rechenaufgabe lösen. Nähere Informationen.