Jobfalle: „Falsche“ Unternehmensgröße und -kultur

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Passt die Unternehmenskultur?

Mehr als 99 Prozent aller Betriebe gehören in Deutschland und europaweit zu den sogenannten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Diese Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl bis circa 500 erwirtschaften 40 Prozent der steuerpflichtigen Umsätze, beschäftigen circa 70 Prozent der Arbeitnehmer und bilden circa 80 Prozent der Lehrlinge aus.
Trotzdem sind Großunternehmen immer noch interessanter für viele junge und erfahrene Fach- und Führungskräfte als die KMU. In Umfragen zur Attraktivität von Arbeitgebern favorisieren berufliche Ein- oder Umsteiger eher große Unternehmen, weil sie ihnen scheinbar größere Sicherheit versprechen und weil sie aufgrund der Größe der Unternehmen bessere Perspektiven erwarten. Das stimmt aber in vielen Fällen nicht. Und gerade in diesem Punkt lauern Fallen, die für Sie Konsequenzen haben können.
„Unser Auftraggeber ist ein mittelständisches, konzerngebundenes Unternehmen der Maschinentechnik. (…) Wir suchen eine überzeugende Persönlichkeit mit Erfahrung aus dem Mittelstand (…)“ Der Text dieser Anzeige ist eindeutig. Hier wird ein Mittelständler mit Wissen um die Chancen und Risiken in den KMU gesucht und eben kein Mitarbeiter aus einem Großunternehmen, der die spezifischen Regeln innerhalb eines mittelständischen Unternehmens gar nicht kennt und beurteilen kann. Wenn Sie aus einem Großunternehmen stammen, hat eine Bewerbung auf eine solche Stelle kaum Aussicht auf Erfolg.
Beide Unternehmensgrößen sind mit Vor- und Nachteilen verbunden, die jeweils mit der spezifischen Größe und auch Kultur zusammenhängen. Und besonders die Spielregeln sind jeweils andere. Nicht umsonst suchen viele Mittelständler – auch in Stellenanzeigen zu lesen – Fachkräfte mit Erfahrung aus dem Mittelstand. Nicht umsonst sind Wechsel vom Mittelstand zu Großunternehmen häufig genug nicht einfach.
Hier gilt es, die eigene Wahrnehmung zu schulen und auch die eigene berufliche Entwicklung zu reflektieren. In welchen Unternehmensgrößen haben Sie sich bisher bewegt? Wo haben Sie Ihre Erfahrungen und Kompetenzen erworben und meist erfolgreich eingesetzt? In welcher Größe und Kultur fühlen Sie sich wohl und können Ihre Fähigkeiten am besten einsetzen?
In Großunternehmen wird nach anderen Spielregeln agiert als in KMU. Sie weisen andere, in der Regel viel arbeitsteiligere Organisationsstrukturen auf als KMU, auch Entscheidungswege können in den KMU kürzer sein als in Großunternehmen. Für Großunternehmen sprechen Argumente wie die Perspektiven, sich im Konzern zu entwickeln, ihr Image als attraktive Arbeitgeber und interessante Gehaltsstrukturen.
Doch nicht jeder Arbeitnehmer kann die Anforderungen im Großunternehmen erfüllen, nicht jeder kann Politik in eigener Sache betreiben und Netzwerke aufbauen, wie es in Großunternehmen notwendig ist. Für andere Arbeitnehmer sind inhabergeführte Mittelstandsunternehmen nicht die richtige Plattform, um die eigenen beruflichen Kompetenzen sinnvoll einzusetzen. Bedenken Sie bei Ihrer Entscheidung auch mangelnde Strukturen und Unterstützung bei zeitaufwendigen alltäglichen Erledigungen des Arbeitsalltags.

Experten-Tipp: Nicht durch das Image blenden lassen
Achten Sie bei der beruflichen Umorientierung immer auf die eigenen Präferenzen in Bezug auf Unternehmensgröße und -kultur. Bauen Sie Ihre Entscheidungen nie nur auf dem attraktiven Image eines Arbeitgebers auf oder dem Vorurteil, nur in Großunternehmen lasse sich Karriere machen.

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