Jobsharing: Bewerben im Tandem

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Jobsharing-Modelle erfreuen sich in Deutschland seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit. Doch was verbirgt sich wirklich hinter dem Begriff und was müssen Sie bei einer entsprechenden Bewerbung beachten?

 

Was bedeutet Jobsharing?

Jobsharing ist ein Arbeitszeitmodell, bei dem sich zwei oder mehr Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle teilen. Im Unterschied zur klassischen Teilzeitarbeit tragen sie die gemeinsame Verantwortung für ihre Aufgaben und können sich die Arbeitszeiten selbst untereinander aufteilen.

Die tatsächliche Umsetzung des Modells unterscheidet sich in der Praxis stark. So kann beispielsweise die Arbeitszeit stunden-, tage- oder sogar monatsweise gestaltet werden. Häufig teilen sich zwei Arbeitnehmer den Arbeitsplatz zur Hälfte, es ist aber ebenfalls möglich, dass fünf Partner vier Stellen besetzen, indem jeder an einem Tag in der Woche frei hat.

Die gesetzlichen Grundlagen sind im TzBfG unter § 13 Arbeitsplatzteilung geregelt. Im Normalfall schließt jeder Arbeitnehmer einen separaten Arbeitsvertrag ab, das Entgelt richtet sich nach Arbeitszeitanteilen. Grundsätzlich besteht keine Vertretungspflicht zwischen den Sharing-Partnern bei Urlaub oder Krankheit, diese kann aber dennoch im Einzelfall vereinbart werden bzw. aus dringenden betrieblichen Gründen verpflichtend sein.

 

Welche Vorteile hat Jobsharing für den Arbeitnehmer?

  • Grundsätzlich hat dieses Modell die gleichen Vorteile wie die klassische Teilzeitarbeit: u.a. eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. mehr Freizeit für den Arbeitnehmer.
  • Im Unterschied zur normalen Teilzeitarbeit kann beim Jobsharing die Arbeitszeit und -dauer jedoch individuell gestaltet werden und ermöglicht so mehr Spielraum für Flexibilität.
  • Dadurch kann sich dieses Modell finanziell und vor allem auf die Karriere positiv auswirken.
  • Gerade für Mütter stellt es eine geeignete Chance dar, trotz Kindern einen Karriereweg einzuschlagen. Denn durch das Jobsharing ist die ständige Anwesenheit einer der Partner gesichert, wodurch auch betreuungsintensive Aufgaben übernommen werden können.

 

Welche Vorteile hat Jobsharing für den Arbeitgeber?

  • Durch die doppelte Besetzung der Stelle erhält der Arbeitgeber doppelte Expertise und doppelte Erfahrung. Aufgaben werden stets aus zwei Blickwinkeln betrachtet. Die Synergie, die hierbei entsteht, kann sehr gewinnbringend sein. Zudem verfügen die Mitarbeiter durch eine gute Work-Life-Balance über zusätzliche Power und Motivation.
  • Falls ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, bleibt das Wissen durch die verbliebende Person trotzdem im Unternehmen und kann so weitergegeben werden.
  • Zusätzlich ergeben sich bessere Vertretungsmöglichkeiten, da die Job-Partner immer über den Arbeitsstand des anderen im Bilde sind.
  • Unternehmen, die Jobsharing-Modelle ermöglichen, zeigen dadurch Innovationsfreude und eine Wertschätzung ihren Mitarbeitern gegenüber, wodurch sie langfristig gute Fachkräfte gewinnen können.

 

Welche Nachteile und Herausforderungen birgt Jobsharing?

  • Für Jobsharing ist ein hoher Kommunikations- und Informationsaufwand aller Beteiligten nötig. Gerade arbeitsrechtliche Themen bzgl. der Vertragsgestaltung (Vertretung, Kündigung, Weiterbildung, …) müssen im Detail geklärt werden.
  • Schwierig kann sich außerdem die Neubesetzung einer Person in der Gruppe gestalten.
  • Ab einer bestimmten Einkommensgrenze muss der Arbeitgeber höhere Abgaben zahlen, wodurch er dann rein finanziell nicht vom Jobsharing profitiert.
  • Momentan gibt es kaum ausgeschriebene Jobsharing-Stellen, was jedoch nicht bedeutet, dass Unternehmen grundsätzlich eine solche Lösung ablehnen.

 

Was müssen Sie bei der Bewerbung im Tandem beachten?

  • Hinterfragen Sie sich: Bringen Sie die richtigen Voraussetzungen mit? Dazu gehört insbesondere ein gutes Kommunikations- und Organisationstalent. Klare Absprachen sind sowohl zwischen den Job-Partnern als auch gegenüber dem Arbeitgeber sowie Kollegen und Außenstehenden unerlässlich.
  • Suchen Sie nach einem geeigneten Partner, z.B. in Ihrem persönlichen Umfeld, an Ihrer jetzigen Arbeitsstelle oder auf Jobsharing-Plattformen, wie Tandemploy. Wichtig ist, dass die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Partner stimmt. Sie müssen einander vertrauen, mit gegenseitiger Kritik umgehen können und eine ähnliche Arbeitseinstellung teilen. Im Idealfall ergänzen Sie sich zudem in Ihren Stärken.
  • Sie können sich sowohl auf ausgeschriebene Stellen als auch initiativ bewerben. Besonders die zweite Möglichkeit führt beim Jobsharing häufig zu Erfolg, vor allem wenn Sie die Bewerbung direkt an Entscheidungsträger schicken.
  • Als Bewerbungsunterlagen eignen sich ein gemeinsames Anschreiben, zwei Lebensläufe inkl. aller Zeugnisse sowie ein präziser Arbeitsplan, der Ihrem potenziellen Arbeitgeber zeigt, dass Sie sich bereits ausführliche Gedanken gemacht haben.
  • Alternativ können Sie Ihre bisherige Arbeitsstelle zu einem geteilten Job umgestalten, indem Sie einen passenden Partner finden und Ihren Arbeitgeber von den Vorteilen überzeugen.
  • Bereiten Sie sich zusammen mit Ihrem Job-Partner gründlich auf das Bewerbungsgespräch vor. Überlegen Sie sich präzise Antworten auf alle Einwände und konkrete Fragen in Bezug auf Vertretung, Kündigung, Weiterbildung usw. Machen Sie sich darauf gefasst, dass Aufklärungsbedarf nötig sein wird, und bewahren Sie Flexibilität gegenüber dem Arbeitgeber.

 

Details zum Jobsharing können Sie hier nachlesen:

https://www.tandemploy.com/de/home

http://zweiteilen.de/category/allgemein/jobsharing/

 

Tipps zur besseren Work-Life-Balance finden Sie hier:

  • Wiebke Sponagel: Downshifting. Selbstbestimmung und Ausgeglichenheit im Job. Haufe: Freiburg, München 2013.
  • Elke Nürnberger u.a.: Stressfrei arbeiten. Haufe: Freiburg, München 2012.
  • Franz Hölzl, Nadja Raslan: Mut. Wagen und Gewinnen. Haufe: Freiburg, München 2012.

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