Kindergeld nach Erstausbildung

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Beim Kindergeld und bei der Einkommensteuer spielt die Abgrenzung zwischen Erst- und Zweitausbildung oft eine entscheidende Rolle. Daher muss sich auch der BFH immer wieder mit diesem Thema auseinandersetzen – so auch im folgenden Kindergeld-Fall.

Eine junge Frau (23) hatte ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen im Jahr 2014 abgeschlossen und war danach in einer Klinik angestellt. Dort bot man ihr ein berufsbegleitendes BWL-Studium an einer Verwaltungsakademie (VWA) mit dem Ziel einer Managementtätigkeit im Gesundheitswesen an, das sie zum nächstmöglichen Termin begann. Voraussetzung für den Studiengang war eine kaufmännische Berufsausbildung und eine einjährige Berufstätigkeit. Ihre wöchentliche Arbeitszeit reduzierte die Frau auf 30 Stunden.

In der Folge verweigerte die Familienkasse das Kindergeld, da sie der Meinung war, die Frau (Tochter) habe als Kauffrau im Gesundheitswesen bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung. Grundsätzlich könne zwar bis zum 25. Lebensjahr auch bei einer Zweitausbildung weiterhin Kindergeld bezahlt werden, jedoch sei die für diesen Fall geltende Wochenarbeitsgrenze von 20 Stunden überschritten. Das erstinstanzliche Finanzgericht kam zum selben Ergebnis und wies die Klage des Vaters der jungen Frau ab.

Der BFH (Urteil v. 4.2.2016, III R 14/15) bestätigte die Entscheidung der Vorinstanz: Dass das Studium im Streitfall eine Berufstätigkeit voraussetzte, führe nicht dazu, die beiden Abschnitte als eine Ausbildungseinheit zu sehen. Vielmehr sei das Studium ein die berufliche Erfahrung berücksichtigender Weiterbildungsstudiengang (Zweitausbildung). Durch die erforderliche Berufstätigkeit entfalle der für eine einheitliche Ausbildung notwendige enge Zusammenhang. Gleiches gilt, wenn ein Kind eine weitere Ausbildung erst nach einer zwischenzeitlichen Berufstätigkeit beginnt. Wird also eine Berufstätigkeit zwischen den einzelnen Ausbildungsabschnitten aufgenommen, die nicht lediglich der zeitlichen Überbrückung bis zum Beginn der nächsten Ausbildung dient, sind die einzelnen Ausbildungsabschnitte nicht mehr als integrative Teile einer einheitlichen Ausbildung anzusehen.

Hinweis: Da Kinder grundsätzlich bis zum 25. Lebensjahr berücksichtigt werden, spielt die Frage, ob ein Erst- oder Zweitstudium vorliegt, nur dann eine Rolle, wenn das Kind die zulässige Wochenarbeitsgrenze von 20 Stunden überschreitet. Ein erster berufsqualifizierender Abschluss gilt nicht als Erstausbildung, wenn er integrativer Bestandteil eines einheitlichen Ausbildungsgangs ist. Dies gilt z.B. in folgenden Fällen:

  • Prüfung als Steuerfachangestellter im Rahmen eines dualen Bachelorstudiums im Steuerrecht (BFH, Urteil v. 3.7.2014, III R 52/13);
  • Prüfung als Fachinformatiker im Rahmen einer dualen Ausbildung zum Bachelor in Wirtschaftsinformatik (BFH, Urteil v. 16.6.2015, XI R 1/14);
  • Bachelorabschluss im Rahmen eines konsekutiven Masterstudiums (BFH, Urteil v. 3.9.2015, VI R 9/15).

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