Kindergeld während Master- und nach Bachelorstudium

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Ist ein Masterstudium, das sich an ein Bachelorstudium anschließt, ein Zweitstudium oder nur Teil eines mehrgliedrigen Erststudiums? Die Antwort auf diese Frage kann für den Kindergeldanspruch entscheidend sein.

Für Kinder in Ausbildung, die bereits eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen haben, gibt es nur noch Kindergeld, wenn sie keiner schädlichen Erwerbstätigkeit nachgehen.

Hinweis: Nicht schädlich wäre z.B. eine Erwerbstätigkeit von höchstens 20 Stunden pro Woche, ein Ausbildungsdienstverhältnis oder eine geringfügige Beschäftigung.

Fraglich ist dabei, wann eine Erstausbildung bzw. Erststudium abgeschlossen ist. Für ein duales Studium hat der BFH kürzlich entschieden (Urteil v. 3.7.2014, III R 52/13), dass auch ein Bachelorstudium noch zur Erstausbildung gehört, wenn ein Kind nach Abschluss seines studienintegrierten Ausbildungsgangs, das parallel dazu betriebene Bachelorstudium fortsetzt. Noch nicht höchstrichterlich geklärt ist, ob auch ein Masterstudium, welches auf dem vorherigen Bachelorstudium aufbaut, Teil eines (mehraktigen) Erststudiums sein kann.

Das FG Berlin-Brandenburg betrachtet in einer aktuellen Entscheidung (Urteil v. 2.9.2014, 15 K 15011/14) ein Studium als abgeschlossen, wenn die nach der jeweiligen Studienordnung für den betreffenden Studiengang vorgesehene Abschlussprüfung bestanden oder der vorgesehene Hochschulgrad verliehen wurde. Im Streitfall stellte daher der Abschluss des Bachelorstudiengangs den Abschluss eines Erststudiums dar und der nachfolgende Masterstudiengang war als weiteres Studium (Zweitstudium) anzusehen. Die Folge war, dass den Eltern des Studenten das Kindergeld verweigert wurde, da der Student nebenher mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitete.

Es überrascht nicht, dass auch die Finanzverwaltung die Auffassung des Finanzgerichts teilt. Trotzdem ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, denn der BFH hat auf die eingelegte Nichtzulassungsbeschwerde hin die Revision (Az.: VI R 9/15) gegen das Finanzgerichts-Urteil zugelassen. Steuerexperte Christian Weber deutet dies als Indiz dafür, dass der BFH vom FG-Urteil abweichen will. Schon bei seiner Entscheidung zum dualen Studium hatte der BFH nämlich bei der Auslegung des Begriffs der Berufsausbildung auch das Berufsziel des Kindes berücksichtigt. Da nach einem Bachelorstudium häufig ein höher qualifizierendes Masterstudium „draufgesattelt“ wird, ist es durchaus denkbar, dass der BFH den Masterstudiengang als Teil einer einheitlichen (mehraktigen) Ausbildung ansieht. Das sollte insbesondere dann gelten, wenn die Abschnitte in einem engen sachlichen (selbe Berufs- oder Fachbereich) und zeitlichen Zusammenhang stehen.

Weber rät daher, einschlägige Fälle durch Einspruch offen zu halten, bis der BFH entschieden hat.

Hinweis: In anderem Zusammenhang kann es auch steuerlich vorteilhaft sein, wenn ein Studium als Zweitstudium gilt, da dies einen Abzug von studienbedingten Aufwendungen als Werbungskosten ermöglicht, während für die Aufwendungen eines Erststudiums nur ein beschränkter Sonderausgabenabzug zulässig ist (mehr dazu). Achtung: Die Abgrenzung zwischen Erst- und Zweitstudium im Kindergeldbereich korrespondiert nicht zwingend mit der beim Werbungskosten- bzw. Sonderausgabenabzug (vgl. Hessisches FG, Urteil v. 21.11.13, 8 K 807/12, Haufe Index 6449813).

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