Lerntechniken: Unser Gedächtnis

Veröffentlicht am von David Reinhaus

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David Reinhaus, Autor

Bei der Prüfungsvorbeireitung geht es häuftig nur um Eines: Das erforderliche Wissen parat zu haben und abrufen zu können. Kurz nach der Prüfung ist viel des Gelernten rasch vergessen. Dazu sollten Sie wissen: Unsere Gedächtnisleistung wird in drei Kategorien unterteilt: Das Ultrakurzzeitgedächtnis (auch sensorischer Speicher genannt), das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis.

Ultrakurzzeitgedächtnis: Wenn wir einen Reiz verarbeiten, bleiben alle Nervenzellen, die an der Verarbeitung dieses Reizes beteiligt sind, bis zu 20 Sekunden lang elek¬trisch erregt. In dieser Zeit können wir uns problemlos an diesen Reiz erinnern. Setzen wir uns nicht weiter mit ihm auseinander, haben wir ihn spätestens nach 20 Sekunden wieder vergessen. Oft reicht diese kurze Gedächtnisspanne, um eine einmal begonnene Handlung zu Ende zu führen. Sie hilft uns beispielsweise beim Lesen: Wenn wir ein neues Wort lesen, haben wir das vorangegangene noch im Gedächtnis.

Kurzzeitgedächtnis: Wenn wir uns mit einem neuen Eindruck intensiver auseinandersetzen, schütten alle Nervenzellen, die an dieser Verarbeitung beteiligt sind, an ihren Synapsen vorübergehend besonders viele Botenstoffe aus. Dieser Vorgang kann bis zu einige Tage lang andauern und erklärt, warum wir uns in dieser Zeitspanne an derartige Eindrücke erinnern.

Langzeitgedächtnis: Erst wenn ein Eindruck unserem Gehirn sehr wichtig erscheint (z. B. weil er starke Gefühle auslöst), gelangt er in unser Langzeitgedächtnis. Hier bilden Nervenzellen, die an der Verarbeitung beteiligt sind, untereinander neue Nervenverbindungen. Diese können Wochen, Monate, Jahre oder ein ganzes Leben lang bestehen – je nachdem wie lange und wie häufig wir neues Wissen und neue Verhaltensweisen gebrauchen.  
Allerdings können Sie auch diese Lerninhalte wieder vergessen, wenn Sie nicht regelmäßig von ihnen Gebrauch machen. Jedoch können Sie sie auch schnell wieder auffrischen, denn die ungenutzten Nervenverbindungen werden nicht vollständig abgebaut, sondern nur zurückgebildet. Wenn Sie zum Beispiel lange nicht mehr Skifahren waren, brauchen Sie vielleicht ein Paar Anläufe, bis Sie alle Bewegungsabläufe wieder ohne langes Nachdenken beherrschen. Doch Sie müssen nicht bei Null anfangen.

Lernen – was gelangt ins Langzeitgedächtnis?
Unser Gedächtnis funktioniert wie ein Filter. In jeder Sekunde wirken unzählige Reize auf uns ein. Damit unser Gehirn nicht davon nicht überflutet wird, sondern arbeitsfähig bleibt, filtert es von vornherein Informationen heraus. Hierzu entscheidet es sich blitzschnell anhand von Erfahrungen, was für uns von Bedeutung ist und was nicht. Unser Ge-hirn lernt im Laufe unseres Lebens, von welcher Art von Informationen wir besonders profitieren. Diesen Informationen schenken wir fortan mehr Aufmerksamkeit als anderen.
Während alle Informationen in unser Ultrakurzzeitgedächtnis gelangen, werden nur wichtige Informationen in unser Kurzzeitgedächtnis weiter geleitet. Von dort aus gelangen nur sehr wichtige In-formationen in unser Langzeitgedächtnis.

Wann werden Informationen dauerhaft in unserem Gedächtnis verankert?
Wenn sie…
– für uns besonders wichtig sind, weil sie der Erfüllung unserer Bedürfnisse bzw. der Erreichung unserer Ziele dienen.
– sich leicht mit unserem Vorwissen verknüpfen lassen.
– mit bestimmten Emotionen verknüpft werden.
– praktisch angewendet werden können.
– ständig abgerufen werden.
– mit Bildern verknüpft werden.
– mit Assoziationen verbunden werden.
– sich vereinfachen lassen.

Kommentare

  • Klaus Kizio sagt:

    Den Artikel finde ich insgesamt gut.

    Allerdings hätte ich im letzten Absatz die Reihenfolge etwas anders gewählt. Hauptsächlich geht es wohl um die drei Säulen „Bildhaftigkeit“ (Unsere Gehirne sind für abstrakte Inhalte „nicht so richtig“ geeignet.), „positiver emotionaler Bezug“ (auch z. B. dadurch, sich eine Sache „schmackhaft“ zu machen) und „Einordnung in Bekanntes“ (also z.B. beim gedanklichen Erarbeiten eines ganz neuen Sachverhaltes zunächst in ein Konversationslexikon schauen, dann in ein ganz leichtes Fachbuch und erst am Schluss ein hoch kompetentes Fachbuch gezielt „durcharbeiten“).

    Außerdem hätte diese durchaus gekonnte Darstellung zu einem Seitenblick auf ganz konkrete Lerntechniken eingeladen. Der Leser wird häufig ein Interesse daran haben, wie lange er Sitzfleisch beweisen muss bis zur nächsten Erholungsphase, was er in dieser tun oder nicht tun sollte und wie lange man sie wählen sollte, bis man sich wieder „auf den Hosenboden setzt“.

    Durch leichtes Überarbeiten könnte der Autor diesen Artikel schnell auf- nach meiner Beurteilung- die Note „sehr gut“ heben.

  • yusuf sagt:

    Ich finde das gut

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