Mindestlohn im Praktikum?

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland das Mindestlohngesetz (MiLoG). Ziel des Mindestlohns ist es, ein angemessenes Einkommensniveaus festzusetzen und einen Unterbietungswettbewerb zu verhindern. In Deutschland heißt das konkret, dass es seit Anfang des Jahres für fast alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Mindestlohn in Höhe von 8,50 € pro Arbeitsstunde gibt. In den meisten Ländern der Europäischen Union ist der Mindestlohn bereits eingführt worden. Die deutschen 8,50 € entsprechen 51 % des Mittlerenlohns. Im Mittel verdient ein Vollzeitbeschäftigter in Deutschland 2.889 € im Monat, das entspricht einem Stundelohn von 16,70 € bei einer 40-Stunden-Woche. Somit liegt ein Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde bei 50,9 % des mittleren Lohns. Damit befindet sich Deutschland im europäischen Mittelfeld.

Allgemein sind fünf Gruppen von der Mindestlohnregel ausgenommen, bzw. hier gelten besondere Regelungen:

  • Jugendliche unter 18
  • Auszubildende
  • Praktikanten
  • Langzeitarbeitslose
  • Ehrenamtliche

 

Für Studierende sind vor allem die Regeln zum Mindestlohn im Praktikum von großer Bedeutung. Hier stellt sich die Frage, wird nun jedes Praktikum bezahlt und wird dabei der Mindestlohn gezahlt? Oder können sich Unternehmen nun keine Praktikantenplätze mehr leisten und bieten daher keine mehr an? Die Antworten bietet folgende Übersicht:

 

Anspruch auf Mindestlohn:

  • Praktikanten außerhalb einer Ausbildung oder eines Studiums mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem Studienabschluss
  • Freiwillige Praktika begleitend zu Studium oder Ausbildung, länger als drei Monate (nach Ansicht der Bundesregierung ab dem 1. Tag)
  • Freiwillige Praktika begleitend zu Studium oder Ausbildung, wenn bereits ein solches Praktikumsverhältnis mit demselben Ausbildenden bestanden hat
  • Freiwillige Praktika zur Orientierung bei der Berufs- und Studienwahl, länger als drei Monate (nach Ansicht der Bundesregierung ab dem 1. Tag)

 

Vom Mindestlohn ausgenommen:

  • Pflichtpraktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium
  • Freiwillige Praktika begleitend zu Studium oder Ausbildung bis zu drei Monaten (Achtung mit Ausnahmen – siehe unten)
  • Freiwillige Praktika bis zu drei Monaten, die zur Orientierung bei der Berufs- oder Studienwahl dienen
  • Einstiegsqualifizierungen nach § 54 a des Dritten Sozialgesetzbuches
  • Praxisphasen wärend eines dualen Studiums, generell bei ausbildungsintegrierten Studiengängen, sowie praxisintegrierten Studiengängen bei denen praktische Tätigkeiten regelmäßig innerhalb des Studiengangs verpflichtend sind.
  • Jeder unter 18 Jahren ohne Berufsabschluss

 

Es wird sich erst in den nächsten Monaten und Jahren zeigen, in wie weit der Mindestlohn das Angebot von Praktikumsplätzen verändern wird. Ob die Angst der Studierenden, dass weniger Praktikumsplätze angeboten werden, sich bewahrheiten wird, ist noch nicht absehbar. Dafür kann aber an dieser Stelle die Vermutung geäußert werden, dass ein großer Teil der Stellen auf eine Dauer von maximal drei Monaten reduziert wird und somit die Unternehmen den Mindestlohn umgehen werden.

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