Mit dem Social-CV zum (neuen) Job

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Ein Profil im Social Web gehört inzwischen nicht nur privat, sondern auch beruflich zur Pflicht. Fachkräfte können so ihre Qualifikationen und Kenntnisse demonstrieren und ihr berufliches Netzwerk erweitern. Dabei eignet sich insbesondere ein gut gepflegtes Profil beim beruflich orientierten Netzwerk Xing. Auch weitere Netzwerke können nützlich sein, wenn man diese mit Augenmaß nutzt. Gesuchte Experten profitieren so zunehmend von den Vorteilen des Active Sourcing durch potenzielle Arbeitgeber.

von Sebastian Rahm, Senior Department Manager im Recruitment Management bei der Hays AG, Mannheim

Drei Viertel aller Internetnutzer in Deutschland sind in einem sozialen Netzwerk angemeldet, zwei Drittel nutzen das Social Web auch aktiv. Die Zahlen stammen aus einer Studie, die der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) 2012 veröffentlichte. Sie zeigen, welche Bedeutung das „Mitmach-Internet“ inzwischen bekommen hat. Allein die drei Gallionsfiguren des Social Web – Facebook, Google und Twitter – können 2013 weltweit zusammen mehr als 1,3 Milliarden aktive Nutzer vorweisen, wie das Marktforschungsunternehmen Global Web Index ermittelt hat.

Aktives Personalmarketing der Unternehmen

Hinter diesen Zahlen steckt auch für jeden Arbeitnehmer in Deutschland eine wichtige Botschaft: Da draußen im Social Web gibt es Informationen und Netzwerke, die für die eigene berufliche Karriere relevant sind.

Schon jetzt setzen viele Unternehmen soziale Medien ein – laut der zitierten Bitkom-Studie knapp die Hälfte der Firmen in Deutschland. Auch wenn dabei die Kundenbindung im Vordergrund steht, finden sich inzwischen immer mehr Aktivitäten im Umfeld von Personalmarketing und Employer Branding.

Denn immer mehr Unternehmen, vor allem die großen, gehen verstärkt auf Bewerber zu, anstatt ihr Personal ausschließlich über Stellenanzeigen zu gewinnen. Active Sourcing lautet das zugehörige Schlagwort.

Neben klassischen Lebenslaufdatenbanken, wie sie von Online-Stellenbörsen betrieben werden, nutzen dafür immer mehr Unternehmen auch Social Media, um Kandidaten direkt anzusprechen.

Mehr noch: Unter Social-Media-versierten Personalexperten wird diskutiert, ob und vor allem wann denn der Social CV – der digitale Fußabdruck, den wir im World Wide Web hinterlassen – den klassischen Lebenslauf ersetzen kann. Das ist sicherlich noch Zukunftsmusik, aber jeder erwerbstätige sollte angesichts dieser Trends die neuen Möglichkeiten des Social Web auch für seine berufliche Weiterentwicklung nutzen.

So bietet sich etwa die Möglichkeit, bei einem potenziellen Arbeitgeber mal unverbindlich anzufragen, wenn dieser eine Stelle ausgeschrieben hat – sozusagen noch eine Stufe in den Bewerbungsprozess vor die eigentliche Bewerbung einzubauen.

Der Kandidat erlebt so ganz direkt, wie schnell ein Unternehmen reagiert oder in welchem Ton es antwortet. Da auf Unternehmensseite in diesem Fall oft Community-Manager und keine Personaler die Antworten geben, bietet sich so die Chance, den potenziellen Arbeitgeber unverfänglich aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen.

Lebenslauf bei Xing einstellen

Um mit einem eigenen sozialen Profil im beruflichen Kontext präsent zu sein, bieten sich die Plattformen Xing und LinkedIn an.

Xing hat für das deutschsprachige Umfeld zweifellos die größte Bedeutung, wer eher international orientiert ist, wird bei LinkedIn fündig.

Facebook, obwohl mit Abstand die größte soziale Plattform, hat im Selbstverständnis vieler Bundesbürger noch immer den Charakter eines Netzwerks für private Kontakte.

In anderen Ländern, vor allem im Angelsächsischen, wo es die für Deutschland typische strikte Trennung zwischen Privat- und Berufsleben noch nie so gab, spielt Facebook auch für Kontakte im beruflichen Umfeld eine wichtige Rolle.

Zumindest bieten die Karriereseiten von Unternehmen in Facebook auch in Deutschland die Möglichkeit, sich ein Bild über einen potenziellen Arbeitgeber zu machen.

Entsprechendes gilt für Google+, das inzwischen laut Global Web Index zum zweitgrößten sozialen Netzwerk aufgestiegen ist, bezogen auf die Zahl der aktiven Nutzer, und damit noch vor Twitter liegt. Mit Blick auf Facebook, Xing & Co. könnte daher eine Empfehlung lauten, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen.

Gerade bei Profilen, die man auch privat nutzt, sollte man jedoch die Privatsphäre-Einstellungen so wählen, dass sich dem potenziellen Arbeitgeber im öffentlich zugänglichen Bereich des Profils ein möglichst neutrales Bild bietet.

Bilder in Bikini oder Badehose vom letzten Thailand-Urlaub haben in einem beruflichen Umfeld nichts zu suchen. Denn: Das Web vergisst nicht!

Womit wir bei der Frage wären, wie das Profil in einem sozialen Netzwerk gestaltet sein sollte. Vorweg: Recruiter haben da in der Regel keine feste Vorstellung, erlaubt ist also, was gefällt.

Oder anders formuliert: Man sollte sich immer fragen, was man von sich preisgeben möchte und wie man auf andere wirken möchte. Denn letztlich bewegt man sich auf einer Art öffentlichem Platz. Das gilt für das Foto und das gilt für den Text.

Aufpassen bei der Nennung des aktuellen Arbeitgebers

Das eigene Bild ist sehr wichtig. Die Erfahrung zeigt, dass Profile mit Foto deutlich mehr Zugriffe verzeichnen als bilderlose. Mit Blick auf den beruflichen Kontext sollte man auf dem Foto in Haltung und Kleidung zu dem Umfeld passen, in dem man sich dort bewegt.

Beim Textteil des Profils ist ein Lebenslauf naheliegend. Dieser muss nicht so minutiös sein, wie der Lebenslauf einer Bewerbung, sollte aber auf jeden Fall erkennen lassen, welche Stellen man bislang bekleidet hat und welche Aufgaben und Verantwortung man dabei hatte.

Vorsicht ist angesagt bei der Nennung des aktuellen Arbeitgebers! Jedes Unternehmen hat hier individuelle Regelungen, die man im Zweifel erfragen sollte, damit es später nicht zu Konflikten kommt.

Statt den Namen des Unternehmens zu nennen, kann man es ja auch durch Branche und Mitarbeiterzahl umschreiben.

Praxistipp: Fachkräfte können ihr konkretes Jobprofil auch noch gut durch die Aufgaben anreichern. Im Finance-Bereich etwa in folgender Art: „Finanzbuchhalter; eigenständige Bearbeitung von 30 Lieferanten, Mitarbeit bei Jahresabschlüssen, Mitglied des SAP-Projektteams“. So bekommt der Besucher des Profils bereits eine sehr konkrete Vorstellung.

 Berufsrelevante Keywords im Profil verwenden

Stichwortartige Nennungen, in denen entsprechende branchenspezifische Signalwörter auftauchen, sind sinnvoll, damit andere das Profil über die Suchfunktion leichter finden können. Falls es für das berufliche Profil nicht relevant ist, sollte man zum Beispiel politische oder religiöse Überzeugungen nicht kundtun. Wie im Small Talk gilt auch in sozialen Netzwerken – zumindest für den Erstkontakt – „no politics, no religion“. Diese Regel sollte man auch für die Diskussionsgruppen der sozialen Plattformen beherzigen.

Mitmachen in Gruppen hilft beim Netzwerken

Diskussionsgruppen bieten eine gute Möglichkeit, das eigene Netzwerk zu erweitern und Kompetenz zu demonstrieren. Es gibt sie zum Beispiel auf Xing zu fast jedem berufsrelevanten Thema, auch Finance-Fachkräfte werden hier fündig.

Wer einer neuen Gruppe beitritt, kann sich zu Beginn kurz vorstellen. Beteiligt man sich dann regelmäßig an den fachlichen Dialogen des Forums, lernt man ganz nebenbei auch viel darüber, wie der Arbeitsmarkt und andere Unternehmen ticken. Zunehmend sind Diskussionsgruppen nämlich auch Orte, wo konkret Stellen angeboten werden.

Xing und LinkedIn weisen einen auch aufgrund der Angaben im eigenen Profil auf relevante Stellen hin – und auf die Profile anderer, die man womöglich kennt.

Parallel sollte man auf der sozialen Plattform auch selbst nach Kollegen, ehemaligen Kollegen, und privaten Bekannten – etwa Nachbarn oder Vereinsmitgliedern – suchen. So wächst das eigene Netzwerk Schritt für Schritt und über die Aktivitäten der Anderen.

Über berufliche Veränderungen von Bekannten bleibt man ebenfalls auf dem Laufenden. Für die Zahl der Kontakte gibt es keine allgemeine Empfehlung. Wer zum Beispiel schon fünf Jahre bei Xing ein Profil hat, aber nur fünf Kontakte besitzt, signalisiert sicherlich keine große Aktivität. Aber es müssen auch keine 500 Kontakte sein, über die man ja – schon allein aufgrund der großen Zahl an Statusmitteilungen – schnell den Überblick verliert.

Königsdisziplin Blog oder Microblog

Die Königsdisziplin im Social Web ist sicherlich der eigene Microblog à la Twitter oder der eigene Blog. Hier über kann man sehr gut sein fachliches Know-how demonstrieren und auf sich aufmerksam machen.

Allerdings erfordert dies sehr viel Disziplin und Durchhaltevermögen vom Autor. Denn wenigstens auf wöchentlicher Basis sollte es schon neue Texte oder Hinweise geben. Wer also unter die Blogger oder Twitterer geht, sollte immer mal wieder kritisch prüfen, ob er dieses Angebot tatsächlich regelmäßig mit neuen Inhalten füttern kann oder ob nach der Anfangseuphorie dieser Kanal schnell verstummt ist.

Für Blogs gilt daher wie für alle Aktivitäten in sozialen Netzwerken, dass der Spaß an der Sache und die Freiwilligkeit ganz oben stehen sollten. Sonst klappt es nicht.

Man sollte nie damit rechnen, dass sich ein Beitrag in einer Diskussionsgruppe oder ein neuer Kontakt direkt beruflich verwerten lässt. Soziale Netzwerke geben in der Regel keine Antwort, wenn man aufgrund einer plötzlichen Arbeitslosigkeit eine neue Stelle sucht.

Vielmehr liefern sie die Möglichkeit ein wertiges berufliches Netzwerk Schritt für Schritt aufzubauen – aus dem sich dann, oft völlig unerwartet, auch neue Karrierechancen ergeben können. Chancen, die sich ohne Social Web einem womöglich nie geboten hätten.

Praxis-Beispiel: Xing-Gruppe „Betriebliches Rechnungswesen“

(Autor: Udo Reuß)

Beispielhaft für zahlreiche Diskussionsgruppen auf Xing soll hier die Gruppe „Betriebliches Rechnungswesen“ näher beleuchtet werden. Daran kann erkannt werden, welche beruflichen Möglichkeiten soziale Netzwerke bieten können.

Diese Gruppe ist nicht freischaltungspflichtig, was u. a. die hohe Mitgliederzahl von über 13.000 erklärt. Bis Mitte Dezember 2013 wurden in dieser Themengruppe, die sich ausschließlich mit dem betrieblichen Rechnungswesen beschäftigt, über 3.000 Beiträge publiziert. Neue Mitglieder stellen sich etwa im „Vorstellungsforum“ vor. Dabei handelt es sich branchenübergreifend sowohl um Angestellte als auch selbstständige Experten aus den Bereichen betriebliches Rechnungswesen, Buchführung, Finanzen, Steuern, Kostenrechnung und Controlling.

Mancher stellt beispielsweise im Forum „Buchhaltung“ konkrete fachliche Fragen, die von Anderen mitunter fachkundig beantwortet werden, zum Beispiel: „Wie ist eine Kontopfändung zu buchen?“ Analog können auch Kostenrechnungsfragen im Forum „Controlling“ ausgetauscht werden.

Im Forum „Veranstaltungen“ weisen häufig gewerbliche Anbieter – wie beispielsweise geprüfte, selbstständige Lexware-Programmberater – auf konkret anstehende Schulungstermine hin. Fortbildungsmöglichkeiten wie Fernlehrgänge finden sich im Forum „Weiterbildung“. Recht viele konkrete Stellenangebote bietet das „Jobboard“. Diese stammen direkt von Unternehmen, Personaldienstleistern und Recruitern aus den Bereichen Finance, Accounting, und Tax.

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