Nur Mut Geisteswissenschaftler!

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Mann sitzt im Waschsalon, liest ein Buch

„Germanistik-Studium? Das klingt ja interessant. Und was wird man damit?“ Ein Frage, die Geisteswissenschaftler häufiger zu hören bekommen dürften. Die Studierenden werden dann oftmals mit dem Klischee des studierten Taxifahrers oder des promovierten Kellners konfrontiert. Eine pessimistische Vorstellung, die jedoch so nicht den Tatsachen entsprechen kann. Denn ein Großteil der nicht wenigen Studenten der Geisteswissenschaften kommt in der Berufswelt früher oder später sicher an.

Der Unterschied zu Studienabgängern der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) oder der BWL liegt darin, dass kein festes Berufsfeld für sie existiert. Stellenanzeigen in denen beispielsweise direkt Literaturwissenschaftler gesucht werden sind äußerst selten. Außerdem muss der Geisteswissenschaftler zunächst auch für sich selbst entscheiden, welchen beruflichen Weg er nach bzw. während dem Studium einschlagen will. Deshalb gestaltet sich die Jobsuche für Geisteswissenschaftler manches Mal langwieriger. Das Endergebnis dieser Suche spricht allerdings für sich. Die ermittelten Arbeitslosenzahlen ergaben z.B. für Geisteswissenschaftler 7885 Arbeitslose. Andere Akademiker Berufe, stehen dabei mit 27.106 arbeitslosen Ingenieuren und 5468 Juristen nicht unbedingt besser da.

Die geisteswissenschaftlichen Fächer bilden schließlich sehr fähiges Personal aus. Firmen schätzen an ihnen häufig ihre interkulturellen Kompetenzen und ihre Ausdrucksfähigkeit, die beispielsweise in Verhandlungen gut genutzt werden kann. Darüber hinaus weisen Geisteswissenschaftler im besonderen Maße auch andere Soft Skills vor, wie selbständiges und präzises Arbeiten, ausgewogenes Zeitmanagement, Kreativität und analytisches Denkvermögen.

Diese Fähigkeiten sollten allerdings auch bereits während des Studiums ausgeweitet werden. Praktika im In- und Ausland oder Nebenjobs sorgen für die erste Praxiserfahrung. Meist macht es sich bezahlt, wenn Studenten hierbei eine konsequente Linie fahren. Also mehrere Praktika im einem Bereich, wie z.B. durchgängig in Personalabteilungen von Unternehmen. Positiver Nebeneffekt: vielleicht ergibt sich mit dem nötigen Engagement bereits während des Praktikums oder Nebenjobs die Aussicht auf eine Festanstellung.

Hilfreich kann es sein Zusatzkurse im Rahmen des Studiums zu belegen oder ein entsprechendes Nebenfach zu wählen. BWL- oder Informatikkurse bieten viele Unis, entweder als Ferienkurs oder eben als begleitendes Nebenfach zum geisteswissenschaftlichen Hauptstudienfach. Wichtig ist es dann diese Zusatzqualifikationen, seine besonderen Fach- und Sprackenntnisse und seine Soft Skills in der Bewerbung im wahrsten Sinne des Wortes zu bewerben. Selbstbewusste Selbstvermarktung lautet die Devise, eine Taktik, bei der sich Geisteswissenschaftlern von BWLern sicherlich noch einiges abschauen können. Gern gesehen sind dann bei den Unternehmen auch Initiativbewerbungen, die beweisen, dass ein besonderes Interesse an dem Arbeitgeber besteht.

Die Bereiche in denen die Geisteswissenschaftler später tätig sind, sind vielfältig: PR, Unternehmenskommunikation, Werbeagentur, Bildungseinrichtung, Interessenvertretung, Sozialverband, Kulturbetrieb, Personalabteilung oder Beratungsfirma. In der Wirtschaft kommen die Geisteswissenschaftler insbesondere im Personalwesen, im Marketing oder im Vertriebswesen unter. Die durchschnittlichen Einstiegsgehälter in all diesen Bereichen liegen bei ca. 2000 Euro brutto. Beispiele für weiterführende Karrieren von Geisteswissenschaftlern gibt es einige. Dies zeigt unter anderem der ehemalige Germanistik- ,Theater- und Musikwissenschaftsstudent Dr. Mathias Döpfner, der mittlerweile Vorstandsvorsitzender der Axel-Springer AG ist. Nicht jeder Geisteswissenschaftler kann und muss eine solche Karriere starten, aber mit dem nötigen Durchhaltevermögen und Engagement erreichen die meisten solcher Berufseinsteiger einen Job, der ihnen Spaß macht und ihren Qualifikationen entspricht.

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