Online-Schulungen – Schon weitverbreitet

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Online-Fortbildung

Online-Fortbildungen sind preiswert und dank weitverbreiteter schneller Internet-Zugänge fast überall mit einfachen Mitteln verfügbar. Über die Jahre wurde die technische Qualität immer besser. Dennoch gibt es einige recht menschliche Aspekte, die diese virtuelle Wissenswelt auch zukünftig wahrschenlich nicht erfüllen kann.

 

„Qualität und Angebot haben sich in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert“, beobachtet Jeannine Roitsch, Steuerfachangestellte bei der Berliner Barnbrook Steuerberatungsgesellschaft. Seit 2002 arbeitet sie in der Kanzlei, erledigt alles, was anfällt, hinzu kommt die Lohnabrechnung. Nicht nur in diesem Bereich müssen die Mitarbeiter stets auf dem aktuellen Stand bleiben.

Vor vier Jahren schlug sie deshalb vor, Online-Seminare auszuprobieren. Das sei preiswerter als Präsenzseminare, teilweise sogar komplett kostenfrei. Zudem falle die Anfahrt weg, so die Berlinerin. „Unsere Chefin, die technisch sehr fortschrittlich denkt, willigte sofort ein“, erzählt Roitsch.

Online-Fortbildungen bis zu vier Mal im Jahr

Seitdem finden in ihrer Kanzlei regelmäßig drei bis vier Mal im Jahr Online-Schulungen statt, mal für alle, mal für einzelne. Zunächst waren es rein fachbezogene Inhalte sowie Einführungen in neue Kanzlei-Software-Programme, die bei den Online-Liveseminaren erklärt wurden. Später kamen allgemeingültige Themen hinzu. „Gerade jetzt im Jahresendstress ist so eine unverbindliche Fortbildungsmöglichkeit ideal“, sagt Roitsch. Nicht jeder muss dabei sein. Es reiche, wenn ein bis zwei Kollegen daran teilnehmen und später in Teamsitzungen allen anderen die Knackpunkte berichten, so die Steuerfachangestellte.

„Der größte Vorteil ist, dass man jederzeit die Übertragung abschalten und an seinen eigentlichen Aufgaben weiterarbeiten kann, wenn das Seminar einfach nicht den eigenen Vorstellungen entspricht“, sagt StB Wolfram

Jaschke, Geschäftsführer der Paartal Treuhand-GmbH Steuerberatungsgesellschaft im bayerischen Aichach. Allein für die Fahrt zu Präsenzseminaren in das rund 60 Kilometer entfernte München würde er fast einen halben Tag verlieren. Dann doch lieber Online-Seminare. Die kosten meist nur rund hundert Euro und er könne zudem auch noch Mitarbeiter vor den Computer setzen. Das spart Geld.

2006 sammelte der Kanzleichef erste Erfahrungen mit den Online-Seminaren von Haufe, allerdings waren seiner Ansicht nach Geschwindigkeit und die Sprachqualität nicht zufriedenstellend. Die Sprecher bemühten sich, extrem langsam und betont zu sprechen, es gab keinen direkten Blickkontakt und die Inhalte wurden flott durchgezogen, so StB Jaschke. Das hat sich offenbar gründlich geändert.

Qualität der Online-Seminare hat sich gebessert

Kürzlich, im November 2011, nahm Jaschke erneut an einem Haufe Online-Live-Seminar teil. Das Thema: Steueränderungen 2012. Dieses Seminar war eines von zwölf Online-Liveseminaren, die Teil des Haufe-Lexware Steueroffice Premium-Pakets sind. „Die Lautstärke und das Tempo waren wirklich prima, auch die interaktive Kommunikation lief überraschend gut“, erzählt der Kanzleiinhaber. Und als Jaschke den Seminarleiter darauf hinwies, dass die Stimme der Co-Moderatorin etwas übersteuert war, wurde das sofort berücksichtigt. Die Vortragende nahm etwas mehr Abstand vom Mikrofon, dann hat es perfekt geklungen.

Bei den meisten Online-Liveseminaren können heutzutage Fragen und Anmerkungen sofort interaktiv in den Chat geschrieben werden. Die Berliner Steuerfachangestellte Roitsch mag diese Möglichkeit. „Online werden Fragen wesentlich besser beantwortet als bei Präsenzseminaren in irgendwelchen Hilton Hotels, wo sich dann doch nicht jeder sofort traut, die Hand zu heben, wenn es Klärungsbedarf gibt“, so ihre Erfahrungen.

Diese Erfahrung haben sich auch StB Cordula Schneider und Angela Hamatschek zu Herzen genommen. Die beiden Kanzleiberaterinnen des Delfinet Steuerberater-Netzwerks bieten seit dem Frühjahr 2011 ihren Mitgliedern neben klassischen Workshops auch Online-Seminare an – zu Themen wie „Empfehlungsmanagement“, „Fachberatermarketing“, „Wochen-Controlling“ und „Schnelleres Belegmanagement“. Die beiden Expertinnen arbeiten dabei stets im Team und tragen ihr Fachwissen je nach Thema wechselseitig vor. Die eine referiert, die andere betreut die Technik und Rückmeldungen der Teilnehmer, sodass keine Frage übersehen wird. „Für uns Vortragende waren die ersten virtuellen Momente sehr aufregend und irritierend“, erzählt StB Schneider. Man sitzt vor dem Bildschirm und sieht sich selbst. „Ich, die normalerweise stark gestikuliere, war anfangs total starr“, gesteht StB Schneider.

Andererseits agiere die Kamera auch nicht hundertprozentig in Echtzeit. Wer sich zu schnell bewegt, bewirke, dass er auf dem Bild des Betrachters verwische. „Darauf muss man sich einstellen, genauso wie auf den permanenten Blickkontakt“, erklärt Schneider. Was ihr dabei geholfen hat? Sie stellt sich einen Teilnehmer vor, den sie schon persönlich kennt, und tut so, als ob sie ihm alles erzähle, auch wenn er gar nicht an dem Seminar teilnimmt. „Wir hatten unsere Online-Live-Seminare zunächst ausschließlich unseren Netzwerkmitgliedern angeboten“, erzählt StB Schneider, das milderte das anfängliche Lampenfieber. Mittlerweile lädt Delfinet auch externe Kanzleien ein.

„Wir arbeiten mit dem Online-Programm Netviewer und setzen parallel auf den Chat und die normale Telefonkonferenz, weil die Klangqualität über das Telefon besser ist und keiner so schnell aus der Leitung fliegt“, erklärt die Seminarleiterin. Sie weiß, dass einige Kanzleien in ländlichen Gebieten teils nur schwache Bandbreitübertragungen haben. Deswegen ist der Technik-Check, eine Stunde vor Seminarbeginn, so extrem wichtig. Klappt alles? Können wirklich alle Teilnehmer die Referentin klar sehen und hören? „Für unsere Teilnehmer ist die virtuelle Vortragssituation durch diverse Datev- und Haufe-Seminare seit Langem vertraut“, sagt StB Schneider.

Volle Aufmerksamkeit auf Referenten gerichtet

Im Gegensatz zu den großen Anbietern stellt Delfinet vorab jedoch keine Unterlagen zur Verfügung. Die Aufmerksamkeit während des Seminars soll ausschließlich auf die Referentinnen gerichtet sein. „Es geht darum, die Show zu präsentieren“, so StB Schneider. Erst im Anschluss werden alle Unterlagen und Feedback-Bögen verteilt. Und über E-Mail sowie im Delfinet-Forum werden alle noch offenstehenden Fragen online geklärt, die über die Chat-Moderation der zweiten Kollegin nicht bearbeitet werden konnten.

„Online-Seminare werden die Zukunft sein, weil der Aufwand nicht so groß ist und sie anregen, sich mehr fortzubilden“, meint StB Elmar Ziegenhagen Geschäftsführer der Ziegenhagen Steuerberatungsgesellschaft im brandenburgischen Vierlinden. Gerade vor ein paar Tagen hatten sich alle Mitarbeiter, die für Bilanzen zuständig sind, im großen Schlosssaal versammelt, um über Beamer dem Datev-Online-Liveseminar „E-Bilanz“ zu folgen. Der Referent war in der Ecke sehr klein zu sehen, und in der Mitte lief eine große Powerpoint-Präsentation. Die Kommunikation lief über Voice over IP. „Wir haben auch schon an Delfinet-Online-Seminaren teilgenommen – das war jedoch etwas anders“, sagt StB Ziegenhagen.

Sie saßen zu zweit vor dem Computer und konnten die Referentin groß sehen. „Je nach Wahl konnten auch wir uns durch unsere zugeschaltete Webcam filmen lassen und waren somit für die Referentin ebenfalls zu sehen“, erzählt der Kanzleiinhaber.

Für „strenges“ Lernen würde Kanzleiberaterin StB Schneider immer Präsenzseminare vorziehen, da der Referent anhand nachdenklicher Gesichter sofort erkennen kann, ob der Inhalt verstanden wird. Auch StB Ziegenhagen möchte auf seinen persönlichen Referenten zum großen Jahresabschluss-Seminar nicht verzichten. „Der kommt schon seit zehn Jahren zu uns“, sagt der Geschäftsführer. Ebenso hält der langjährige Berufsträger mit Überzeugung am kollegialen Austausch bei regionalen und überregionalen Netzwerktreffen fest. StB Ziegenhagen: „Bei Online-Seminaren kann man sich nicht so schön mit anderen Kollegen unterhalten.“

Dynamische Entwicklung

Verlage und Seminaranbieter versuchen, ihre Online-Schulungen stets den aktuellen technischen Möglichkeiten und Bedürfnissen anzupassen. Vom Telefontraining bis hin zu künftigen App-Angeboten, Software-Paketen und Online-Kooperationen ist vieles dabei.

Das Fortbildungsinstitut Straßenberger aus dem baden-württembergischen Aalen bietet speziell für Steuerfachangestellte Online-Live-Seminare an – etwa zur „Modernen Korrespondenz in der Kanzlei“. Der Preis für eine bis zu 90 Minuten dauernde Schulung liegt zwischen 45 und 65 Euro. Das erste Seminar „Grundregeln des Telefonierens“ ist kostenfrei. „Es dient zum Kennenlernen der Technik und hilft anfängliche Berührungsängste abzubauen“, sagt die Geschäftsführerin Maria Anna Musold.

Für die Anmeldung erhalten die Teilnehmer vom Moderator eine Sitzungsnummer, die sie zusammen mit ihrem Namen auf der Homepage des Fortbildungsunternehmens eingeben, kurz darauf sind sie bei der Internetkonferenz per Netviewer dabei. Alle Teilnehmer können dann live gegenseitig die Bildschirmansicht teilen, um Texte, Kalkulationen, Grafiken und sonstige Dokumente gemeinsam zu bearbeiten. Die Gespräche untereinander laufen per Headset und Webcam.

Ähnlich funktionieren die „Dialogseminare online“ der Teletax GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Steuerberaterverbände und Datev, das Themen wie „GmbH-Beratung“, „Ärzteberatung“, „Arbeitsrecht“ oder „Kanzleimanagement“ anbietet. „Von Anfang 2012 an soll die Anmeldung bei Teletax auch direkt von der Homepage der Akademie für Steuerrecht und Wirtschaft des Steuerberaterverbands Westfalen-Lippe e. V. möglich sein“, sagt Dr. Elmar Mörtenkötter, Geschäftsführer der Akademie in Münster. Konkret funktioniert das wie folgt: Wer sich auf der Homepage des Steuerberaterverbands Westfalen-Lippe für ein Online-Seminar anmeldet, landet automatisch bei der Teletax GmbH. „Das Layout unserer Homepage bleibt dabei erhalten“, erklärt Mörtenkötter. Er möchte damit die Übersicht über die Anmeldungen aus seinem Gebiet behalten, um seine Mitglieder noch zielgerechter bewerben zu können.

Gleichzeitig werde, so Mörtenkötter, durch die zugeordnete Seminaranmeldung der Auftrag des Verbands unterstützt, seine Mitglieder flächendeckend fortzubilden und mittelbar durch Wissensvorsprung wirtschaftlich zu stärken.

Steuerrechtsdatenbanken mit Online-Seminaren ausgestattet

Haufe-Lexware (hier erscheint auch der „SteuerConsultant“) stattet seit rund vier Jahren die Steuerrechtsdatenbanken der Haufe Steuer Office Familie mit Online-Seminar-Paketen aus. Sie enthalten versionsabhängig zwischen zwölf (Haufe Steuer Office Premium) und 24 (Haufe Steuer Office Gold) Online-Seminare pro Jahr und berücksichtigen wichtige Themen der Steuerberatung: 2012 sind Themen geplant wie „Wie Sie sich sicher auf die Einführung der E-Bilanz vorbereiten“, „Erste Praxiserfahrungen mit der Umsetzung des BilMoG“, „Seminare zum Steuervereinfachungsgesetz“, „Kanzleimanagement“ oder „Jahresabschluss“. Alle Online-Seminare für Steuerberater sind auch einzeln unter www.haufe.de/online-training-plus buchbar. 2012 will Haufe auch eine entsprechende App für Multimedia-Handys anbieten, aber auch neue Trainings-Formate. „Bei allen Angeboten handelt es sich um termingebundene Livevorträge, die online übertragen werden“, erklärt Stefan Nowak, Haufe-Lexware-Bereichsleiter Produktmanagement, Consultants. Die Teilnehmer hören den Vortrag des Referenten und können diesen anhand der Präsentation mitverfolgen. Der Ton wird per Voice over IP zu den Teilnehmern übertragen.

Bei den Haufe Online-Seminaren können Teilnehmer jederzeit Fragen an den Referenten stellen. „Antworten und Erläuterungen während des Seminars sind jederzeit möglich“, erklärt Nowak. Um den Gedanken eines nachhaltigen Lernerfolgs zu gewährleisten, werden, neben den gestellten Fragen und Antworten aus dem Seminar, in der Mediathek weitere Fachinformationen für den Online-Seminarteilnehmer bereitgestellt: Dazu zählt etwa das Seminarvideo sowie weitere Unterlagen wie Praxisfälle und Lösungen zum Seminarinhalt und FAQ.

Zudem gibt es ein exklusives Teilnehmer-Forum mit der Möglichkeit, weitere Fragen an den Referenten, die Redaktion und andere Teilnehmer zu stellen. All diese Lern- und Community-Inhalte sind, laut Nowak, sofort nach dem jeweiligen Online-Seminar in der Mediathek verfügbar. Auch die Präsentationsfolien stehen dort bereits drei Tage vor Beginn des Online-Seminars bereit.

Petra Uhe, aus Steuerconsultant 2012, S. 42

 

 

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