Soft Skills und soziale Kompetenz in der Immobilienwirtschaft

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

Tags: , , ,

Ein Interview mit Professor Dr. Tobias Just. Der Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie spricht über die Immobilie als Assetklasse und die daraus resultierende Nachfrage nach Real-Estate-Spezialisten. Die Anforderungen an Hochschulabsolventen, Ausbildungsinstitute und Immobilienunternehmen steigen.

 

 

Herr Prof. Just, die Immobilienmärkte werden internationaler. Haben sich die Hochschulen dem Trend angepasst und werden die Angebote angenommen?
Just: Unser Leben und unser Wirtschaften sind internationaler geworden und das prägt auch die Immobilienwirtschaft. Wir berücksichtigen dies, indem wir in Regensburg beispielsweise Partnerschaften mit anderen Universitäten wie Reading oder Hongkong eingehen, wo Studierende einen zweiten Masterabschluss erzielen können. Gleichzeitig laden wir unsere Gastprofessoren beispielsweise aus Cambridge oder von der Harvard Universität nach Regensburg zu Vorlesungen ein. Auch in der Weiterbildung spiegeln die Programminhalte zunehmend internationale Aspekte wider: In unserem MBA-Programm sind Aufenthalte in den USA, China und Großbritannien elementarer Bestandteil der Ausbildung. In diesem Jahr haben wir erstmals mit der ESSEC Paris eine Seminarkooperation für Weiterbildungsstudenten gewagt. Das Echo war großartig: Mehrere französische Studenten werden uns nun im Herbst nach China begleiten. Natürlich sind nicht alle Erfahrungen aus Boston oder Shanghai morgen in Bottrop anwendbar. Doch eine Horizonterweiterung soll ja auch nicht zu einfachen Kopierprozessen führen, sondern das Denkvermögen stärken.

In der Branche wird häufiger beklagt, Berufsanfängern mangle es an Soft Skills wie sprachlicher und sozialer Kompetenz. In den USA zählt Rhetorik dagegen zum Standardunterricht. Haben deutsche Hochschulen hier noch Hausaufgaben zu erledigen?
Just
: Ich kann diesen Eindruck nur zum Teil bestätigen: Nach meinem Urteil hat sich das schriftliche Ausdrucks- und Strukturierungsvermögen verschlechtert, nicht aber das mündliche. Rhetorik-Clubs, in denen gezielt die Diskussion in spielerischer Weise trainiert wird, wären aber für Universitäten sicherlich eine Bereicherung. Was das schriftliche Ausdrucks- und Strukturierungsvermögen betrifft, zeigen sich zwei Entwicklungen: Zum einen wird heute in vielen sozialwissenschaftlichen Fächern mehr Wert auf quantitative Methoden gelegt als früher. Das ist sinnvoll, allerdings fehlt dann natürlich Zeit, um andere Dinge zu schulen.
Wichtiger dürfte jedoch sein, dass sich die gesamte Kommunikation in den vergangenen Jahrzehnten beschleunigt hat. Wahrscheinlich schreiben junge Menschen heute mehr Texte als irgendeine Vorgängergeneration. Allerdings schreiben sie eben eher 200 Whats-App-Nachrichten als einen zweiseitigen Brief. Bevor man hier jedoch allgemeines Wehklagen herausliest: Die Arbeitswelt hat sich verändert. Schnelle Analyse von Daten, rasche Kommunikation sind in vielen Jobs heute wichtiger als das Verfassen langer Abhandlungen. Dies können die jungen Menschen sehr gut.
Richtig ist jedoch: Das Denken prägt die Ausdrucksfähigkeit, und umgekehrt prägt die Sprache auch unser Denken. Wir müssen also sicherstellen, dass wir offenes Denken und mehr als nur mathematische Sprache vermitteln.

Handelt es sich beim „Lebenslangen Lernen“ um einen Modebegriff oder ist das berufsbegleitende Studium in Unternehmen und Hochschulen angekommen?
Just
: Die Halbwertszeit von Wissen hat sich in den letzten Jahrzehnten verkürzt, das heißt, das Gelernte verliert immer schneller seinen Wert. Lebenslanges Lernen ist daher für einen nachhaltigen Erfolg unabdingbar. Die meisten erfolgreichen Unternehmen und Arbeitnehmer haben dies verstanden. Die Wahl des richtigen Ausbildungsprogramms ist allerdings entscheidend. Die Immobilienwelt ist professioneller geworden. Nicht alle Programme passen zu jedem Bedarf. Neben einer fundierten Grundausbildung muss daher die passgenaue, permanente Qualifizierung treten.

Gerade ist ihr Buch „Demografie und Immobilienmärkte“ in der Zweitauflage erschienen. Was bedeutet der demografische Wandel für Hochschulen und Immobilienunternehmen?
Just
: Für uns ist das Thema als Forschungsfeld sehr fruchtbar, weil die Prozesse für die Immobilienwirtschaft sehr vielfältige Herausforderungen darstellen. Für Unternehmen in der Immobilienwirtschaft ist neben dem Verständnis dieser Herausforderungen vor allem die Personalfrage entscheidend.
Den Begriff „War for Talents“ halte ich zwar für obszön, die damit verbundene Botschaft jedoch für völlig richtig. Dieser Wettstreit um kreative Köpfe endet nicht an der Branchengrenze. Das heißt, die Immobilienbranche sollte alles tun, um für motivierte Menschen attraktiv zu bleiben. Das hat auch etwas mit Image zu tun. Dieses Image muss man sich aber über Jahre hart erarbeiten.

Die Immobilienmärkte werden internationaler. Gilt dies auch für die Immobilienwissenschaft?
Just: Die immobilienwirtschaftliche Forschung in Deutschland ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich professioneller geworden. Es gibt mehr internationale Kooperationen.
Leider muss man auch sagen, dass ein Teil dieser Internationalisierung auch daran liegt, dass es in anderen Ländern einfach bessere Datensätze gibt als hierzulande und dass die Chance in angelsächsischen Journals einen Fachartikel zu platzieren deutlich steigt, wenn man einen angelsächsischen Datensatz untersucht hat. Schließlich haben sich im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise zahlreiche Forscher der Immobilienwirtschaft zugewandt, die vor Jahren noch einen weiten Bogen um diese Branche gemacht haben.

Die gif unterstützt den wissenschaftlichen Forschungsnachwuchs mit Stipendien und einem Forschungspreis. Beobachten Sie auch hier eine Zunahme internationaler Themen?
Just
: Bei Doktoranden, die kumulative Dissertationen abliefern, also das Einreichen mehrerer Papiere, die in renommierten Zeitschriften wenigstens zur Prüfung angenommen werden, ist eine Internationalisierung am naheliegendensten.

Zur Person: Prof. Dr. Tobias Just ist wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie, Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg und seit einem Jahr Vizepräsident der gif Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung. Zuvor war er Chef-Researcher bei der Deutschen Bank.

(Das Interview führte Gabriele Bobka, Staufen)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte bestätigen Sie, dass Sie keine Maschine sind, indem Sie die Rechenaufgabe lösen. Nähere Informationen.