Steuerberaterprüfung: Lernen, schlafen, essen, lernen

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Die richtige Wahl in der Fuelle Bild

Viel Zeit, viel Geld und noch mehr Nerven investieren Kandidaten in die Vorbereitung für ihre Steuerberaterprüfung. Trotzdem scheitern jährlich rund die Hälfte an dem hohen Niveau des Examens. Ein Überblick über die Wege zum Erfolg und die Arten der Vorbereitung.

Von Irene Winter, aus SteuerConsultant 2/14 S. 42 ff. 

„Stellen Sie sich darauf ein, dass das Steuerberaterexamen Ihnen alles abverlangen wird. Die meisten von Ihnen werden nicht um die Erfahrung herumkommen, dass die Examensvorbereitung ein unvermeidbares Lebensgefühl mit sich bringt: Das Gefühl, verrückt zu werden. In der englischen Sprache nennt man diesen Zustand ‚going crazy‘. Während meiner Vorbereitung auf das Examen empfand ich meine Stimmungslage durch diese Vokabel aber nicht immer ausreichend gewürdigt. Durch das deutsche Steuerrecht wähnte ich mich immer noch ein Stückchen näher am Wahnsinn. Ich empfand es nicht als ‚going crazy‘, ich empfand es als ‚going tax!‘“, schreibt StB Stefan Steinhoff aus dem hessischen Bensheim in seinem Buch „Going tax: Tagebuch einer Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen“.

Tatsächlich gilt die Steuerberaterprüfung als eine der schwierigsten Prüfungen in Deutschland und der Vorbereitungsaufwand ist meist enorm. Laut der letzten Statistik der Bundessteuerberaterkammer (BStBK) haben rund drei Viertel aller Bewerber eine rechtswissenschaftliche oder wirtschaftswissenschaftliche Hoch- oder Fachhochschulausbildung. Ein Viertel der Anwärter sind Praktiker, von denen wiederum die meisten Steuerfachwirt oder aber geprüfter Bilanzbuchhalter IHK sind. Für 67 Prozent der Kandidaten ist es ihre Erstprüfung, 26 Prozent sind Wiederholer, die Drittprüfung machen 7 Prozent. Jeder zweite, der die Prüfung antritt, fällt durch.

Die Prüflinge stehen einer kaum zu bewältigenden Fülle an Lernstoff gegenüber: „Wenn man die Steuerberaterprüfung angeht, ist das wie einen 8.000er zu besteigen“, sagt Bettina Droste, Akademieleiterin bei Steuer-Lehrgänge Dr. Stitz in Köln.

Das Examen und die Vorbereitung darauf ist für rund anderthalb Jahre das Wichtigste im Leben des Prüflings. „Alles andere muss sich unterordnen, sonst schafft man das erfahrungsgemäß beim ersten Anlauf nicht. Das ist dann nicht nur frustrierend, sondern auch sehr kostenintensiv“, erklärt Droste. Ihr Tipp: „Gründen Sie in der Zeit keine Familie, kriegen Sie keine Kinder und bauen Sie keine Häuser.“

Je geringer die private Belastung ist, desto höher stehen die Chancen zum Erfolg. Auch sollte das Arbeitspensum in der Kanzlei unbedingt reduziert werden, wenn man die Prüfung in Angriff nehmen möchte: „Man kann nicht 60 bis 70 Stunden in der Woche arbeiten und sich nebenbei auf das Steuerberaterexamen vorbereiten“, weiß Andreas Wellmann, Geschäftsführer bei Steuerlehrgänge Dr. Bannas aus dem nordrhein-westfälischen Rösrath: „Viele Lehrgangsteilnehmer fühlen sich vollkommen überlastet.“ Hinzu kommt meist noch die psychische Belastung durch den enormen Druck, die Prüfung zu bestehen – etwa dann, wenn der Arbeitgeber den Steuerberatertitel kurzfristig erwartet. „Eine besondere Drucksituation kann entstehen, wenn es um die Nachfolgeplanung in einer familiengeführten Kanzlei geht“, weiß Dr. Axel Endriss, Geschäftsführer der gleichnamigen Kölner Steuer-Fachschule.

Ohne die Hilfe eines Repetitors in Anspruch zu nehmen, wagt es heute kaum einer, vor die Prüfungskommission zu treten. Examens-Vorberereitungskurse gibt es inzwischen bundesweit in allen Facetten: Abend-, Samstags-, Wochenend- oder Fernkurse, Online-Lehrgänge oder Audiokurse – für fast jede berufliche Konstellation und für jeden Lerntyp gibt es das passende Prüfungsvorbereitungsprogramm.

Neben dem Steuerrechtsinstitut Knoll, der Steuer-Fachschule Dr. Endriss, dem Lehrgangswerk Haas, den Steuerlehrgängen Dr. Bannas und Steuer-Lehrgängen Dr. Stitz, der Beck Akademie AWS und der Econect Verwaltungs GmbH offerieren auch viele Steuerberaterkammern und -verbände Vorbereitungslehrgänge für die Steuerberaterprüfung. Reine Fernkursanbieter wie etwa das ILS-Institut für Lernsysteme kommen ebenfalls für die Prüfungsvorbereitung in Frage, da ihre Qualität durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht in Köln überwacht wird.

Sogar neben dem Studium können sich Kandidaten inzwischen auf die Steuerberaterprüfung vorbereiten: Wer an der FH Mainz, an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München oder an der Hochschule Aalen den Master of Taxation macht, wird gleichzeitig für das Steuerberaterexamen fit gemacht.

Rat bei Kollegen suchen, Demo-Skripte anfordern

Steht man vor der Qual der Wahl, so sucht man sich am besten Rat bei Kollegen und fordert kostenlose Demo-Skripte der Anbieter an. Die meisten Akademien erlauben Interessenten außerdem, laufende Seminare zur Probe zu besuchen und stellen auf Nachfrage den Kontakt zu Dozenten und ehemaligen Teilnehmern her.

Egal aber, auf welchen Anbieter die Wahl fällt: „Der Einsatz des Kandidaten ist für den Prüfungserfolg ausschlaggebend. Wir geben nur den Rahmen vor, sorgen dafür, dass qualifizierte Dozenten da sind und dass die Skripte gut aufbereitet sind, aber die Hauptarbeit machen die Kandidaten allein zu Hause“, weiß Andreas Wellmann. Die von den Anbietern veröffentlichten „Bestehensquoten“ haben eigentlich nur einen geringen Aussagewert über den tatsächlichen Erfolg der einzelnen Lehrgänge, da viele Teilnehmer diverse Kurse von verschiedenen Akademien miteinander kombinieren, was bei der Auswertung der Prüfungsergebnisse jedoch keine Berücksichtigung findet.

Bei der Zusammenstellung der Vorbereitungskurse hat sich eine Mischung aus einem fachlichen Vorbereitungskurs für die schriftliche Prüfung, einem Klausurenkurs bzw. -training und einem Vorbereitungskurs für die mündliche Prüfung bewährt. Einige buchen zusätzlich noch eine Prüfungssimulation für die mündliche Prüfung. Die Kosten für dieses Gesamtpaket liegen je nach Anbieter und gewählter Kursform zwischen 5.000 bis 9.000 Euro, hinzukommen die Prüfungsgebühr in Höhe von rund 1.000 Euro und 200 Euro für die Bearbeitung des Antrags. Wer durchfällt, zahlt alles noch einmal.

Ausnahmen bilden die Steuerlehrgänge Dr. Bannas und die Beck Akademie AWS, die eine Erfolgsgarantie unter bestimmten Bedingungen gewähren. Fällt ein Prüfling trotz Buchung eines Vollzeitlehrgangs und des Klausuren-Intensivlehrgangs bei AWS durch, so kann dieser im nächsten Jahr kostenfrei am Vollzeitlehrgang teilnehmen. Bei den Steuer-Lehrgängen Dr. Stitz kann man hingegen den Vorbereitungskurs für die mündliche Prüfung kostenlos wiederholen, wenn man durchfällt. Wer sich für Fernunterricht entscheidet, zahlt in der Regel deutlich weniger als Präsenzstudierende, jedoch kommen erfahrungsgemäß die wenigsten mit dieser Lernform klar: „Nur etwa zehn Prozent bringen die nötige Disziplin und Selbstständigkeit dafür auf“, weiß Bettina Droste und ergänzt: „Wenn sie schon vorher Erfahrungen mit Fernstudium gemacht haben und damit zufrieden waren, bestehen jedoch gute Chancen zum Erfolg.“

Ähnliches berichten Andreas Wellmann und Dr. Axel Endriss. Für die meisten Kandidaten sei Frontalunterricht in Präsenzform am besten geeignet. Auch im digitalen Zeitalter bestehen angehende Steuerberater noch immer auf Dozenten, die zum Greifen nahe sind, und auf Skripte in Papierform. Allerdings bietet die Steuer-Fachschule Dr. Endriss seit 2012 einen Online-Klausuren-Lehrgang an, der stark nachgefragt wird und als Ergänzung zum Präsenzkurs gute Dienste leiste. Das Lehrgangswerk Haas hat besonders viele Online-Kurse im Portfolio.

Da sich die meisten Nachwuchssteuerexperten neben ihrem Beruf auf das Examen vorbereiten wollen, buchen sie häufig berufsbegleitende Wochenendlehrgänge. „Hier wird das Wissen über rund anderthalb Jahre verteilt in Häppchen serviert, und es hat Zeit, sich zu setzen“, sagt Bettina Droste: „Trotzdem ersetzt der Wochenendkurs kein Selbststudium. 10 bis 20 Stunden pro Woche sollte man dafür je nach Lerntyp und Vorbildung siv-Kurse, die in Vollzeit den Prüfungskandidaten das nötige Fachwissen vermitteln. Allerdings ist hier eine komplette Freistellung vom Arbeitgeber notwendig: „Wer glaubt, nach acht Stunden im Lehrgang noch abends in der Kanzlei Mandate bearbeiten zu können, irrt sich“, warnt Andreas Wellmann: „Wenn dann noch Klausuren geübt werden, tun Sie nichts anderes als lernen, schlafen, essen und wieder lernen.“

Drei Monate komprimiertes Lernen reichen für viele nicht aus, um den gesamten Stoff zu verinnerlichen. Deswegen sei es ideal, wenn man sich schon vorher im Selbststudium, etwa mit Hilfe von Skripten aus dem Fernlehrgang, auf den Crash-Kurs vorbereitet. Einige Anbieter, wie etwa die Beck Akademie AWS, verschicken gegen eine Anzahlung die Kursskripte schon einige Monate im Voraus.

Spezielle Klausurenkurse oder -trainings absolvieren

Um für die umfangreichen Klausuren in der schriftlichen Prüfung gewappnet zu sein, sollten Kandidaten im Anschluss an den Wochenendkurs bzw. an den Vollzeitkurs unbedingt spezielle Klausurenkurse oder -trainings mit entsprechendem Schwerpunkt absolvieren. Klausuren aus den Vorjahren gibt es auf den Webseiten der Steuerberaterkammern oder bei den Anbietern der Vorbereitungslehrgänge. „Wenn man alle angebotenen Klausuren schreibt und etwas Glück hat, kommen die behandelten Themen im Examen vor. Das war bei uns in den letzten zwei Jahren so“, erzählt Geschäftsführer Wellmann von Steuerlehrgänge Dr. Bannas und ergänzt: „Wenn aber ein ganz neuer Fall dran kommt, den Sie so noch nie gesehen haben, ist es sehr schwierig, in der Kürze der Zeit eine Lösung zu erarbeiten. Die drei mal sechs Stunden Klausurzeit sind einfach viel zu knapp bemessen. Sie müssen also schnell genug werden und Sie müssen im Idealfall die Fälle so oder ähnlich schon gehabt haben, damit Sie nicht zu viel nachdenken müssen. Wenn Sie 60 Klausuren statt 30 schreiben, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Ihnen die Fälle schon bekannt sind.“ Zu betonen sei, dass der Haupteffekt im Klausurenschreiben liege, nicht im Nacharbeiten der Klausuren: „Es geht nicht darum, die Lösungen nachzulesen, Sie müssen möglichst viel unter realen Bedingungen schreiben, nicht nur zu Hause, wo man es mit der Zeit meist nicht so genau nimmt.“

Am besten wird die Examensvorbereitung mit der Unterstützung des Arbeitgebers möglich. Besonders in großen Kanzleien gibt es oft eigens eingerichtete Budgets, die zur Finanzierung der Examenskosten oder für eine Freistellung zur Prüfungsvorbereitung eingesetzt werden. Einige Kanzleien und Gesellschaften, allen voran die Big Four, unterhalten hausinterne Trainingsprogramme, die neben dem Erwerb des Fachwissens auch Elemente des Coachings und Mentorings beinhalten. Schließlich müssen oft auch Lerntechniken sowie das Zeitmanagement trainiert und das Selbstvertrauen gestärkt werden, um gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Prüfungsvorbereitung zu schaffen. Kleinere Kanzleien fördern häufig ihre Mitarbeiter, indem sie ihnen eine mehrmonatige Freistellung ermöglichen oder sich an den Kosten für Examensvorbereitungskurse an privaten Akademien und Instituten beteiligen. Kann die Kanzlei die Kosten nicht anteilig übernehmen, kann vielen Angestellten auch ein Darlehen vom Chef nützlich sein.

„Die Vorbereitung ist eine höchst individuelle Angelegenheit, sodass keine allgemeingültigen Empfehlungen gegeben werden können. Insbesondere in der intensiven, finalen Vorbereitung kann das Verlassen des Wohnortes jedoch vorteilhaft sein, um ein fokussiertes Studium zu gewährleisten“, erklärt Dr. Axel Endriss. Andreas Wellmann von den Steuerlehrgängen Dr. Bannas rät zudem: „Je mehr Sie vor dem gebuchten Kurs schon im Selbststudium gelernt haben, desto mehr nehmen Sie später aus dem Präsenzunterricht mit.“ Bettina Droste von den Steuer-Lehrgängen Dr. Stitz besteht auf einer individuellen Strukturierung des Lernprogramms: „Sie müssen zeitliche und räumliche Freiräume fürs Lernen frei schaufeln und den Partner unbedingt hinter sich haben. Wenn der Partner den Vorbereitungsaufwand nicht mittragen will, sind die Aussichten sowohl für die Partnerschaft als auch für die Steuerberaterprüfung schlecht. Wenn man mit dem Lernen darauf wartet, dass man irgendwann dafür Zeit hat, dann kann man lange warten, denn Sie werden nie Zeit haben. Planen Sie feste Tage ein und halten Sie sich daran.“

Wichtige Fragen im Vorfeld

Wer sich auf das Steuerberaterexamen vorbereiten will, sollte im Vorfeld einige Fragen für sich klären.

1. Kann ich zwei bis drei Abende pro Woche in Ruhe zu Hause lernen?

2. Gibt es in der Nähe eine Bibliothek in der ich regelmäßig lernen kann?

3. Kann ich meine Familie und Freunde bzw. Hobbys über mehrere Monate vernachlässigen?

4. Könnte ich meine Familie für die intensive Lernphase kurz vor dem Examen verlassen?

5. Kann ich mein Arbeitspensum in der Kanzlei langfristig für die Prüfungsvorbereitung reduzieren?

6. Wird der Arbeitgeber mich für die Prüfungsvorbereitung (Crash-Kurs) bezahlt oder unbezahlt freistellen?

7. Was bin ich für ein Lerntyp? (Lerne ich am besten durch Hören, durch Lesen und Unterstreichen bzw. Abschreiben der Inhalte? Muss ich mich viel bewegen und kann ich schwer still sitzen?)

8. Bin ich eher ein kurzfristiger (Crash-Kurs in Vollzeit) oder ein langfristiger Lerner (berufsbegleitender Kurs)?

9. Habe ich schon Erfahrungen mit Fernkursen und bin ich bisher damit gut gefahren?

10. Brauche ich unbedingt den Austausch mit anderen Kursteilnehmern?

11. Kann ich mich einer (Internet-)Lerngruppe anschließen?

12. Kann ich mich gut selbst organisieren und disziplinieren?

13. Brauche ich den Zeitdruck, um besser lernen zu können? Oder brauche ich viel Zeit und arbeite gern in Häppchen?

15 Tipps für den Erfolg

1. Unterstützung des Arbeitgebers einholen

2. Früh genug die gewünschten Vorbereitungskurse buchen

3. Evtl. schon vor dem Kurs Skripte fürs Selbststudium besorgen (zum Beispiel gegen Anzahlung)

4. Wochenplan und Monatsplan mit genauen Lernzielen (Themenfeldern) und Terminen erstellen

5. Einen Ablaufplan mit festen Lerntagen und festen Lernzeiten erarbeiten

6. Zeitpuffer für Unvorhergesehenes in den Zeitplan einbauen

7. Mindestens einen festen Tag pro Woche für Familie und Freunde reservieren

8. Den Zeit- und Ablaufplan konsequent einhalten

9. Sportlichen Ausgleich zum Lernen schaffen (Fitnesstraining, Spaziergänge an der frischen Luft etc.)

10. Auf gesunde Ernährung achten

11. Genügend schlafen

12. Von Anfang an regelmäßig nacharbeiten (besonders bei berufsbegleitenden Vorbereitungskursen)

13. In der Bibliothek ist die Ablenkung meist geringer als im Büro oder zu Hause

14. Klausuren unter realen Prüfungsbedingungen üben

15. Sich nicht von den anderen Prüflingen verunsichern lassen, die bald bestandene Prüfung in positiven Bildern vor dem geistige Auge visualisieren etc.

 

 

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