Steuerrechtsdatenbanken: Das Fachwissen wird mobil

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Der Zugriff auf Daten jederzeit und an jedem Ort lässt sich mittlerweile kaum noch aus unserem Alltag wegdenken. Auch führende Datenbankanbieter für Steuerrecht erkennen dies und setzen vermehrt auf den Zugriff von unterwegs. Die Inhalte werden stärker ausgebaut und die Suchfunktionen verbessert. Dr. Eicke schrieb im Steuerconsultant zu diesem Thema einen Marktüberblick. 

Gerade im Steuerrecht ist es oft gar nicht entscheidend, dass man etwas weiß. Man muss nur wissen, wo es steht. Steuerkanzleien erhalten durch Recherchekompetenz zusammen mit einer leistungsfähigen Datenbank die Chance, gleichzeitig Produktivität und Qualität der Arbeit spürbar zu steigern. Nach Dr. Eicke sind Steuerrechtsdatenbanken aufgrund der Ballung von Fachwissen bei gleichzeitig ständiger Aktualität in vielen Fällen ein unverzichtbares Arbeitsmittel für Kanzleien. Er hält es für besonders eindrucksvoll, wenn die Datenbanken ganz elegant ihre größte Stärke ausspielen können: die Mobilität. Demnach muss kein Steuerberater mehr dicke Gestezestexte und Kommentare mit sich herumtragen, seit­dem er das ganze Wissen auf dem Notebook, dem Tablet-PC oder gar auf dem Smartphone in seiner Westentasche abrufen kann. Damit verändert sich die Arbeitswelt: Der Steuerbe­rater kann im Prinzip ohne Weiteres arbeiten, wo und wann es ihm beliebt. Er benötigt seinen Kopf und die Datenbank bei sich, um die allermeisten Fälle kompetent und korrekt lösen zu können. Im folgenden Datenbankvergleich geht es wie in den vergangenen Jahren vor allem um die Darstellung der Alleinstellungsmerkmale der einzelnen Produkte. Die Gruppe der vor­gestellten Datenbanken ist seit Längerem unverändert geblieben. Die Reihenfolge der Vorstellung stellt keine Wertung dar.

Steuer-Direkt von Beck

Das Abonnement der Zeitschrift DStR ent­hält laut Dr. Eicke bereits drei Lizenzen für die Online-Nutzung des Moduls Beck-Steuer-Direkt. Dieses Modul lässt sich durch die bewährten Kommentarsammlungen Steuerrecht-Grundmodul, „Steuerrecht plus“, „Steuerrecht premium“ sowie „Steuerrechtpremium international“ ergänzen. Das kostengünstige Basispaket Steuerrecht-Grundmodul beinhaltet bereits namhafte Kommentare. Zusätzlich zum Umfang von „Steuerrecht plus“ bietet das umfang­reiche Fachmodul „Steuerrecht premium“ aber noch 14 weitere Kom­mentare und Handbücher. Durch die interaktiven Lernprogramme, genannt Web-Based-Trainings (WBT), kann man sich orts- und zeitunabhängig weiterbilden. Dabei bestehen die einzelnen Lerneinheiten jeweils aus einem WBT mit Lernkontrolle und einem zusätzlichen Begleitskript. Zurzeit werden alle Lernprogramme umfassend aktualisiert oder erweitert und völlig neu zusammengestellt. Entsprechende Module werden vom Verlag C. H. Beck auch im Bilanzrecht angeboten.

Das „Haufe Steuer Office“

Die Datenbankfamilie der Haufe-Gruppe besteht laut Dr. Eicke aus den Versionen „Haufe Steuer Office“ (HSO), der HSO-Kanzleiedition sowie „HSO Gold“. Der Haufe-Verlag wartet insbesondere mit einer neuen Kooperation mit dem Verlag Dr. Otto Schmidt auf. Dabei werden in einem ersten Schritt die Kommentare des Verlags Dr. Otto Schmidt als Ergänzung zu den bereits bestehenden Haufe-Kommen­taren in die HSO-Datenbanken integriert. Zusätzlich gehört das digitale Fachmagazin „Steuer 1“ für Web und iPad, welches von der Deutschen Fachpresse zum Fachmedium des Jahres 2012 gekürt wurde, seit Novem­ber 2011 zu allen drei HSO-Varianten dazu. Der monatliche Informationsdienst „Honorarbrief für Steuerberater“ ist seit Februar 2012 in HSO-Gold enhalten. Eine Einspruchsmusterdatenbank wurde in alle drei HSO-Varianten integriert. Ganz neu sind E-Trainings als Element von HSO-Gold. Die HSO-Basisversion ist darüber hinaus im Oktober mit dem EStG-Kommentar und sechs Onlineseminaren aufgerüs­tet worden und beinhaltet nun drei Benutzerlizenzen.

Stotax-First

Der Stollfuss-Verlag gehört laut Dr. Eicke ebenfalls zu den Innovationstreibern im Bereich Steuerdaten­banken. Das Flaggschiff Stotax-First glänzt mit folgenden Neuerungen: Es wurden Werke wie „Der Umwandlungssteuer-Erlass 2011 von Flick Gocke Schaumburg / BDI“ eingepflegt ebenso wie die Neuauflagen der Standardwerke zu den verschiedenen Steuerer­klärungen, der Steuerratgeber 2012 und das Steuerberaterhandbuch. Einen großen Mehrwert bieten auch die anderen neun Stollfuss-Kommentare. Darüber hinaus verwen­det Stotax sehr viele Juris-Dokumente. Sehr lobenswert ist nach Dr. Eicke, dass dabei ein lang gehegter Anwenderwunsch erfüllt wurde: Für alle Ausgaben der Zeitschriften B+P, DStZ, UVR, Stbg, HFR und EFG seit dem Jahr 2010 kann nun auch die PDF-Druckversion angezeigt werden. Stotax hat außerdem nochmals die kontextsensitiven Suchfunktionen „Live Search“ und „Best Search“ verbessert. Anhängige Verfahren sind dank neuer Suchmatrix sowie E-Mail-Push-Service nun noch leichter zu identifizieren.

Die NWB-Datenbank

Auch im Jahr 2012 bilden die Inhalte der haus­eigenen 13 Fachzeitschriften und der übrigen Fachliteratur des Hauses mit einem Gesamtbestand von rund 300 Büchern, 46 Online-Seminaren und Mandateninfos die Basis der Daten­bank des NWB-Verlags. Modular aufgebaut, lässt sie sich gezielt auf eigene Bedürfnisse zuschneiden. Trotzdem erlaubt es das System, auch auf Inhalte zuzugreifen, die nicht abonniert sind. Zwei derartige Dokumente erhält der Abonnent pro Monat sogar kostenfrei. Beim Suchvorgang, der erstmals das Google-Prinzip Relevanz unter anderem mit dem Sortierkriterum Aktualität verknüpft, wird neben der Datenbank zeitgleich auch die Nachrichtenseite des NWB-Verlags durchsucht. Die bereits vor Längerem mit dem Sonderpreis der Deutschen Fachpresse ausgezeichnete App „NWB Mobile“ bietet vollwertigen Recherchezugriff. Mindestens eine Zeitschrift in gedruckter Version ist im Preis für die Datenbank inbegriffen. Einen geringen Aufpreis verlangt der Verlag allein für seine iPad-Apps, die für die wichtigsten Zeitschriften bereitstehen.

Datev-Lexinform

Auch das Nürnberger Software-Haus Datev setzt bei seinem Produkt Lexinform auf das Thema Mobilität. So gibt es die Datev-App (für iPhone und iPad), mit der auf alle Inhalte der Datenbank Lexinform zugegriffen wer­den kann. Der Ausbau von Arbeitshilfen wird stetig vorangetrieben. Ein Schnellzugriff (ABC) hilft wirksam, gezielt und zeitsparend auf das umfangreiche Angebot der Arbeitshilfen zuzugreifen – beispielsweise auf Mustereinsprüche zu anhängigen Verfahren, die laufend ergänzt werden, oder auf Schnellbe­rechnungen zu verschiedensten steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen zu Themen wie Selbsteinschätzung für das Rating, Ertragswertverfahren, Berechnungen zum BilMoG oder zur Immobilienplanung, Abweichungsanalyse Handels- und Steuerbilanz, Berechnung von Annuitätendarlehen, Kurzarbeitergeldrechner und vielem mehr.

Legios-Juris

Legios wurde als eigene Marke aufgegeben. Die Inhalte sind nunmehr unter den Adressen www.juris.de und www.otto-schmidt.de abrufbar. Bislang stehen dort 21 Kommen­tare aus dem Verlag Dr. Otto Schmidt sowie zwei Juris-Kommentare zur Verfügung: Hinzu kommen außerdem 15 Handbücher und eben­so viele Fachzeitschriften aus dem Verlag Dr. Otto Schmidt – unter anderem „Die Akti­engesellschaft“, „Der GmbH-Steuerberater“, „Monatsschrift für Deutsches Recht“, „Der Ertrags-Steuerberater“ sowie die „FinanzRundschau“ und die „Umsatzsteuer-Rundschau“ – sowie zehn Juris-Praxisreporte.

Die SIS-Datenbank Steuerrecht

Diese Datenbank ist laut Dr. Eicke unschlagbar im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Jährlich kostet das DVD-Update lediglich 246 Euro netto für zwölf Lizenzen. Der Nutzer erhält dafür eine umfassende Gesetzes- und Recht­sprechungssammlung, eine Literaturdaten­bank mit mehr als 24.000 Einträgen, ein Steu­erlexikon, mehrere Berechnungsprogramme, die monatliche Zeitschrift „SteuerberaterBrief“ (auf Wunsch auch elektronisch) sowie einen wöchentlichen E-Mail-Newsletter. Hinzu kommen 730 Musterverträge und -schriftsätze sowie 1.100 am Bildschirm ausfüllbare Steuerformulare. Nutzer können auf Verwaltungsanweisungen ab 1980 mit Leitsätzen, Volltexten und Hinweisen auf korrespondierende Dokumente zugreifen, ebenso stehen Fachwerke in Form elektro­nischer Handbücher zur Verfügung (ESt, LSt, KSt, GewSt, USt). Neu ist das AO-Handbuch. In der Rubrik „Beratungs-Know-how“ findet sich eine Vielzahl beratungsorientierter Bei­träge zu aktuellen Themen, die dem Leser Handlungsbedarf und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. In einer persönlichen Datenbank können eigene Texte integriert und verwaltet werden. Eine Online-Version ist für 2013 in Vorbereitung.

Fazit

Auch bei den Steuerdatenbanken spielen die sogenannten Apps für den mobilen Zugriff eine immer größere Rolle. So könnte man nach Dr. Eicke die neuesten Entwicklungen jenseits der zusätzlichen Inhalte und der weiter verbesserten kontextsensitiven Suchfunktionen beschreiben. Das Steuerrecht ist somit immer weniger eine reine Büroangelegenheit. Es kann stattdessen zunehmend überall und jederzeit rezipiert und zur Problemlösung genutzt werden – wohl der Inbegriff von Freiheit für einen freien Beruf. Neben der Mobilität und Flexibilität haben alle Datenbanken auch mit Blick auf die Benutzerfreundlichkeit deutlich hinzu­ gewonnen – was zusätzlich der Produktivität zugutekommt. Hier wäre es noch hilfreich, wenn wie bei ­Stotax auch bei anderen Produkten in Zukunft ein Zugriff auch auf die PDF-Druckversion der Originalzeitschriften möglich würde. Es wäre aus Anwendersicht ein Segen, wenn diese bereits vorhandene Ressource auch elektronisch verlinkt und suchfunktionstauglich eingepflegt würde. Eine andere nützliche Funktion harrt eben­falls noch der Um­setzung: Wenn schon nur Fließtext vorhanden ist, dann sollten beim Aus­druck wenigstens die Fußnoten automatisch auf den entsprechenden Seiten landen und nicht als Anhang am Ende des Textes. Vor vielen Jahren, als es „Westlaw.de“ noch gab, war dies technisch schon möglich – vielleicht wird es damit 2013 wieder etwas.

Autor: Dr. Rolf Eicke, SteuerConsultant 12/2012, S. 46 ff.

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