Studium nach dualer Ausbildung: Einheitliche Ausbildung?

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Mit dieser – für den Kindergeldanspruch entscheidenden ‑ Frage musste sich das FG Rheinland-Pfalz in einem aktuellen Verfahren auseinandersetzen.

Im Streitfall absolvierte die Tochter des Klägers nach dem Abitur eine Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen, die sie Anfang 2014 erfolgreich abschloss. Im September 2014 begann sie ein berufsbegleitendes Studium zum „Betriebswirt (VWA)“. Ihre Arbeitszeit verringerte sie auf 30 Stunden pro Woche. Streitig war nun, ob den Eltern ab September 2014 weiterhin Kindergeld zustand. Die Familienkasse war der Meinung, das Kind habe mit der Prüfung zur Kauffrau im Gesundheitswesen eine (Erst-)Ausbildung abgeschlossen. Das nachfolgend begonnene Studium sei als Zweitstudium anzusehen. In der Folge entfalle aufgrund der Erwerbstätigkeit mit mehr als 20 Wochenstunden der Kindergeldanspruch.

Dies sah auch das Finanzgericht so. Es wies die Klage des Vaters ab und entschied, dass die Ausbildung des Kindes zur Kauffrau im Gesundheitswesen als erstmalige Berufsausbildung i. S. d. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG anzusehen ist (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 25.6.2015, 6 K 1216/15).

Das gilt aber nicht in jedem Fall: Mehraktige Ausbildungsmaßnahmen können durchaus Teil einer einheitlichen Erstausbildung sein; Voraussetzung ist allerdings, dass sie zeitlich und inhaltlich so aufeinander abgestimmt sind, dass die Ausbildung nach dem ersten Abschluss fortgesetzt werden soll und das angestrebte Berufsziel erst über den weiterführenden Abschluss erreicht werden kann. Zudem müssen die einzelnen Ausbildungsabschnitte integrative Teile einer einheitlichen Ausbildung sein. Die „Klammer“ zwischen den beiden Ausbildungsabschnitten muss dabei durch den Ausbildungsanbieter gebildet werden. Diese Voraussetzungen waren im Streitfall jedoch nicht erfüllt. Unerheblich war, dass das Kind selbst von vornherein eine praktische Ausbildung mit anschließendem Aufbaustudium geplant hatte, um sein eigentliches Berufsziel zu erreichen.

Der Kläger hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Jetzt muss der BFH entscheiden (Az.: III R 14/15). Dabei könnte es gut sein, dass das höchste deutsche Finanzgericht zu einem anderen Ergebnis kommt, denn auch im Fall einer selbst geplanten Ausbildung besteht dem Grunde nach die Pflicht der Eltern zum Unterhalt des Kindes und zur Finanzierung der Ausbildung (§ 1610 Abs. 2 BGB) bis zum Erreichen des Berufsziels fort.

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