Trends im Rechnungswesen – Wohin geht die Reise für (Bilanz-)Buchhalter und Controller?

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Leiter, die in den Himmel ragt

Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e. V. (kurz: BVBC) hat gemeinsam mit der Hays AG aktuell die empirische Studie „Personalbedarfsplanung und -beschaffung in Unternehmen“ herausgebracht. Daran beteiligten sich 169 Fachbereichsleiter aus den Feldern IT, Forschung und Entwicklung, Finance sowie Produktion. Zudem nahmen 79 Personal- und 55 Einkaufsleiter an der Online-Befragung teil, um die Sichtweisen aller an der Planung des Personalbedarfs beteiligten Bereiche zu spiegeln und zu vergleichen. Im Fokus stand insbesondere die Frage, mit welchen Veränderungen die Bilanzbuchhalter und Controller tendenziell im personellen Bereich zu rechnen haben.

Von Cecilia Hardenberg, Diplom-Wirtschaftsjuristin, M.I.Tax und Fachjournalistin, Meersburg

Rund 70 % der befragten Unternehmen sind mit der aktuellen Deckung ihres Personalbedarfs nicht zufrieden. Zum einen benötigen sie zunehmend Mitarbeiter mit Spezialwissen. Zum anderen sinkt die Zahl der geeigneten Bewerber. Wie sich diese Entwicklung auf das Rechnungswesen auswirkt, wurde unter anderem in der vorliegenden Studie untersucht.

Aus der Studie wird deutlich, dass immer mehr Mitarbeiter mit Spezialwissen gefragt sind, die auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden sind. Dies gilt auch für den Bereich des Rechnungswesens.

Interessant ist, dass die Mehrheit der Befragten (58 Prozent) auf den zunehmenden Fachkräftemangel dahingehend reagiert, ihre bestehenden Mitarbeiter durch entsprechende Strategien und Maßnahmen weiter an sich zu binden. Weit weniger (42 Prozent) setzen daneben bzw. alternativ auf den Einsatz externer Spezialisten.

Biltroller auf dem Vormarsch

Es gibt in vielen Bereichen deutliche Anzeichen für eine weitgehende Harmonisierung des Rechnungswesens und ein Zusammenrücken der Berufe des (Bilanz-)Buchhalters und des Controllers. Dies wird insbesondere durch die neue Berufsbezeichnung „Biltroller“ deutlich, die mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.

Unternehmen, insbesondere Mittelständler, haben einen zunehmenden Bedarf an „Biltrollern“, also Controllern mit fundiertem Bilanzwissen, oder Bilanzbuchhaltern mit einem tiefen Verständnis für Planzahlen, Reportings und Kostenrechnung.

Für die Unternehmen liegen die Vorteile auf der Hand: Sie müssen nur eine Fachkraft bezahlen, die in alle betriebswirtschaftlichen Dinge involviert ist und fachlich so versiert ist, dass sie die Belange des Unternehmens auch gegenüber Dritten, wie etwa Banken, vertreten kann.

Aus Sicht der Großunternehmen und Konzerne hat ein Controller mit nur geringem Bilanzierungs-Know-how heute einen deutlichen Wettbewerbsnachteil gegenüber Kandidaten, die bereits im Rechnungswesen an Abschlüssen mitgearbeitet haben und Bilanzen auch interpretieren können. Heute sind Unternehmen mehr denn je darauf angewiesen, dass das Controlling und das Finanz- und Rechnungswesen Hand in Hand arbeiten.

Fazit: Mit Zusatzwissen auf dem Arbeitsmarkt punkten

Hervorragend positioniert am Arbeitsmarkt sind

  • (Bilanz-)Buchhalter, die eine Zusatzqualifikation zum Controller      vorweisen können und
  • Controller, die einen Abschluss als Geprüfter Bilanzbuchhalter haben,      das heißt, die entsprechende Qualifikationen in beiden Bereichen      mitbringen.

 

Biltroller haben sich etabliert

Sowohl die Berufsgruppe der Bilanzbuchhalter als auch jene der Controller werden neuerdings auch „Biltroller“ (eine Mischung aus den Wörtern Bilanzbuchhalter und Controller) genannt, sofern sie entsprechende Zusatzqualifikationen vorweisen können. Laut der von der BVBC-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie „Existiert das Berufsbild des Biltrollers?“ sind gemäß den Ergebnissen dieser Studie Biltroller in mittelständischen Unternehmen inzwischen Realität.

Trend zu Mehrfachqualifikationen

Der Trend zur Mehrfachqualifikation zeigt sich in der besagten Studie deutlich. Über 80 % der Befragten haben zusätzliche Qualifikationen erworben. Dies ist auf die erhöhten Anforderungen seitens der Unternehmen zurückzuführen, wird von ihnen aber auch entsprechend honoriert.

Mehr Gehalt als „Bilanzbuchhalter International“

Stark zugenommen hat die Qualifizierung zum „Bilanzbuchhalter International“. Sie wird von den Unternehmen entsprechend honoriert, denn das Einkommen dieser Mitarbeiter liegt durchschnittlich rund EUR 15.000 über dem Einkommen der Geprüften Bilanzbuchhalter ohne diese Zusatzqualifikation.

BVBC fordert Anpassung der Prüfungsordnung

Der BVBC hat in seinem Eckpunktepapier zu der Prüfungsverordnung für die geprüften Bilanzbuchhalter (IHK), die zurzeit überarbeitet wird, u.a. eine Abtrennung des Handlungsbereiches „Erstellen von Abschlüssen nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften“ aus den Pflichtprüfungsfächern gefordert. Ziel ist es, eine IHK geprüfte Zusatzqualifikation „Bilanzbuchhaltung International“ bzw. „Bilanzbuchhalter International“ einzuführen, um den Trend auch mit einer modularen Weiterbildung zu untermauern.

Unternehmen fordern oft Studium in Stellenanzeigen

Bei vielen Unternehmen ist schon in den Anforderungen für eine Bewerbung ein Studium verpflichtender Bestandteil geworden. Mit einem Abschluss als Bachelor oder Master bzw. einem Diplom in der Tasche kann man heute bei potenziellen Arbeitgebern punkten. Vielfach absolvieren die Befragten daher im Anschluss noch ein berufsbegleitendes Studium zum Betriebswirt VWA an der Berufsakademie oder auch an einer (Fach-)Hochschule. Die praktischen Kenntnisse werden so durch einen weiteren Schritt mit theoretischem Wissen ergänzt und bieten eine solide Basis. Diese Entwicklung führt dazu, dass beim BVBC eine Vielzahl von Anfragen eingeht, inwieweit Teile der Weiterbildung zum Geprüften Bilanzbuchhalter auf ein BWL-Bachelorstudium angerechnet werden können.

Wichtig: Anrechnung bisheriger Abschlüsse auf ein Studium

Gerade die berufsbegleitenden Bachelorstudiengänge „Wirtschaft und Management“ sowie „Wirtschaft und Kommunikation“, jeweils mit dem Abschluss „Bachelor of Arts (B. A.)“ der FOM Open Business School, bieten interessante Anschlussqualifizierungen für die berufsqualifizierten Mitglieder des BVBC. Der BVBC wird daher als Ergebnis dieser Anfragen mit der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) eine Vereinbarung treffen, dass Bilanzbuchhalter (IHK) und Controller (IHK) nach aktuellem Stand (Mai 2014) in der Regel in die zweite Stufe des Studiums eingeschrieben werden können, sodass insgesamt nur noch vier Semester und das Vorsemester absolviert werden muss.

Fazit: Zielgruppenorientierte Weiterbildung bald möglich

Die genannte Vereinbarung ermöglicht Bilanzbuchhaltern und Controllern eine zielgruppengerechte – insbesondere akademische – Weiterqualifizierung in einem zeitlich überschaubaren Rahmen und unter Anerkennung ihrer umfangreichen Vorkenntnisse.

Permanente Weiterbildung als Trend

Laut der Studie scheint ein Studium keine alleinige Garantie mehr für eine höhere Einstiegsposition, ein höheres Einstiegsgehalt oder eine erfolgreiche Karriere zu sein, denn bereits 52 % der Teilnehmer haben nach dem Studium an einer Hochschule, Universität oder Fachhochschule mindestens eine weitere praxisorientierte Weiterbildung absolviert.

Gehaltstrends

Die Gehaltsentwicklungen zwischen Controllern und Bilanzbuchhaltung sind trotz der zunehmenden Harmonisierung beider Berufsgruppen sehr differenziert. Während Controller sinkende Gehälter hinnehmen müssen, können sich Bilanzbuchhalter über deutliche Steigerungen freuen. Der Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen tragen dazu bei.

Steigende Gehälter in der Buchhaltung

Laut der vorliegenden Gehaltsanalyse sind die Gehälter im Bereich Buchhaltung seit 2012 insgesamt um 6,5 % gestiegen. Das dickste Plus ist bei den Gehältern der Frauen mit 12,0 % zu verzeichnen, bei den Männern ergibt sich ein leichtes Plus von 0,9 %.

Diese Entwicklung deckt sich mit den Prognosen von Personalexperten, die aufgrund des Fachkräftemangels insgesamt mit einer langsamen, aber stetigen Steigerung des Gehaltsniveaus im Finanz- und Rechnungswesen rechnen.

Wichtig: Frauen verdienen weniger als Männer

Das Durchschnittsgehalt der Frauen ist im Bereich Buchhaltung um EUR 8.538 (15,4 %) geringer als das ihrer männlichen Kollegen. Damit hat sich die Einkommensdifferenz seit der letzten Untersuchung (2012) zwar um EUR 4.541 verringert; dennoch ist dies kein zufriedenstellendes Ergebnis.

Gehalts-Tabelle Buchhaltung

Die folgende Tabelle zeigt die Durchschnittsgehälter für den Bereich Buchhaltung:

Buchhaltung Gesamt   Frauen   Männer
2014 2012 2014 2012 2014 2012
Ø-Einkommen, in EUR 51.157 48.010 46.815 41.784 55.353 54.863
Ø-Arbeitsstunden/Woche 43 43 41 41 44 44
Ø-Urlaubstage/Jahr 28 28 28 28 29 29
Ø-Alter, in Jahren 41 42 41 42 42 42

Quelle: Tabelle 1a (Ergebnisse Buchhaltung im Überblick) aus BVBC Gehaltsanalyse 2014

Es handelt sich hierbei um gerundete Durchschnittswerte für den Bereich Buchhaltung zu den Merkmalen Gesamteinkommen, Wochenarbeitszeit, Jahresurlaub und Alter. Die Gehälter für diese Berufsgruppe sind im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 6,6 % gestiegen, wobei von dieser Erhöhung vor allem die Frauen profitierten. Die Arbeitszeit und Anzahl an Urlaubstagen sind hingegen unverändert geblieben.

Sinkende Gehälter im Controlling

Das durchschnittliche Gesamteinkommen der Berufsgruppe der Controller ist um 4,4 % gesunken. Die Männer haben Einkommenseinbußen von 4,4 %, die Frauen sogar von 6,4 % zu verzeichnen. Dies ist laut dieser Studie auf die stetig sinkende Nachfrage an Controllern zurückzuführen (auf Basis der Auswertung von Stellenangeboten).  Sowohl der HAYS Fachkräfte-Index Q4/2013 als auch die Auswertung des (Online-) Stellenmarktes im Finanz- und Rechnungswesen (CSI-Quartalsbericht), der regelmäßig in der Fachzeitschrift „Bilanzbuchhalter und Controller“ veröffentlicht wird, kommen zu der Erkenntnis, dass im vierten Quartal 2013 deutlich weniger Controller über Stellenanzeigen gesucht wurden als noch im Vorjahreszeitraum. Der HAYS Fachkräfte-Index nennt hier einen Rückgang von 16 %, der CSI-Quartalsbericht ermittelt ein Minus von 9 %.

Gehaltstabelle Controlling

Die folgende Tabelle zeigt die Durchschnittsgehälter für den Bereich Controlling:

Controlling Gesamt   Frauen   Männer  
  2014 2012 2014 2012 2014 2012
Ø-Einkommen, in EUR 63.404 66.322 54.585 58.340 66.108 69.145
Ø-Arbeitsstunden/Woche 45 46 43 45 46 47
Ø-Urlaubstage/Jahr 29 29 29 29 29 29
Ø-Alter, in Jahren 37 38 36 37 38 40

Quelle: Tabelle 1b (Ergebnisse Controlling im Überblick) aus BVBC Gehaltsanalyse 2014

Es handelt sich hierbei um gerundete Durchschnittswerte für den Bereich Controlling zu den Merkmalen Gesamteinkommen, Wochenarbeitszeit, Jahresurlaub und Alter. Im Gegensatz zum Bereich Buchhaltung ist im Controlling das durchschnittliche Gesamteinkommen im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 % gesunken, wobei die Frauen den größten Verlust erlitten. Trotzdem liegen die Gehälter noch immer deutlich höher als in der Berufsgruppe der Buchhalter.

Controller verdienen trotzdem mehr

Insgesamt verdienen Controller trotz sinkender Gehälter pro Jahr rund EUR 12.000 mehr als Mitarbeiter in der Buchhaltung. Allerdings scheinen sich die beiden Bereiche im Zuge der gesamten Harmonisierung des Rechnungswesens langsam anzunähern, da die Differenz in 2012 noch EUR 18.000 betrug. Zu beachten ist auch, dass Frauen im männerdominierenden Berufsfeld der Controller rund EUR 11.523 (17,4 %) weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Steigende Einkommen in kleinen Unternehmen

Laut der vorliegenden Ergebnisse sind die Einkommen in den kleinen Unternehmen deutlich gestiegen. Demnach erzielten die (Bilanz-) Buchhalter in den Unternehmen mit weniger als EUR 1 Million Umsatz einen Zuwachs von 15,0 %; die Einkommen der Controller legten hier um 3,8 % zu. Diese Entwicklung lässt die Interpretation zu, dass die gestiegene Nachfrage nach Bilanzbuchhaltern dazu führt, dass auch kleinere Unternehmen lukrativere Angebote unterbreiten müssen, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Wichtig: Jobgarantie bei erfolgreichem Abschluss zum Bilanzbuchhalter

Aufgrund der guten Jobperspektive als Bilanzbuchhalter ist das Interesse an der Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter unverändert hoch, allerdings brechen zahlreiche Teilnehmer die Weiterbildung ab oder scheitern an der überaus anspruchsvollen Abschlussprüfung. Gleichzeitig steigen aber auch die Ansprüche der Unternehmen an die Kandidaten. Somit wird deutlich: Wer die geforderten Qualifikationen mitbringt, hat de facto eine Jobgarantie.

 

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