Umworbene Berufsgruppe

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Knigge zum Erfolg

Stellen Sie sich vor, Sie sind gefragt, und wissen es gar nicht: Tipps für die Karriereplanung in Buchhaltung und Rechnungswesen.

© Johannes Becker und Andreas Janke, beide Hays AG, Mannheim

Alle Arbeitsmarktanalysen in der jüngeren Zeit kommen zum selben Ergebnis: Fachkräfte aus dem Rechnungswesen und Controlling sind in den kommenden Jahren gefragt. Sehr gefragt.

Wer sich weiterbildet und über den Tellerrand blickt, dem bietet sich daher eine Vielzahl an Möglichkeiten bei der Wahl seines Jobs. Die schlechte Nachricht ist: Viele Fachkräfte in Finanzbuchhaltung und Rechnungswesen scheinen sich ihrer guten Ausgangsposition am Arbeitsmarkt gar nicht so recht bewusst zu sein. Ein Blick in den Arbeitsalltag eines Buchhalters erklärt vielleicht ein Stück weit, warum das so ist.

Der klassische Hintergrund des Buchhalters ist noch immer eine kaufmännische Ausbildung. Oft haben Buchhalter für einige Jahre einen definierten Tätigkeitsbereich, etwa Kreditoren, Debitoren oder Lohn. Auch Steuerfachangestellte haben prinzipiell die Chance in diesem Metier: Sie bringen eine sehr gute, weil spezifische, Ausbildung mit; und wenn sie im Steuerberaterbüro Kapitalgesellschaften als Mandanten betreut haben, ist ein Wechsel in die Buchhaltung eines Unternehmens immer auch mit einem Gehaltssprung verbunden.

Oberste Prämissen für jeden Buchhalter im Arbeitsalltag sind Sorgfalt, Genauigkeit und Sicherheit. In einer Welt, in der die Compliance-Anforderungen an Unternehmen immer weiter zunehmen, muss die Buchhaltung prozesskonform und fehlerfrei ablaufen. Jeder Fehler würde das betroffene Unternehmen viermal so viel kosten. Vor diesem Hintergrund lässt sich sicherlich die Zurückhaltung mancher Fachkraft in der Buchhaltung leichter verstehen. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass man – fachliche Qualifikation vorausgesetzt – sich eines regen Interesses am Arbeitsmarkt sicher sein kann, wenn man sich nach einer neuen Stelle für den nächsten Karrieresprung umschaut.

Weiterbildungen – der unterschätzte Faktor

Das A und O einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn sind bei Buchhaltern Weiterbildungen. Damit ist nicht gemeint, dass man sich ständig über die gesetzlichen und steuerrechtlichen Veränderungen auf dem Laufenden hält, sondern qualifizierte Weiterbildungen. Zuvorderst wäre da die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter zu nennen. Sie sollte man nach drei bis fünf, spätestens acht Jahren im Beruf auf jeden Fall absolvieren, da sie Chancen eröffnet, beruflich deutlich weiterzukommen.

Etwa die Hälfte der jährlichen Bilanzbuchhalterprüfungen erfolgt an den Industrie- und Handelskammern, rund 40 Prozent an privaten Steuerfachschulen und zehn Prozent bei weiteren privaten Bildungsträgern.

In manchen Bundesländern sind die IHK-Abschlüsse zum geprüften Bilanzbuchhalter bekannter als die der privaten Steuerfachschulen. Aufgrund der Erfahrungen in der Vermittlungspraxis sind IHKs und private Steuerfachschulen bei der Wahl des Weiterbildungsanbieters vorzuziehen, da sie ein deutlich höheres Renommee besitzen.

Wobei einem bei dieser Weiterbildung nichts geschenkt wird: Laut der Fortbildungsstatistik des Deutschen Industrie- und Handelskammertages wurden 2011 gut 70 Prozent der an den Industrie- und Handelskammertagen abgelegten Prüfungen zum Bilanzbuchhalter bestanden. Die Quote derer, die im ersten Anlauf bestehen, ist aber deutlich niedriger.

Wer die Weiterbildung zum geprüften Bilanzbuchhalter daher scheut, findet auch andere lohnende Qualifizierungen. Hierzu gehören zum Beispiel internationale Bilanzierungsrichtlinien, Spezialisierungen in bestimmten Bereichen wie der Anlagenbuchhaltung oder Controlling für Buchhalter.

Gerade bei mittelständischen Unternehmen spielen internationale Bilanzierungsrichtlinien eine zunehmend wichtige Rolle, weil sie entweder zu einem Konzern gehören oder als Zulieferer für international tätige Konzerne bestimmte Compliance-Anforderungen erfüllen müssen. Reine HGB-Buchhalter verbauen sich also einen Teil des Arbeitsmarkts.

Die Anlagenbuchhaltung wiederum wird für die Unternehmen wichtiger, weil inzwischen gesetzlich mehr Freiheiten bei der Bilanzierung bestehen. Allerdings manövriert man sich mit einer solchen Spezialisierung auch in eine Nische des Arbeitsmarkts – eine solche Entscheidung sollte man sich also gut überlegen.

Option Selbstständigkeit

Laut dem Bundesverband selbstständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter (b.b.h.) bieten in Deutschland rund 100.000 Buchhaltungsbüros ihre Dienste an. Die Spanne ist dabei groß und reicht von der Betreuung einzelner Kunden, oft Kleinbetrieben oder freien Berufsgruppen, über die Zuarbeit für Steuerberater bis zur Betreuung mittelständischer Unternehmen im Zuge des Outsourcings.

Neben Selbstständigen, die ausschließlich im operativen Bereich tätig sind, gibt es auch Fachleute, deren Dienstleistung sich auf komplexe Themenstellungen bezieht: Unterstützung bei der Einführung neuer Systeme und Prozesse im Rechnungswesen, die Einführung eines neuen Bilanzierungsstandards in Unternehmen oder die Kompensation von personellen Ausfällen aufgrund von Krankheit oder Jobwechsel im Zuge des Interims-Managements. Geeignete Selbstständige für solche Interims-Positionen sind zunehmend im Rechnungswesen gefragt, vor allem anglo-amerikanische Unternehmen setzen verstärkt auf sie.

Nicht zuletzt treiben die zunehmenden Fusions- und Akquise-Aktivitäten in der Wirtschaft die Nachfrage nach Interims-Managern im Finanzbereich: Wenn etwa ein deutsches und ein japanisches Unternehmen miteinander fusionieren, müssen in ziemlich kurzer Zeit Ordnung in die Finanzdaten gebracht und die Systeme harmonisiert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass in den Finanzbereichen der beiden Unternehmen jemand arbeitet, der zum Beispiel sowohl nach IFRS, als auch nach Japanese-GAAP bilanzieren kann, ist jedoch gering. Interim-Manager, die in solchen Gebieten Experten sind, bringen die gefragten Qualifikationen mit. Sie konkurrieren dabei mit klassischen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften, bringen aber aufgrund ihrer früheren Tätigkeiten als Angestellte praktische Linienerfahrung mit, was zunehmend von Mittelstand und Konzernen sehr geschätzt wird.

Allerdings haben Fachkräfte in der Buchhaltung öfters das Problem, dass ihr Vorgesetzter die Notwendigkeit einer Weiterbildung anders beurteilt als sie selbst.

Hier spielt wiederum das Interesse des Unternehmens an geregelten, etablierten Abläufen eine wichtige Rolle: Buchhalter, die seit Jahren das Gleiche machen, beherrschen ihren Bereich aus dem Effeff – ein nicht zu unterschätzender Wert in einem Umfeld, in dem es auf Genauigkeit und Prozesstreue ankommt.

Weiterbildungswillige sollten sich also Argumente überlegen, inwiefern das Unternehmen oder der Vorgesetzte von einer Zusatzqualifikation des Mitarbeiters profitieren würde. Solche Argumente könnten zum Beispiel sein, dass eine bestimmte Weiterbildung dazu beiträgt, die Vorbereitungszeit für den Jahresabschluss drastisch zu verkürzen.

Letztlich geht es darum, dem Arbeitgeber zu signalisieren, dass man sich langfristig für das Unternehmen engagieren möchte und dafür eine Perspektive sucht.

Die weichen Faktoren

Nicht jede Stellenanzeige, in der eine Fach- oder Führungskraft für Buchhaltung oder Rechnungswesen gesucht wird, trifft den richtigen Ton, wenn sie die ideale Persönlichkeit des Bewerbers beschreibt. Dies zeigt die Personalvermittlungspraxis.

Denn spätestens im Vorstellungsgespräch suchen die Unternehmen eben primär doch die verlässliche, gründlich und strukturiert arbeitende Persönlichkeit. Schließlich sind Buchhaltung und Rechnungswesen von immenser Wichtigkeit für ein Unternehmen, denn dort müssen komplexe gesetzliche Regelungen, die oft schwer zu verstehen sind, hieb- und stichfest umgesetzt werden.

Trotzdem gibt es natürlich Eigenschaften und Anforderungen, die die Unternehmen zusätzlich fordern oder zumindest begrüßen. Wer sie mitbringt, erhöht seine Chancen also.

Hierzu gehört einerseits ein gewisses Hintergrundwissen über die Branche: Software wird anders bilanziert als Handelsware, bei Leasing oder Fonds gelten wiederum andere Regeln. Hierbei über einen gewissen Stallgeruch zu verfügen, ist also vorteilhaft. Anwenderkenntnisse in SAP sind unerlässlich, wenn man in Unternehmen ab einer bestimmten Größe arbeiten möchte, vor allem Erfahrungen mit den Modulen FI (Finanzen) und MM (Materialwirtschaft). Auch Englischkenntnisse, die über Schulniveau hinausgehen, sind in einer internationalisierten Wirtschaft immer häufiger gefordert.

Gerade durch die wachsende Bedeutung des Finanzbereichs für den Unternehmenserfolg haben Fach- und Führungskräfte aus dem Rechnungswesen heute auch stärker Kontakt mit Kollegen aus anderen Bereichen sowie mit Partnern und Kunden.

Daher sollten Bewerber nicht nur Fachwissen mitbringen und neue Lösungsansätze entwickeln können, sondern diese auch kommunikativ – und zielgruppengerecht – vermitteln können.

Ein weiterer Punkt ist das Thema Mobilität. Stand heute ist die Suche nach Buchhaltern stark regional bis lokal ausgerichtet. Wer zum Beispiel bundesweit sucht, erhöht seine Chancen in zweierlei Hinsicht: Er hat die größere Auswahl an Stellen und kann in Regionen wechseln, wo das Gehaltniveau höher liegt. Ganz abgesehen davon, dass man als Buchhalter unter den Mitbewerbern heraussticht, wenn man räumliche Flexibilität zeigt.

Lebenslauf und Vorstellungsgespräch

Ein tabellarischer Lebenslauf ist für viele Bewerber noch immer kein Selbstläufer – das zeigen die Erfahrungen in der Personalvermittlung. Die beruflichen Stationen sollten in ihm zeitlich geordnet sein, beginnend mit der aktuell ausgeübten Tätigkeit. Die Zeitangaben sollten monatsgenau erfolgen. Aus jeder beruflichen Station, die im Lebenslauf aufgeführt ist, sollte hervorgehen, um was für einen Arbeitgeber es sich gehandelt hat und welche Aufgaben der Bewerber zu erledigen hatte.

Zum Beispiel:

10/2009 bis heute:

Finanzbuchhalter

  4F Dichtungen GmbH, Hannover (3.500 Beschäftigte, Zulieferer für namhafte OEM der Automobilindustrie, Standorte in Deutschland, Frankreich und den USA)- Eigenständige Bearbeitung von 30 Lieferanten

– Mitarbeit bei Jahresabschlüssen

– Mitglied des Projektteams bei der Migration der Finanzbuchhaltung auf SAP

7/2004 bis 9/2009:

Accountant Kreditoren

  CRT GmbH & Co. KG, Hildesheim (500 Beschäftigte, Tier-2-Zulieferer Automobilindustrie)

 

An den Block mit der Berufserfahrung schließt sich ein Block mit Weiterbildungen an, gefolgt von einem Block zu „Ausbildung und Schule“. Den Abschluss bildet ein Block, aus dem Fremdsprachen- und IT-Kenntnisse sowie weitere Interessen hervorgehen.

Vollständigkeit ist wichtig im Lebenslauf. Das gilt auch für eventuelle Phasen der Arbeitslosigkeit, die man – wiederum monatsgenau – als „arbeitssuchend“ vermerken sollte. Eine Phase der Arbeitslosigkeit ist in der heutigen Zeit kein Makel mehr. Verschweigt der Bewerber sie im Lebenslauf, wird der Empfänger der Bewerbung aber sicherlich stutzig werden, wenn er zeitliche Lücken feststellt. Im günstigsten Fall führt das zu Nachfragen, im ungünstigsten zur Aussortierung der Bewerbung aus formalen Gründen, weil sie nicht vollständig ist.

Im Vorstellungsgespräch wiederum will das Unternehmen dann primär klären, ob es einem Bewerber zutraut, die ausgeschriebene Position auszufüllen. Mit dieser Frage im Hinterkopf sollte der Bewerber daher strukturiert über seinen beruflichen Werdegang berichten können. Strukturiert bedeutet dabei, dass er seine bisherigen Arbeitgeber, deren Organisation im Rechnungswesen und seine Tätigkeiten vorstellen können muss – im Abgleich mit dem ausgeschriebenen Stellenprofil. Auf Nachfragen sollte der Bewerber auch Details zu seiner bisherigen Tätigkeit flüssig beantworten können. Fakten sind dabei hilfreich, etwa wenn der Bewerber die konkrete Zahl der Kreditoren weiß, für die er zuständig war oder mit wem er auf Lieferantenseite zu tun hatte (Buchhaltung, Einkauf…).

Längere Verweildauern

Wie in jedem Beruf gibt es auch bei Buchhaltern unausgesprochene Regeln, was als adäquate Verweildauer auf einer Stelle gilt. Sie ist etwas länger als bei anderen Berufsgruppen.

Zwei Jahre sind das absolute Minimum, was sich schon aus den Abschlusszyklen erklären lässt. Längere Verweildauern sind die Regel – wer drei Jahre lang denselben Job macht gilt auch als Buchhalter als nicht sprunghaft. Auf jeden Fall sollte man im Job von Anfang an signalisieren, dass man auch offen für andere Tätigkeiten in der Buchhaltung des Unternehmens ist. Diese Bereitschaft muss man selbst deutlich kommunizieren, da der Vorgesetzte daran aus den bereits geschilderten Gründen nicht automatisch denken wird.

Mit zunehmender Berufserfahrung sollte man zudem darauf achten, dass die eigene Arbeit „näher an die Abschlüsse“ heranrückt. Denn über eines muss man sich im Klaren sein:

Ohne die Qualifizierung zum Bilanzbuchhalter und ohne Abschlusssicherheit wird eine Fachkraft keine Karriere machen können. Beides ist für eine Stelle als Leiter der Buchhaltung unumgänglich. Dieser Karrieresprung wird in der Regel nur bei kleineren Unternehmen möglich sein. Der gehobene Mittelstand und die internationalen Konzerne besetzen diese Position oder die Stelle des Leiters Rechnungswesen meist mit Bewerbern, die einen akademischen Hintergrund haben.

Der Werdegang eines solchen Kandidaten sieht typischerweise wie folgt aus: Nach einem kaufmännischen Studium mit dem Schwerpunkt Finanzen oder Steuern fängt der Absolvent bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an und arbeitet dort einige Jahre in der Unternehmensprüfung. Anschließend wechselt er in die Branche, in der er zuvor Kunden betreute.

Die Konzernwelt ist eine spezielle

Überhaupt steigert die schiere Größe eines Unternehmens die Entwicklungschancen einer Fachkraft in der Buchhaltung deutlich. Wer auf eine Laufbahn in einem Konzern schielt, sollte den Wechsel von Klein- zu Großunternehmen aber möglichst früh vollziehen, sonst klappt er nicht mehr. Denn Konzerne haben naturgemäß eine größere Komplexität der Prozesse und teils drastisch größere Buchungsvolumina zu bewältigen als ein kleineres Unternehmen. Für einen Bewerber, der bislang nur die „kleine Welt“ kennt, ist es schwierig in einem Vorstellungsgespräch überzeugend darzulegen, warum er auch im Konzern seine Tätigkeit umfänglich ausfüllen kann. Auch eine Expertenlaufbahn ist nur in einem Konzern möglich. Für gewöhnlich ziehen sich die Unternehmen diese Experten aus den eigenen Reihen heran.

Dagegen ist ein Wechsel zu einem anglo-amerikanischen Unternehmen für einen Buchhalter immer lohnend.

Einerseits arbeitet er dadurch in einem anderen kulturellen Umfeld, beweist also, dass er auch in dieser Hinsicht über den Tellerrand hinausschauen kann. Andererseits kommt er dort zwangsläufig mit dem Thema Controlling in Berührung, da angloamerikanische Unternehmen personell nicht zwischen Accounting und Controlling trennen. Selbst einen späteren Wechsel zurück in die reine Buchhaltung verbaut man sich dadurch nicht: Zwar wird ein Bewerber sich dann mit der Frage konfrontiert sehen, warum er sich wieder „nur auf Buchhaltung“ beschränken möchte, aber wenn er hierfür nachvollziehbare Gründe nennen kann, wird es nicht zu seinem Nachteil ausgelegt werden.

Bei näherem Hinschauen bietet also selbst ein Arbeitsfeld, in dem tendenziell ein Mangel an geeigneten Fachkräften besteht, viele Stolperfallen bei der Planung der beruflichen Karriere. Veränderungswillige haben hierbei die Möglichkeit, Personaldienstleister als Sparringspartner zu nutzen. Dadurch, dass solche Experten mit entwicklungswilligen Kandidaten über die Jahre in Verbindung bleiben, können sie ihnen beim jeweils nächsten Karrieresprung helfen.

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