Vertrauensarbeitszeit – Das müssen Sie beachten!

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Immer öfter bieten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Möglichkeit an, im Rahmen der sogenannten Vertrauensarbeitszeit zu arbeiten. Häufig sollen dadurch Anreize für Young Professionals geschaffen und die Attraktivität des Arbeitgebers erhöht werden.

Doch was bedeutet Vertrauensarbeitszeit und was müssen Sie beachten?

 

Vertrauensarbeitszeit ist ein Modell der Arbeitsorganisation, bei dem Sie als Arbeitnehmer selbst für die Gestaltung und Erfassung Ihrer Arbeitszeit verantwortlich sind. Im Vordergrund steht das Erledigen Ihrer Aufgaben. Ihr Arbeitgeber verzichtet auf die lückenlose Zeiterfassung und vertraut stattdessen darauf, dass Sie Ihre Arbeitspflichten erfüllen und sich Ihre Arbeitszeit eigenverantwortlich einteilen.

Jedoch gelten nach wie vor die gesetzlichen und tariflichen Arbeitszeitregelungen, ebenso wie Ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit. Deshalb ist die Vertrauensarbeitszeit weniger ein Modell der Arbeitszeit, sondern mehr der Arbeitsorganisation.

Wie genau die Vertrauensarbeitszeit geregelt ist, hängt vom Unternehmen ab. Es kann komplett auf zeitliche Vorgaben verzichten oder aber auch bestimmte Kernzeiten festlegen, an denen Sie anwesend sein müssen. Das Vertrauensarbeitszeitmodell kann im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag bzw. der Betriebsvereinbarung fixiert sein.

Da der Arbeitgeber aber weiterhin an die Verantwortung zur Einhaltung der Arbeitszeitregelungen gebunden ist, muss er dafür sorgen, dass der Arbeitnehmer die Arbeitszeiten korrekt einhält. Er „delegiert“ bei der Vertrauensarbeitszeit die Aufzeichnung zwar an den Arbeitnehmer, aber er darf auch entsprechende Nachweise einfordern.

 

Vorteile:

  • Die flexiblere Gestaltung Ihrer Arbeitszeit ermöglicht Ihnen eine Anpassung an Ihre persönlichen Bedürfnisse. Dies kann sich positiv auf Ihre Work-Life-Balance auswirken.
  • Das entgegengebrachte beidseitige Vertrauen kann das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber verbessern. Diese Vertrauenskultur verhilft (ebenso wie die Gestaltungsfreiheit) zu mehr Motivation und Zufriedenheit in Ihrem Job.
  • Durch die Ihnen anvertraute Verantwortung werden Ihre persönlichen Kompetenzen wie Ihre Eigenverantwortlichkeit gefördert.
  • Auch bei der Erledigung Ihrer Aufgaben können Sie profitieren: Saisonale Schwankungen im Arbeitspensum lassen sich leichter ausgleichen und Ihr Arbeitsprozess kann effizienter und ergebnisorientierter gestaltet werden.
  • Durch das Fehlen der strengen Arbeitszeitdokumentation wird zudem der administrative Aufwand reduziert und das Gefühl von ständiger Kontrolle vermieden.

 

Nachteile:

  • Das Modell der Vertrauensarbeitszeit stellt hohe Anforderungen an alle Beteiligten: an den einzelnen Arbeitnehmer ebenso wie an den Vorgesetzten. Die Freiheit und das hohe Maß an Verantwortung kann den Einzelnen überfordern.
  • Durch die flexible Gestaltung der Arbeitszeit können die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit verwischen und statt der erhofften verbesserten Work-Life-Balance wird das Gegenteil bewirkt.
  • Leider führt die Einführung von Vertrauensarbeitszeit häufig zu einer Ausweitung der Arbeitszeit. Dies kann einerseits durch den Arbeitgeber mit der Begründung von marktbedingtem hohem Arbeitspensum bedingt werden, andererseits aber auch vom Arbeitnehmer selbst, der sich mehr Arbeit auflastet, als er schaffen kann. Denn statt einer Zeitvorgabe muss er nun eine Zielvorgabe erfüllen – und arbeitet deshalb länger. Es fehlt eine Kontroll-Instanz.
  • Dies kann zum Verlust von Ansprüchen aus geleisteten Überstunden und damit dem Risiko der unbezahlten Mehrarbeit führen.
  • Außerdem können Überlastungssituationen entstehen, die mit der aktuellen Marktsituation begründet werden und nicht durch einen Zeitausgleich abgebaut werden können.

 

Tipps:

  • Um Überlastungssituationen zu vermeiden, sollten Sie von Anfang an bestimmte Schutzmechanismen einführen: Klären Sie im Voraus, welche Stunden Überstunden darstellen und welche Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit bestehen.
  • Achten Sie darauf, dass Sie die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes und des Arbeitsschutzgesetzes einhalten.
  • Bestehen Sie auf eine Vergütung, wenn Sie mehr arbeiten, als vertraglich geregelt ist.
  • Planen Sie Ihre Arbeitstage im Voraus und dokumentieren Sie Ihre Arbeitszeiten ehrlich mit. Seien Sie konsequent!
  • Suchen Sie rechtzeitig Rücksprache mit Ihrem Vorgesetzten, sobald sich eine Überbelastung einstellt und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.

 

 

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