Video-Beiträge: Kamera ab, Video läuft

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Bewegte Bilder vermitteln einen emotionalen Eindruck von Menschen, aber auch von Räumlichkeiten. Darum setzen immer mehr Kanzleien auf Videos. Außerdem ist die Video-Plattform You Tube die  zweitgrößte Suchmaschine der Welt.

Dirk Kunde, Diplom-Volkswirt, Journalistenbüro Textkunde, Hamburg,

Steuerconsultant, 11/2013

Es sind einfach beeindruckende Zahlen: Vier Millionen Videoabrufe und 25.000 Fans verzeichnet RA Christian Solmecke. Rund 400 Videos gibt es inzwischen bei You Tube mit und von dem auf Abmahnungen im Internet spezialisierten Rechtsanwalt aus Köln. „Unsere Kanzlei hat sich bei der Mitarbeiterzahl in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht“, sagt Solmecke, Partner bei Wilde Beuger Solmecke (WBS). 50 Festangestellte und 50 Freiberufler arbeiten für die Kanzlei.

Zwar nutzen die Kölner noch andere Mittel des Marketings, doch die Videos brachten die größten Erfolge. Solmecke weiß das so genau, weil am Ende jeder Folge eine spezielle Telefonnummer eingeblendet wird. Darüber kamen so viele Anrufe, dass ein eigenes Call-Center-Team im Haus aufgebaut wurde.

„Uns haben die Videos mehrere Tausend neue Mandanten gebracht“, fasst Solmecke zusammen.

Schlechter Ton und wackliges Bild prägten das erste Video

Eigentlich aber hatte alles mit einem Fehlstart begonnen. Solmecke arbeitete während seines Studiums für Zeitungen und Radiosender und bloggte später als Rechtsanwalt im Internet. 2009 wollte er seine Themen als „vertrauensbildende Maßnahme“ auch im Video präsentieren.

Mit einer Webcam nahm er Bild und Ton auf und zeigte das Ergebnis einer TV-Redakteurin – das Urteil war vernichtend. Die Inhalte stimmten, doch das wackelige Bild und der schlechte Ton ruinierten den Gesamteindruck.

„Ein guter Ton ist viel wichtiger als ein gestochen scharfes Bild“, weiß Solmecke heute. Er ließ das Vorhaben ruhen und recherchierte lange, wie eine professionelle Ausstattung aussehen müsste. Heute entstehen fünf Videos pro Woche. Gefilmt wird mit einer digitalen Kamera vor einem Bücherregal oder am Schreibtisch. Solmecke nutzt dabei ein spezielles Ansteckmikrofon, wobei der Ton separat mit einem Digitalrekorder aufgezeichnet wird. Eine Drei-Punkt-Beleuchtung sorgt dafür, dass keine Schatten im Gesicht zu sehen sind. Insgesamt habe er rund 1.500 Euro in die Technik investiert. Für Vorbereitung und Dreh braucht Solmecke drei Stunden. Ein Student der Filmhochschule benötigt noch mal zwei Stunden am Rechner, um fünf Videos zu schneiden.

StB Markus Händeler aus Köln schlüpft in seinen Videos in die Rolle einer Kunstfigur. Am „Steuerbüdchen“ beantwortet er als „Kioskbesitzer“ relevante Themen seiner Mandanten. Im Rheinland ist das Büdchen ein Treffpunkt für die Nachbarschaft und so greift Händeler im rheinischen Singsang die ansonsten trockenen Steuerthemen allgemeinverständlich auf. Für zwei Videos, die an einem Fenster seiner Privatwohnung entstehen, benötigt er drei Stunden. „Wir drehen das aus zwei Kameraperspektiven, sodass es nicht so statisch wird“, sagt Händeler. Ein Regisseur aus seiner Mandantschaft hilft bei der Produktion.

Nach zehn Videos ist erst mal Pause. „Die wirken noch nach, ich werde immer wieder darauf ngesprochen“, sagt Händeler, der nach Tätigkeiten in der Finanzverwaltung und einer Großkanzlei die Selbstständigkeit für sich entdeckte. „Ich wollte in meinen Videos keinesfalls die Kanzleileistungen aufzählen, weil das einfach zu viele machen.

Außerdem ist das für den Zuschauer nur langweilig“, sagt Händeler. Angst, vor die Kamera zu treten und frei zu reden, hatte er nicht. Dank Karneval sei er bühnenerfahren. „Sie müssen sich vor der Kamera wohlfühlen, ein steriles Fotostudio vergrößert nur Stress und Unbehagen bei der Aufnahme“, sagt Richard Gutjahr, TV-Journalist und Video-Blogger aus München.

StB Jörg Reimer aus Aachen darf jede Woche vor die Kamera in ein professionelles Studio. Im Gespräch mit einer Moderatorin gibt es beim Lokalsender Center TV Ratschläge zu Themen wie Ehegatten-Splitting oder Alterseinkünftegesetz. Die Videos des Senders darf der Steuerberater aus Aachen via You Tube auch auf seiner Webseite nutzen.

Diese brachten Reimer auch schon eine Einladung zu Maybrit Illners ZDF-Talkshow zum Thema Mieter, Makler und Spekulanten.

Suchen Journalisten Fachleute, recherchieren sie natürlich auch bei You Tube. Darum greift auch Anwalt Solmecke gern tagesaktuelle Themen in seinen Videos auf. Damit stehen die Chancen gut, in Medien zitiert oder zu TV-Sendungen eingeladen zu werden.

30 TV-Sendemitschnitte zu Steuerthemen, 55.000 Aufrufe

StB Carsten Schulz, geschäftsführender Partner bei HSP Steuer in Hannover, war in Sendungen von Bloomberg TV und Berlin TV. Die Einladungen verdankt er rund 30 Videos zu Steuerthemen, die bislang 55.000 Mal abgerufen wurden. „Wir machen das, um besser im Internet gefunden zu werden. Jedes Video enthält einen Link zu unserer Webseite“, sagt Schulz.

You Tube ist nach Google die zweitgrößte Suchmaschine. Der Suchkonzern erkannte früh die Bedeutung von Bewegtbild im Internet und kaufte für einen Milliardenbetrag 2006 die Videoplattform. „Durch die Brille eines Anwalts kann man bei den Nutzungsbedingungen nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“, sagt Solmecke. Die Rechte an den Videos fallen nach Veröffentlichung an das US-Unternehmen. Doch setzt Solmecke die Marketing-Brille auf, gibt es keine Alternative.

Bei HSP Steuer begann es 2008 mit einem Auftrag. Ein Fachverlag fragte an, ob die Kanzlei Videos zu Steuerthemen drehen könne. Schulz investierte rund 10.000 Euro in Studiotechnik und legte los. Da die Beiträge im sogenannten Blue-Box-Verfahren gedreht wurden, lässt sich der Hintergrund austauschen. Die Gespräche der beiden handelnden Personen bekamen den Grünton des Kanzleilogos und laufen seitdem bei You Tube als auch auf der Kanzleiwebseite.

„Schlechtes Video multipliziert sich in negativer Wirkung“

Auch Schulz rät, sich professionelle Hilfe oder zumindest Urteile zu den fertigen Produkten zu holen. „Ein gutes Video bringt noch keine neuen Mandanten, aber ein schlechtes Video multipliziert sich in seiner negativen Wirkung“, ist Schulz überzeugt. Bevor die eigentlichen Themen gedreht werden, sollten Aussprache und Haltung, vor allem der Hände, vor der Kamera geübt und kritisch beurteilt werden. Zwei Leute in einer Gesprächssituation sind immer eine gute Lösung, weil es Nervosität nimmt.

In eine schwarze Kameralinse zu sprechen, ist für die meisten Menschen ungewohnt und erfordert Übung. Auch den richtigen Ton zu treffen, ist nicht leicht. Während Christian Solmecke anfangs seine Zuschauer siezte, ist er mittlerweile zum Du übergegangen. Grund für den Wechsel sind die Umgangsformen in sozialen Netzwerken und die Kommentare zu den Videos. Das Einstellen eines Videos bei You Tube ist nur der erste Schritt, denn Zuschauer kommentieren Beiträge oder stellen Fragen. Wenn man die nicht beantwortet, verpufft die positive Wirkung der Videos, es hagelt Kritik und enttäuschte Einträge.

You Tube schaltet Werbespots vor den eigentlichen Beiträgen, an den Einnahmen werden die Videoproduzenten beteiligt. Anwalt Solmecke plädiert klar gegen die Werbespots, da sich ein Anwalt damit im gewerblichen Bereich bewegt. Er selbst nutzt aber diese Gelegenheit. Allerdings will keine Kanzlei, dass eine andere kurz vor dem eigenen Video Werbung macht. Darum sollte man die Werbeoption in den Einstellungen des You-Tube-Kontos deaktivieren.

You Tube-Videos auf Kanzleiwebsite machen Besucher neugierig

Wer selber Videos produziert, muss diese nicht zwingend bei You Tube hochladen. Man kann bei seinem Hosting-Anbieter zusätzlich zur Webseite sogenanntes Video-Hosting buchen. Der Vorteil von You Tube ist, dass Nutzer direkt dort suchen und Videos sich einfach in weitere Webseiten einbinden lassen. „Die You-Tube-Videos auf unserer Webseite werden angeklickt, weil man so etwas bei einem Steuerberater nicht erwartet“, sagt Schulz.

Er plant aktuell für die 15 Partnerkanzleien der HSP-Gruppe an 21 Standorten die Umsetzung von Imagefilmen. Ein Imagefilm ist ein erster guter Schritt im Videobereich. Mit einem professionellen Produktionspartner setzt man Mitarbeiter, Räumlichkeiten und Kanzleileistungen ansprechend in Szene.

Denn nicht jeder kann kameratauglich etwas zu fachlichen Themen sagen, schon gar nicht in regelmäßigen Abständen. Außerdem lässt irgendwann das Zuschauerinteresse nach, wenn sich ein Dutzend Berater zum gleichen Thema äußern.

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