Was beim Kindergeld ein Erststudium ist, kann für die Steuer ein Zweitstudium sein

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Beim Kindergeld ist ein Erststudium, bei der Einkommensteuer dagegen ein Zweitstudium vorteilhafter. Da die Abgrenzung zwischen Erst- und Zweitausbildung aber in beiden Bereichen unterschiedlich erfolgt, kann man u. U. doppelt profitieren.

Das Einkommensteuergesetz bestimmt seit 2015, dass Aufwendungen für eine Berufsausbildung oder ein Studium nur dann Werbungskosten sind, wenn zuvor bereits eine Erstausbildung (Berufsausbildung oder Studium) abgeschlossen wurde oder Berufsausbildung/Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfinden. Eine Berufsausbildung als Erstausbildung liegt vor, wenn eine geordnete Ausbildung mit einer Mindestdauer von 12 Monaten bei vollzeitiger Ausbildung absolviert und abgeschlossen wird. Ziel der neuen Regelung war es, gewisse Mindestanforderungen an eine Erstausbildung zu stellen, weil nach Abschluss einer Erstausbildung eine nachfolgende Zweitausbildung zum Werbungskostenabzug (anstatt begrenzter Sonderausgabenabzug) führt. Dies ist meistens günstiger, weil ein Werbungskostenabzug in voller Höhe geltend gemacht werden kann und Verluste auch in spätere Jahre vorgetragen werden können.

Beim Kindergelds ist dagegen eine Erstausbildung häufig günstiger, weil man seit 2012 für ein Kind, das für einen Beruf ausgebildet wird, nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums nur noch dann weiter Kindergeld bekommt, wenn das Kind keiner schädlichen Erwerbstätigkeit (über 20 Stunden regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit) nachgeht.

Der BFH hat hierzu zugunsten der Kindergeldbezieher entschieden, dass auch ein Bachelorstudium noch Teil einer einheitlichen Erstausbildung sein kann, wenn ein Kind im Rahmen eines dualen Studiums nach erfolgreichem Abschluss seines studienintegrierten Ausbildungsgangs, sein parallel zur Ausbildung betriebenes Studium fortsetzt. Begründet wurde dies im Wesentlichen damit, dass bei der Auslegung des Begriffs der Berufsausbildung auch das Berufsziel des Kindes berücksichtigt werden muss. Demnach sind auch weiterführende (aufeinander aufbauende) Maßnahmen noch Teil einer mehraktigen Erstausbildung, wenn das angestrebte Berufsziel nur über einen weiteren Abschluss erreicht werden kann. Folgerichtig hat der BFH dann kürzlich auch entschieden, dass auch ein weiterführendes Masterstudium nach einem Bachelorstudium als integrativer Teil einer einheitlichen (mehraktigen) Ausbildung anzusehen ist, wenn die Abschnitte in einem engen sachlichen (selbe Berufssparte) und zeitlichen Zusammenhang (nächstmöglicher Zeitpunkt) stehen.

Beispiel: Der 23-jährige A nimmt nach seinem Abitur ein Studium im Fach Chemie auf. Im Mai 2015 beendet er das Studium mit dem Bachelor-Abschluss. Unmittelbar nach dem Abschluss beginnt A den Masterstudiengang (Chemie). Um sich sein Studium zu finanzieren arbeitet er ab Mai 2015 ca. 25 Wochenstunden in einer Firma.

Für den Masterstudiengang kann A hier Werbungskosten geltend machen, weil der Abschluss eines Bachelorstudiengangs grundsätzlich eine Erstausbildung und ein nachfolgender (Master-)Studiengang ein weiteres Studium darstellt.

Tipp: Steuerexperte Christian Weber weist darauf hin, dass lt. BFH bei der kindergeldrechtlichen Auslegung der Begriffe der erstmaligen beruflichen Ausbildung und des Erststudiums keine Bindung an eine ggf. abweichende Auslegung dieser Begriffe im Rahmen der Einkommensteuer besteht. Auch die Finanzverwaltung hat aktuell (BMF-Schreiben v. 8.2.2016) entschieden, dass die kindergeldrechtliche Rechtsprechung anzuwenden ist und es für die Frage, ob eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium kindergeldrechtlich abgeschlossen sind, nicht darauf ankommt, ob die Berufsausbildung bzw. das Studium die besonderen Voraussetzungen für eine Erstausbildung im Sinne des Einkommensteuerrechts erfüllen.

Für das o. g. Beispiel bedeutet dies, dass hier kindergeldrechtlich ein (günstiges) Erststudium und für die Frage Werbungskosten oder Sonderausgaben ein (günstiges) Zweitstudium vorliegt.

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