Was ist eigentlich ein Pyrrhus-Sieg?

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

Harterkämpfter Sieg; Quelle: Photos.com

Haben Sie schon einmal einen Sieg errungen, den Sie sich teuer erkaufen mussten? So teuer sogar, dass Sie auf weitere Siege dieser Art lieber verzichten würden?

Wenn ja, dann befinden Sie sich in Gesellschaft des Königs Pyrrhus, der als Herrscher von Epirus (Nord-Griechenland) gegen die Römer Krieg führte. Im Jahr 279 kam es zur Schlacht von Asculum (südöstlich von Rom), die Pyrrhus siegreich gestalten konnte. Allerdings waren die Verluste auf seiner Seite so hoch, dass er zu einem Vertrauten gesagt haben soll: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“
Vier Jahre später folgte bei Beneventum in Süditalien die nächste Schlacht. Dieses Mal erlitt Pyrrhus eine empfindliche Niederlage, wodurch obendrein der Krieg gegen die Römer verloren war. Seine Vorahnung hatte Pyrrhus also nicht getrogen.

Der Pyrrhische Krieg markiert aus heutiger Sicht einen wichtigen Meilenstein beim Aufstieg Roms zur Weltmacht. Außerdem machte er den „Pyrrhus-Sieg“ zu einem feststehenden Begriff der deutschen Sprache. In Anlehnung an das genannte Zitat ist damit ein Sieg gemeint, dessen negative Folgen die positiven überwiegen. Zweifellos ist der Pyrrhus-Sieg ein nützlicher Begriff im Wortschatz eines Managers.
Blickt man auf die jüngere Wirtschaftsgeschichte zurück, dann findet man eine wahre Flut von Pyrrhus-Siegen. Das beeindruckendste Beispiel ist zweifellos die Versteigerung der UMTS-Lizenzen durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) im Jahr 2000. Damals bewarben sich sieben Mobilfunk-Anbieter um insgesamt zwölf Lizenzen (zwei pro Anbieter waren notwendig, um ein Netz betreiben zu können) und lieferten sich dabei eine bis dahin unbekannte Bieterschlacht. Am Ende mussten die sechs Sieger der Auktion insgesamt 50,8 Milliarden Euro auf den Tisch blättern, um die begehrten Zulassungen zu erhalten.

Noch während die Lizenzgewinner nach der Auktion auf ihren Erfolg anstießen, machte unter den Beobachtern der Ausdruck „Pyrrhus-Sieg“ die Runde. Die Lizenzen waren so teuer, dass keiner der Auktionsgewinner schlüssig erklären konnte, wie er diese gewaltige Investition refinanzieren wollte. Die Firma Debitel, die als erster und einziger Bieter während der Auktion ausgestiegen war, konnte sich als moralischer Sieger fühlen. Davon abgesehen war das Finanzministerium der eigentliche Gewinner der Versteigerung, denn mit einem derart hohen Erlös hatte man dort nicht gerechnet. Die Folgen für die frischgebackenen UMTS-Lizenzinhaber machten der Bezeichnung Pyrrhus-Sieg alle Ehre. Selbst der Marktführer Deutsche Telekom schlitterte in eine Krise, die Unternehmens-Chef Ron Sommer den Job kostete. Währenddessen drohte dem Konkurrenten Mobilcom sogar die Insolvenz. So blieb dem Büdelsdorfer Unternehmen nichts anderes übrig, als die Lizenz zurückzugeben und die Milliarden abzuschreiben. Auch die Group 3G (später in „Quam“ umbenannt) gab ihre UMTS-Pläne in Deutschland aus Kostengründen auf und blieb auf einem Milliardenverlust sitzen. Die anderen Teilnehmer hatten ebenfalls schwer an ihrem Erfolg zu knabbern, zumal UMTS bis heute alles andere als eine Gelddruckmaschine ist. Vermutlich dachten daher alle UMTS-Gewinner nach der Auktion: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren.“

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte bestätigen Sie, dass Sie keine Maschine sind, indem Sie die Rechenaufgabe lösen. Nähere Informationen.