Was Kanzleien wollen

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

Tags:

Bewerbungsgespraech

Auslandspraktika, Prädikatsabschlüsse, exzellentes Englisch und dazu Verhandlungsgeschick, Kommunikationsstärke und Akquisefähigkeit: Die Anforderungen an Berufsanfänger im Steuerbereich sind in den letzten Jahren stark gestiegen.

 

 

 

Neben hoher fachlicher Kompetenz und entsprechender Schwerpunktsetzung im Studium nehmen Personalverantwortliche der Steuerberatungskanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften immer mehr auch die Persönlichkeit der Bewerber ins Visier. Unternehmerisches Denken, Führungsstärke und Teamfähigkeit geraten in den Vordergrund beim Recruiting-Prozess der Nachwuchskräfte.

Die Trauben hängen hoch, besonders bei den Großen der Branche. Sowohl Ernst & Young (E&Y), Deloitte als auch KPMG und PricewaterhouseCoopers (PwC), die großteils unter sich den Markt der Wirtschaftsprüfung aufteilen, legen in ihren Stellenausschreibungen den Fokus auf überdurchschnittliche Studienergebnisse und auf die interkulturelle Kompetenz der Bewerber. Doch das ist nicht alles: „Es sollte Sie reizen, in einem dynamischen Umfeld zu arbeiten und ihr analytisches Verständnis, Flexibilität und Teamgeist einzubringen. Den sicheren Umgang mit den gängigen Office-Anwendungen setzen wir ebenso voraus wie uneingeschränkte Reisebereitschaft“ – so wendet sich die KPMG an Einsteiger auf ihrer Karriereseite im Internet. Praktika sind ein Muss, optimalerweise fordert der Beratungsriese noch Auslandsaufenthalte und eine passgenaue Abschlussarbeit von potenziellen Mitarbeitern.

Auch kleine und mittelgroße Kanzleien haben Ansprüche

Doch auch mittelständische und kleinere Steuerberatungskanzleien begnügen sich längst nicht mit 08/15-Kandidaten. „Ein gutes Examen, steuerrechtliche Schwerpunktsetzung im Studium, außerdem viele praktische Erfahrungen während der vorlesungsfreien Zeit machen für Kanzleiinhaber Bewerber interessant. Wenn dann noch ein offenes und gewinnendes Wesen dazukommt und die Chemie mit den Partnern stimmt, stehen die Chancen für eine Einstellung gut“, erklärt vBP/StB Harald Grürmann. Grürmann ist für die Aus- und Fortbildung der Berufsangehörigen beim Präsidium der Bundessteuerberaterkammer zuständig und hat eine eigene Steuerkanzlei im niedersächsischen Lüneburg.

WP/StB Gertrud Bergmann von der Röver Brönner GmbH & Co. KG aus Berlin ist das nicht genug: „Je mehr fachliche Qualifikationen der Bewerber mitbringt, desto besser. Natürlich schaue ich mir auch die Studiendauer an, aber vor allem auch die Hochschule oder Fachhochschule, die er besucht hat, denn wir haben große Unterschiede zwischen den Absolventen der einzelnen Bildungseinrichtungen festgestellt.“ Außerdem wünscht sich Röver Brönner mindestens einen Master-Abschluss: „Wir haben schlechte Erfahrungen mit Bachelor-Absolventen gemacht. Ihre fachlichen Qualifikationen reichen uns bei Weitem nicht“, erklärt Bergmann.

Master-Studiengang für Wirtschaftsprüfung geplant

Ähnliche Mängel haben auch Deloitte, E&Y, KPMG und PwC festgestellt. Künftig wollen sie deswegen ihren Nachwuchskräften in Deutschland einen einheitlichen berufsbegleitenden Master-Studiengang „Wirtschaftsprüfung“ anbieten, der die eigenen Ausbildungsprogramme der Gesellschaften ergänzen soll. „Mit dem Bachelor ist die Qualifikation der Bewerber deutlich heterogener geworden. Der von uns gemeinsam mit Hochschullehrern entwickelte berufsbegleitende Masterstudiengang bietet unserem Nachwuchs eine strukturierte, praxisorientierte und zukunftsweisende Ausbildung“, betont PwC-Personalvorstand Marius Möller in Frankfurt/Main. „Der Master-Studiengang verkürzt nicht nur die Ausbildungsdauer, sondern wir rechnen auch mit einer deutlich höheren Erfolgsquote“, ergänzt Matthias Wehling, Mitglied der Geschäftsführung von E&Y.

Nicht nur von Wirtschaftsprüfern, auch von Steuerberatern wird inzwischen eine fundierte akademische Ausbildung, etwa der Wirtschafts- oder aber der Rechtswissenschaften erwartet – und das obwohl der Beruf des Steuerberaters grundsätzlich kein rein akademischer ist. „Auch der Zugang über den Abschluss einer kaufmännischen Ausbildung ist möglich“, sagt RA Christian Michel, Referent für Berufsrecht beim Deutschen Steuerberaterverband e. V. in Berlin. „Aufgrund der hohen Anforderungen, die an den Beruf gestellt werden, wird künftig jedoch eine akademische Ausbildung für eine erfolgreiche Berufsausübung nahezu unverzichtbar sein.“ Zudem werde die Zahl der steuerrechtlichen Regelungen und finanzgerichtlichen Entscheidungen immer umfangreicher. Dies stelle zwangsläufig bereits an Berufsanfänger erhöhte Anforderungen an die tägliche Arbeit, und zwar unabhängig von der Kanzleigröße, erklärt Michel. Trotzdem bleiben die Jobaussichten für Absolventen gut.

Laut der vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg herausgegebenen Publikation „Berufe im Spiegel der Statistik“ ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Arbeitslosen in diesen Berufsgruppen halbiert. Hintergrund für diese positive Entwicklung sind die weiter gestiegenen Anforderungen an das Rechnungswesen der Unternehmen.

Prüfungsunternehmen brauchen mehr Mitarbeiter

Damit verbunden steigen auch die Anforderungen an die Prüfungsunternehmen, die zur Bewältigung ihrer Aufgaben mehr Mitarbeiter benötigen. „Steuerberater ist ein Beruf mit Zukunft. Er unterliegt kaum konjunkturellen Schwankungen“, so Thomas Lehr, Personalchef der Ecovis Wirtschaftstreuhand GmbH mit Sitz in München. „Der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs ist in unseren Niederlassungen momentan steigend.“ Schließlich werden gerade in Krisenzeiten Spezialisten benötigt, die Risikobereiche bewerten und bei betriebswirtschaftlichen Problemen helfen können.

Was den Bewerbungsweg betrifft, gehen die Kanzleien – je nach Größe – verschiedene Wege. Inhaber von kleinen Kanzleien bevorzugen meist immer noch die klassische Bewerbungsmappe in Papierform, weil sie diese persönlicher als die Bewerbung finden. Große und mittelständische Gesellschaften bevorzugen hauptsächlich eine E-Mail-Bewerbung beziehungsweise das Ausfüllen eines Bewerbungsformulars auf ihrer Homepage, weil es ihnen die Arbeit erleichtert.

Bei kleineren Kanzleien empfiehlt sich vor der Bewerbung ein Telefonat mit dem Chef, vor allem wenn es sich um eine Initiativbewerbung handelt. Größere Gesellschaften sehen das hingegen nicht so gerne. „Die meisten Informationen stehen auf der Homepage. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Bewerber am Telefon einen schlechten Eindruck hinterlassen, weil sie oft unvorbereitet sind“, erzählt Thomas Lehr von Ecovis.

Sehr gute Englischkenntnisse als wichtige Voraussetzung

Weiterhin sind sehr gute Englischkenntnisse eine wichtige Einstiegsvoraussetzung bei vielen Kanzleien, da das internationale Steuerrecht sowie die internationale Rechnungslegung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auch mit weiteren Fremdsprachenkenntnissen kann man punkten, wenn etwa Mandanten mit internationaler Geschäftsausrichtung nach Ost- oder Südeuropa oder nach Asien betreut werden. Zudem sollte man natürlich bereit und gewillt sein, sich lebenslang weiterzubilden – unabhängig von der Kanzleigröße.

„Neben der klassischen Steuerberatung wird insbesondere die betriebswirtschaftliche Beratung des Mandanten weiter an Bedeutung gewinnen“, sagt Michel vom DStV. Vor diesem Hintergrund hat der Verband das Fachberaterkonzept entwickelt, das sich am Konzept der Fachanwaltschaften im Bereich der Rechtsanwälte orientiert. „Eine zusätzliche Qualifizierung zum Fachberater DStV e. V. ist insoweit eine Erfolg versprechende Option, den zukünftigen Herausforderungen auf dem Beratungsmarkt aktiv zu begegnen“, erklärt Michel.

Wer also bereit ist, alle Strapazen auf sich zu nehmen, um die hohen Anforderungen der Arbeitgeber zu erfüllen und dazu noch den richtigen „Persönlichkeits-Faktor“ sowie die „stimmende Chemie“ mitbringt, kann sich auf einen gut bezahlten und krisensicheren Job in der Branche freuen. Nach Erhebungen des DStV bewegten sich die Einstiegsgehälter für angestellte Steuerberater in Abhängigkeit von Kanzleigröße und Region im vergangenen Jahr durchschnittlich zwischen 40.000 und 45.000 Euro. Mit der Berufserfahrung steigt dann auch das Gehalt, als Karriereperspektive lockt die Beteiligung als Partner.

Seiten: 1 2 3 4

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte bestätigen Sie, dass Sie keine Maschine sind, indem Sie die Rechenaufgabe lösen. Nähere Informationen.