Werbungskosten beim studierenden Kind, obwohl der Vater die Miete zahlt?

Veröffentlicht am von Haufe eCampus Redaktion

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Die Kosten für ein Studium können unter bestimmten Voraussetzungen als vorweggenommene Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Aber was gilt, wenn nicht der Student selbst, sondern dessen Eltern die Kosten tragen? Mit dieser Frage hat sich kürzlich das Niedersächsische Finanzgericht befasst.

Dem Streitfall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Eine Studentin begann 2012 nach einer Berufsausbildung als Tierarzthelferin ein Medizinstudium. In ihrer Steuererklärung für 2012 machte sie wegen des Studiums vorweggenommene Werbungskosten geltend (u. a. Maklerprovision und Wohnungsmiete). Vertragspartner des Makler- und des Mietvertrags war der Vater der Studentin. Dieser leistete auch die Zahlungen. Die Studentin verpflichtete sich gegenüber ihrem Vater zur Rückzahlung der Miete nach Abschluss ihres Studiums.

Grundsätzlich können nur solche Aufwendungen als Werbungskosten abgezogen werden, die vom Steuerpflichtigen selbst geleistet werden. Diese Voraussetzung kann jedoch auch erfüllt sein, wenn die Leistungen von einem Dritten (hier: dem Vater) erbracht werden. Man spricht hier von einem abgekürzten Vertrags- bzw. Zahlungsweg.

Werbungskosten sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie anfallen. Das geht sogar schon zu einem Zeitpunkt, wenn noch gar keine entsprechenden Einnahmen erzielt werden (sog. vorweggenommene Werbungskosten). Voraussetzung ist, dass ein hinreichender wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen den Aufwendungen und den (späteren) Einkünften besteht.

In seinem Urteil (v. 25.2.2016, 1 K 169/15) kam das Niedersächsische FG zu dem Ergebnis, dass sowohl die Maklerprovision als auch die Miete durch das Studium veranlasst sind. Die Anmietung einer Wohnung am Studienort sei erforderlich, um das Studium dort aufnehmen zu können. Dennoch ließ das Gericht den Werbungskostenabzug nur für die Maklerprovision zu. Bei dieser handle es sich um eigenen Aufwand der Studentin, der von ihrem Vater aufgrund eines abgekürzten Vertragswegs geleistet wurde.

Die Aufwendungen sind als vorweggenommene Werbungskosten der Tochter bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit zu berücksichtigen. Es besteht ein hinreichender wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen ihnen und späteren Einkünften, da es sehr wahrscheinlich ist, dass die Tochter nach Abschluss ihres Medizinstudiums zunächst eine nichtselbstständige Tätigkeit ausüben wird (z.B. als Assistenzärztin).

Die Miete ist dagegen nicht als eigener Aufwand der Studentin anzusehen, da es sich um eigene Schulden des Vaters aus den Mietverträgen handelt. Begründung: Die Grundsätze des abgekürzten Vertragswegs sind bei Dauerschuldverhältnissen (z.B. Mietvertrag) nicht anwendbar. An diesem Ergebnis ändert auch die mit dem Vater abgeschlossene Rückzahlungsvereinbarung nichts, da die Tochter hieraus im Jahr 2012 keine Zahlungen geleistet hat. Die Miete konnte daher nicht als Werbungskosten bei der Tochter abgezogen werden.

Anders hätte die Sache wohl ausgesehen, wenn die Studentin den Mietvertrag selbst abgeschlossen hätte, was im Streitfall aber nicht möglich war, weil der Vermieter auf einem Vertrag mit dem Vater bestanden hatte.

Nicht nur für Laien ist schwer nachzuvollziehen, dass ein abgekürzter Vertragsweg je nach zugrundeliegendem Vertrag in einem Fall anerkannt wird und im anderen nicht. Das sah auch das Finanzgericht so und ließ daher die Revision zum Bundesfinanzhof zu.

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